18. Mai 2010, 17:18 Uhr

Mit »Jauchzet dem Herrn« begann die Erfolgsgeschichte

Reiskirchen (rbe). Der evangelische Kirchenchor Burkhardsfelden besteht seit 125 Jahren. Dieses Jubiläum soll am Pfingstsonntag mit einem Festgottesdienst und einem anschließenden Kaffeetrinken gefeiert werden.
18. Mai 2010, 17:18 Uhr
Der evangelische Kirchenchor Burkhardsfelden im Jubiläumsjahr. (Foto: rbe)

Reiskirchen (rbe). Der evangelische Kirchenchor Burkhardsfelden besteht seit 125 Jahren. Dieses Jubiläum soll am Pfingstsonntag mit einem Festgottesdienst und einem anschließenden Kaffeetrinken gefeiert werden.

Am 29. Februar 1920 legt der »evangelische Kirchengesangverein« Burkhardsfelden, so der Gründungsname, zum ersten Mal einen Jahresbericht vor. Heinrich Möbus, erster Rechner und Schriftführer, nahm dies zum Anlass, den Bericht mit einem »Rückblick auf die verflossene Lebenszeit des Vereins zu verbinden«. Mit den folgenden Aufzeichnungen liegen die ersten schriftlichen Notizen über den Chor vor, der 1885 von Pfarrer Weber aus Münster in Leben gerufen wurde. Der Gründung kamen zugute, dass »schon von alters her sich in unserem Dorfe Lust und Liebe zu schönem edlem Gesang zeigte«, wie Möbus schreibt, und dass sich »in jener Zeit eine besondere religiöse Bewegung in unserer Gegend bemerkbar machte«. Bald fand sich der damalige Lehrer Bernhard bereit, die musikalische Leitung des gemischten Chors zu übernehmen. Als erstes Lied wurde der 100. Psalm »Jauchzet dem Herrn, alle Welt!« eingeübt und bei der Einweihung der renovierten Kirche am 6. Mai 1886 dargebracht.

Dieses Lied wird der Kirchenchor auch im Festgottesdienst am Pfingstsonntag singen. Nach Lehrer Bernhard dirigierte Lehrer Gerstenmeier den Chor. Nach dessen Wegzug aus Burkhardsfelden ruhte das Singen für eine Weile, ehe dann Pfarrer Gombel die Leitung übernahm. Ihm folgte mit Johannes Albach der bislang einzige Dirigent aus Burkhardsfelden.

Eine große Zahl der eingeübten Lieder bezeugt die unermüdliche Tätigkeit dieses bewährten Dirigenten, der 27 Jahre lang wirkte. Der Kirchengesangverein trug seine Lieder an allen Kirchenfesten vor, an Weihnachten, Ostern und Pfingsten, beim Missionsfest, am Ewigkeitssonntag und bei vielen Beerdigungen.

Regelmäßig traf sich der Chor mit anderen Kirchenchören der Region zum Dekanatschorfest. Die einzelnen Kirchengemeinden richteten es reihum aus, und auf Grund des bei den Nachfeiern gereichten Kuchens war dieses Fest bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein als »Riwwelskuche-Fest« bekannt. Beide Kriege, auch der Erste Weltkrieg, bedeuteten Einschnitte im Chorleben durch das Fehlen der Männerstimmen. Nach dem ersten Weltkrieg etwa kamen auf eine Männerstimme drei Frauenstimmen, wie Heinrich Möbus festhielt.

10 Pfennig monatlicher Mitgliedsbeitrag

1919 wurde ein Mitgliedsbeitrag erhoben, er lag bei 10 Pfennigen im Monat. Diese Einnahme ermöglichte es, eine größere Anzahl Liederbücher anzuschaffen, sodass jede Sängerin und jeder Sänger ein eigenes Buch hatten.

