26. Oktober 2009, 17:22 Uhr

»Wenn’s nächste Woche schneit, sind wir am Ende«

Reiskirchen/Gießen (age/AP/ddp). Vor wenigen Tagen meldeten die Nachrichtenagenturen mögliche Engpässe bei der Versorgung mit Winterreifen. Grund dafür ist der Absatzboom bei Kleinwagen als Folge der Abwrackprämie.
26. Oktober 2009, 17:22 Uhr

Reiskirchen/Gießen (age/AP/ddp). Vor wenigen Tagen meldeten die Nachrichtenagenturen mögliche Engpässe bei der Versorgung mit Winterreifen. Grund dafür ist der Absatzboom bei Kleinwagen als Folge der Abwrackprämie. Gegenüber dem Vorjahr haben nach Angaben des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) die maßgeblichen Hersteller eine um 27 Prozent höhere Auslieferung gemeldet. Im Falle massiver Kälteeinbrüche könnte es bei der Umrüstung kompakter Fahrzeuge mit eher kleinen Reifen zu Lieferschwierigkeiten kommen. Allgemein aber zeichne sich laut BRV in diesem Jahr bei der Verfügbarkeit von Winterreifen kein generelles Problem ab.

Im Landkreis Gießen ist davon aber jetzt schon etwas zu spüren. Beim Kfz-Meisterbetrieb Schomber in Ettingshausen etwa gestaltet sich das Bestellen von Reifen in den Größen 14 bis 16 Zoll zunehmend schwieriger. Vor allem Testsieger zu bekommen, erfordere einen deutlich höheren Aufwand. Bereits im Frühjahr habe sich dies bei den Sommerreifen angedeutet, berichten Anita und Erwin Schomber. Richtig angespannt sei die Lage aber noch nicht. Gleiches gelte im übrigen für die dazugehörigen Felgen.

Beim Reifenhändler Simon in Schotten bei Laubach bestätigt sich dieses Bild. Im ansonsten gut gefüllten Lager zeigen sich gerade bei den kleineren Größen schon einige Lücken. Die weitere Entwicklung hänge vom Wetter ab. »Wenn’s nächste Woche schneit, sind wir am Ende«, sagt Heinrich Hau.

Wenn aber bis in den Advent hinein kein Wintereinbruch zu verzeichnen sei, werde es vermutlich keine Probleme geben. Die potentiellen Käufer könnten ihr Geld eben nur einmal ausgeben und würden dann auf neue Pneus verzichten. Etwa 60 bis 70 Prozent der Autofahrer hätten ihre Reifen schon gewechselt.

Hochbetrieb bei der Umrüstung herrscht derzeit bei Premio Reifen-Späth in Gießen. Niederlassungsleiter Karl Hummer - immerhin seit 1970 im Geschäft - hat nach eigenen Worten »einen solchen Oktober noch nicht erlebt«. Die kurze Kälteperiode zu Beginn des Monats habe dazu geführt. Er kann dank der Mitgliedschaft in einem Einkaufsverbund in ein volles Lager blicken. Besonders gute Reifen seien aber auch bei ihm durchweg knapp.

Die sich abzeichnende Angebotslücke - tendenziell verbunden mit steigenden Preisen - hat nach Ansicht der Gesprächspartner mutmaßlich mehrere Ursachen. In der Regel werden die Winterreifen im Frühjahr hergestellt, so dass man auf Mehrbedarf erst verzögert reagieren kann. Darüber hinaus scheinen die Produzenten angesichts der Wirtschaftskrise vorsichtig auf die erhöhte Nachfrage zu reagieren oder haben die Produktion sogar eingeschränkt. Und: Seit geraumer Zeit schon produzieren sie nicht mehr auf Lager, können Nachfrageschwankungen somit nicht kurzfristig ausgleichen.

Winterreifen-Selbstverständnis: Keine Kür, sondern Pflicht

Bei Schnee, Matsch und Glatteis sind Winterreiefn seit 2006 Pflicht. Wer dann mit Sommerreifen erwischt wird, riskiert ein Bußgeld von 20 Euro. Wird dabei noch der Verkehr behindert, drohen 40 Euro und ein Flensburgpunkt.

Für Winterreifen gilt wie für Sommerreifen die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Allerdings ist das zu wenig, sagen Fachleute. Winterreifen mit einer Profiltiefe unter vier Millimetern sind nur noch bedingt wintertauglich. Ganzjahresreifen gelten vor dem Gesetz als Winterreifen, ansonsten aber eher als Kompromisslösung.

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