06. April 2010, 00:44 Uhr

Reiskirchen: Von Polka bis »Porgy and Bess«

Reiskirchen (la). Draußen zeigte sich der April von seiner typischen Seite mit Regen, Kälte und weiteren Wetterfreundlichkeiten, aber im Bürgerhaus hatte der Frühling am Abend des Ostersonntags seinen Einzug gehalten.
06. April 2010, 00:44 Uhr
Das große Blasorchester am Abend des Ostersonntags im Bürgerhaus. (Foto: la)

Reiskirchen (la). Draußen zeigte sich der April von seiner typischen Seite mit Regen, Kälte und weiteren Wetterfreundlichkeiten, aber im Bürgerhaus hatte der Frühling am Abend des Ostersonntags seinen Einzug gehalten. Neben gelungenem Oster- und Blumenschmuck war es Musik der Spitzenklasse, die von den drei Reiskirchener Blasorchestern in einem über dreistündigen Konzert dargeboten wurde. Moderator Mario Binsch (Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes) hatte nicht zu viel versprochen, als er hervorhob, mit dem Reiskirchener Osterkonzert beginne das Frühlingserwachen immer wieder von Neuem. Wenn auch die inzwischen 39 Jahre währende Tradition der Osterkonzerte fortgesetzt werde, so sei doch diese Veranstaltung ewig jung geblieben.

Mit »Lord of the Dance« eröffnete der Schülerspielmannszug unter der Leitung von Tanja Scheld das Programm. Die erfolgreiche Verbindung von Jung und Alt, von Vergangenheit und Gegenwart und die stete Begeisterung gerade der jungen Menschen ist das Erfolgsrezept, so Mario Binsch, mit dem Otmar Scheld der Spielleutemusik schon vor drei Jahrzehnten neue Impulse gegeben hatte und das der Garant dafür ist, dass es in Reiskirchen keinerlei Nachwuchssorgen gibt. Mit dem »Fest der Kobolde« folgte ein Stück aus der aktuellen Literatur, in dem sich mit Christin Licher ein listiger Kobold mit einem Flötensolo lautstark bemerkbar machte.

Es folgte die »Steubenparade«, ein Erfolgsmarsch des Reiskirchener Spielmannszuges von Siegfried Hartmann, der stets ein enges Verhältnis zu den Reiskirchener Spielleuten pflegte, was auch dadurch zum Ausdruck kam, dass sie meist die Uraufführungen seiner Kompositionen spielen durften. Hartmanns Werke boten ebenso wie die von Otmar Scheld die Gewähr dafür, dass sich die Reiskirchener Musiker in den 1960er und 1970er Jahren insgesamt zehn deutsche Meistertitel, darunter auch mit der »Steubenparade«, erspielten.

Mit einer lustigen Einlage der Schlagwerker Oliver Schepp und Mark Ruber wurde die kurze Umbauphase zum Auftritt des Jugendblasorchesters unter der Leitung von Ivonne Scheld gelungen überbrückt. Drei Episoden, die vom Leben des Drachens »Safira« erzählten, schlossen sich an. Das Werk erfuhr am Sonntagabend seine Erstaufführung, die auch zugleich eine Probe für die Teilnahme des Jugendblasorchesters am Wettbewerb »BW-Musik« im Oktober war. Im ersten Satz (Largo) wird beschrieben, wie der Junge »Eragon«, der in einem kleinen Dorf in den Bergen von Alagaesia lebt, auf einer Wanderung durch den Wald einen blauen Stein findet, der sich als Drachenei entpuppt. Im zweiten Satz (Allegro) wird musikalisch ein Kampf ausgetragen, der schließlich zugunsten von »Eragon« und den Freiheitskämpfern entschieden wird. Im folgenden »Allegro vivace« kann »Safira« seine Flügel ausbreiten und »Eragon« auf seinem Flug über die Landschaft von Alagaesia begleiten. Der Sieg ist errungen, die Freiheit gehört ihnen.

»Canto a unicef« war 1996 zum 50. Jahrestag der UNICEF uraufgeführt worden und soll auf all die Kinder aufmerksam machen, die ohne Fürsorge, ohne Verständnis und ohne Liebe leben müssen - ein sehr nachdenklich stimmendes Werk, das von den Kindern und Jugendlichen des Blasorchesters dargeboten wurde. Mut und Abenteuerlust verbreitete das Jugendblasorchester mit »A Western Suite«.

