02. Dezember 2015, 09:43 Uhr

Hotel wird Bordell

Gießen/Reiskirchen (ti/us). Das Haus im Zuckerbäckerstil macht einen relativ neuen Eindruck, steht aber offenbar leer. Zumindest auf den ersten Blick. Nun soll aus dem Hotel ein Bordell werden. Der Landkreis hat für die Immobilie in Reiskirchen die Nutzungsänderung genehmigt.
02. Dezember 2015, 09:43 Uhr
Vom Hotel zum Bordell: Weil das »Alberg« im Reiskirchener Gewerbegebiet liegt, ist die Nutzungsänderung reine Formsache. (Foto: Ursula Sommerlad)

Die Rezeption ist nicht besetzt, nirgends brennt Licht. Doch am Eingang des Hotels Alberg in der Reiskirchener Carl-Benz-Straße hängt ein Schild, das Gäste an eine Handynummer verweist. Auch der Festnetzanschluss funktioniert. Doch man muss mehrere Anläufe starten, bis jemand am anderen Ende den Hörer abnimmt. Der Hotelbetrieb läuft noch, wie wir von einer Angestellten erfahren, allerdings nur noch zwei Wochen lang. »Am 18. Dezember ist unser letzter Tag«, sagt die Frau am anderen Ende der Leitung.

Was danach geschieht, weiß sie angeblich nicht. Andere hingegen wissen es, etwa Kommunalpolitiker. Es steht nämlich fest, dass das Gebäude künftig anderweitig genutzt werden soll – als Bordell. Die Kreisverwaltung hat bereits einer dahingehend beantragten Nutzungsänderung zugestimmt.

Kromm: Bislang keine Beschwerden

Nach Auskunft von Kreis-Pressesprecher Oliver Keßler habe man keine andere Möglichkeit gehabt, als Ja zu sagen. »Bei einem Bordell handelt es sich um einen Gewerbebetrieb. Da sich das Hotel in einem ausgewiesenen Gewerbegebiet befindet, bleibt uns im Sinne einer wertfreien Entscheidung nichts anderes übrig.« Bauliche Veränderungen seien nur in geringem Maße geplant.

Bürgermeister Dietmar Kromm bestätigt auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung auch die Zustimmung des Gemeindevorstandes. Weder ordnungsrechtlich noch baurechtlich bestehe eine Möglichkeit, gegen die Nutzungsänderung vorzugehen.

Ähnlich äußerte sich Reiskirchens Ortsvorsteher Karl-Heinz Scherer. »Es wäre schwierig gewesen, das abzulehnen. In einem Wohngebiet wäre es etwas anderes gewesen.« Mit Problemen rechnet er bei der Lage des Gebäudes am westlichen Ortsrand nahe der Autobahn nicht. Warum das 2012 eröffnete Hotel mit seinen 16 Zimmern den Betrieb einstellt, vermag er nicht zu sagen. »Die Auslastung soll eigentlich recht gut gewesen sein.« Auch der Rathauschef hat dazu keine Kenntnisse. Was mögliche Schwierigkeiten angeht, vermag er nicht in die Zukunft zu schauen. Bislang seien aber noch keine Beschwerden aus der Bevölkerung an ihn herangetragen worden.

Vorwiegend positiv sind die Bewertungen des Hotels Alberg auf Reservierungsplattformen wie HRS.de oder Trivago.de . Bei HRS lobt der letzte Eintrag vom 29. September die »Super Ausstattung«. Dass der Hotelbetrieb eingestellt wird, erfährt man auf den Plattformen nicht, im Gegenteil: Online-Buchungen sind noch möglich.



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