Seinen ersten Rechenschaftsbericht schloss Heinrich Möbus mit den Worten: »So wollen wir nun wieder mit allen Kräften an die Arbeit gehen und auch fernerhin die herrlichen Kirchenlieder und gesunden Volkslieder in unserem Verein weiter pflegen und zu allen Zeiten bei Freud und Leid vortragen. Das walte Gott!«

Vier Jahre später fand das Chortreffen erstmals in Burkhardsfelden statt, dann wieder 1995 in Zusammenhang mit dem 70-jährigen Jubiläum des Kirchenchores, 1985 zum 100-jährigen Jubiläum und im Jahr 2000, als das Dorf Burkhardsfelden seine 850-jähriges Jubiläum feierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Friedrich Etzelmüller den Dirigentenstab, der 1962 in die Hände von Werner Volk überging. Seit nunmehr 48 Jahren kommt er einmal die Woche von Beuern nach Burkhardsfelden zur Singstunde und darüber hinaus zu vielen Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen im Dorf, bei denen der Kirchenchor auftritt. Wenn andere Vereine im Ort ein Jubiläum zu feiern haben und zu einem Kommersabend einladen, trägt der Kirchenchor seine Lieder vor, oft auch gemeinsam mit dem Männergesangverein, der ebenfalls von Werner Volk dirigiert wird.

Es dauerte bis ins Jahr 1953 als zum ersten Mal ein Vorstand gewählt wurde, der aus dem Vorsitzenden und zwölf Beisitzern bestand. 1975 übernahm Lilly Mohr das Amt der ersten Vorsitzenden, das sie seitdem innehat. Zum Angebot des Kirchenchores gehören auch gesellige Aktivitäten: In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg fanden so genannte »Abendunterhaltungen« im örtlichen Gasthaus statt, nach 1945 wurden zahlreiche Ausflüge unternommen. Auch Laienspielaufführungen hat es gegeben.

Erstmals Ernennung eines Ehrenmitglieds

Seit einigen Wochen laufen nun die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest zum 125-jährigen Bestehen: am Pfingstsonntag ist nachmittags um 14 Uhr ein großer Festgottesdienst geplant: Pfarrer Dieter Sandori und Mitglieder des Kirchenchores werden die Liturgie gestalten, Dekan Rolf Klingmann aus Annerod hält die Festpredigt.

Neben dem Psalm 100 wird der Kirchenchor die »Sonntagsfeier« singen und das »Vater unser. Andrea Häuser (Flöte) und Theresa Diehl (Orgel) musizieren zusammen und Gerhold Schultz, der Organist der Kirchengemeinde, wird den Gottesdienst eröffnen und den Gemeindegesang begleiten. Erstmals soll ein Mitglied des Kirchenchores zum Ehrenmitglied ernennt werden. Elisabeth Damm ist die erste Sängerin, die seit über 60 Jahren Mitglied ist und über diese gesamte Zeit auch als Sängerin aktiv war.

Im Anschluss an den Gottesdienst wird zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Bei schönem Wetter wird das Kaffeetrinken vor der Kirche stattfinden. Als weitere Veranstaltungen will der Kirchenchor am 13. Juni in der Sport- und Kulturhalle das diesjährige Dekanatskirchenchorfest ausrichten und am 12. September zu einem Kirchenkonzert mit Brigitte Träger einladen.

Trotz aller Freude über die beeindruckende Geschichte des Kirchenchores und über das anstehende Jubiläum, gibt es auch die eine oder andere Sorgenfalte bei den Verantwortlichen: Wie andere Vereine, so bemerkt auch der Kirchenchor, dass sich Nachwuchs nicht mehr leicht gewinnen lässt. 1919 konnte Heinrich Möbus noch festhalten: Es wurden »wiederum Schritte unternommen, den Verein aufzurütteln. So wurden (...) die Einwohner Jung und Alt aufgefordert, dem wieder ins Leben gerufenen Verein beizutreten. Der Erfolg war recht gut, aber nicht befriedigend.«

Die Verantwortlichen hoffen, dass es gelingt, durch das 125-jährige Jubiläum, eine befriedigende Zahl Menschen für den Chorgesang zu gewinnen und die Tradition des geistlichen Liedes in Burkhardsfelden weiter zu führen. Vielleicht hilft der Wunsch am Ende des ersten Rechenschaftsberichtes: »Das walte Gott!«

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