In Maschen ist die Arbeit des Strickkränzchens »Gesocks« keineswegs mehr zu zählen, aber in Geld ist es die stattliche Summe von insgesamt 15 180 Euro, für die von den nimmermüden Damen inzwischen im zehnten Jahr für die Unterstützung der Jugendarbeit im Musikverein gestrickt wurde. Im Rahmen des Osterkonzertes konnten wieder 1500 Euro übergeben werden.

»Königsmarsch«, »Morgenstimmung« und Erinnerung an Lawinenabgänge

Mit einem wahrhaftig königlichen Konzertmarsch, dem »Königsmarsch« von Richard Strauss, begann der zweite Programmteil, den das große Blasorchester unter der Leitung von Otmar Scheld und Frank Beier (Moderation: Tanja Scheld) gestaltete. Sicher war die »Morgenstimmung« spät am Tag eher eine ungewöhnliche Melodie, aber sie bietet sich zu jeder Tagesstunde an. Komponist Edvard Grieg hatte seinem Werk die skandinavische Volksmusik zugrunde gelegt und ließ an das Frühjahr mit einem Spaziergang in der erwachenden Natur denken.

Sozusagen der Natur entnommen war auch ein Werk des Schweizer Komponisten Thomas Trachsel, der vom eidgenössischen Musikbund den Auftrag erhalten hatte, eine Musik zu schreiben, die im Frühjahr 1999 an den »harten Horrorwinter« mit schweren Lawinenniedergängen in den Schweizer Bergen erinnerte, die das Schicksal vieler Dörfer und Familien für immer verändert hatten. In dem Werk »Der Berg« verwendet der Komponist als Hauptthema den aus dem 14. Jahrhundert stammenden gregorianischen Choral »Dies Irae«, häufig auch als »Totensequenz« bezeichnet, in der die Gewalt und die Macht des Jüngsten Gerichts dargestellt werden. Typisch für Trachsels Kompositionsstil sind melancholisch wirkende Sätze und Themen, groß angelegte Spannungsbögen, gewaltige Klangausbrüche und auch die äußerst anspruchsvolle Art der Orchestrierung.

In einem Gespräch über das Werk hatte Otmar Scheld wenige Tage zuvor von den Gedanken des Komponisten dahingehend erfahren, dass man mit einem Flugzeug vom Tal aufwärts bis hoch auf die Gletscher einer Bergspitze fliegt, dabei immer wieder die Wand vor Augen hat und die Gegensätze der Bergwelt als wunderschön, aber auch als sehr gefährlich erkennt. Die schnelleren Teile der Musik bedeuteten die drohenden Gefahren, die langsameren stellten die brummige Bergwelt und - bis schließlich zum Zusammenbruch - die tödlichen Lawinenabgänge dar, die Sequenz aus der Totenmesse.

Entspannung und Freude zugleich bot anschließend die »Pisek-Polka«, eine Huldigung des Komponisten Jaroslav Zeman an die schöne böhmische Stadt Pisek. 21 unterschiedliche Instrumente und insgesamt 36 Stimmen machten diese »Polka in besonderer Qualität« aus.

Eine wunderbare Ballettmusik im Dreiviertel- takt bot die Aufführung des »Dornröschen«-Walzers von Peter Iljitsch Tschaikowsky).

Die Titelmelodie von »Porgy and Bess«, der längst klassischen Oper in drei Akten von George Gershwin, ließ - mit einem Posaunensolo von Frank Baier - auf das Leben der Afroamerikaner in der Schwarzensiedlung von Charleston um 1870 blicken. Alle Lieder sind zu den Jazz-Standards zu zählen

Mit »Rosamunde« gehörte die unumstritten bekannteste böhmische Polka der Welt ebenfalls zum Programm des Konzertabends. Der »Kammbläser-Marsch« von Franz Bummerl sollte den Schlusspunkt setzen, doch das Publikum wünschte mehr, so dass - wie zuvor von den anderen Orchestern - Zugaben gespielt werden musste.

Der Ehrenvorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Reiskirchen, Karl- Heinz Scherer, der zu Beginn der Veranstaltung begrüßt hatte, zeigte sich zum Abschluss sehr erfreut und zufrieden. Er dankte den Orchestern, den Dirigenten und den Moderatoren für ein meisterliches Ostererlebnis mit »den erfolgreichsten Spielleuten im gesamten Deutschen Feuerwehrverband«.

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