23. August 2013, 16:28 Uhr

Ettingshausen: Sanierung im Bestand möglich

Reiskirchen (vh). Das Gemeindehaus der evangelischen Kirche von Ettingshausen liegt hinter dem Pfarrhaus und einer großen Esche verdeckt an der Ecke Rathausstraße/Brauhausgasse. Kein Hinweisschild zeigt den Weg dorthin. Beim ersten Anblick erschrickt der ortsfremde Besucher unwillkürlich. Eine Sanierung ist notwendig.
23. August 2013, 16:28 Uhr
Das evangelische Gemeindehaus Ettingshausen derzeit bietet einen traurigen Anblick. (Foto: vh)

Ernst Mühl war es, der diesen Gedanken aufgriff und ihn weitergab an Prof. Dipl.-Ing. Architekt Alexander Eichenlaub, Leiter des Fachgebiets »Entwerfen im Bestand/Denkmalpflege« an der Universität Kassel. Ein damaliger Student des Hochschullehrers, Dipl.-Ing. Daniel Hüther, beschrieb in seiner Master-Abschlussarbeit ein neues Nutzungskonzept für das Gebäude aus der Sicht eines Architekten. Prof. Eichenlaub erläuterte am Donnerstagabend im Gemeindesaal die wesentlichen Merkmale daraus. Pfarrerin Müller begrüßte die Zuhörer.

Die Kirchengemeinde und alle Nutzer, hierzu zählen die Landfrauen Ettingshausen, sind sich einig, dass bald etwas geschehen muss. In der Vergangenheit wurde notgedrungen der Dachgiebel repariert, weiterhin der Pfarrsaal aufgehübscht und erst voriges Jahr der Küchenraum renoviert und hierbei die Einrichtung erneuert.

Als nächstes träfe die optische Verschönerung den Pfarrhof und Pfarrgarten, so Pfarrerin Müller. Beides würde die Landeskirche in Darmstadt finanzieren. Damit wären die eigentlichen Probleme aber nicht gelöst. Müller ist die »Flickschusterei« müde. Ein stimmiges Gesamtkonzept müsse jetzt her. Auch sei der energetische Bauzustand nach heutigen Maßstäben miserabel.

Der Aufstieg zum Gemeindesaal im Obergeschoss über eine steile Treppe gestalte sich für ältere Gäste als Plagerei. Abriss und Neuaufbau habe ein mit der Angelegenheit kontaktierter Architekt vorgeschlagen. Müller vermisst jedoch die Gesamtkonzeption.

Entgegen dem optischen Eindruck stellte der Hochschullehrer der Gebäudesubstanz ein gutes Zeugnis aus. Hohlräume unter dem Pfarrhof hätten zu erstaunlich wenigen Setzungsrissen am Gemeindehaus geführt. Im Erdgeschoss befänden sich zwei Autogaragen und der Jugendraum, im Obergeschoss der Gemeindesaal, Küchenraum und die Toiletten. Das Dachgeschoss sei ungedämmt, deshalb nicht bewohnbar und überwiegend Abstellraum. Wegen der erhaltenswerten Bausubstanz und weil der Neubau zum Nachbargrundstück einen Grenzabstand gemäß heutiger Bestimmungen erhalten hätte, sei die Entscheidung pro Sanierung nebst Anbau schnell gefallen, so Eichenlaub.

Darüber hinaus beinhalte das Konzept die optische Trennung des privaten Pfarrhauses/Pfarrgartens von dem öffentlichen Bereich mit Gemeindehauses/Pfarrhof. Das bedeutet, der Eingang zum Pfarrhaus von der Rathausstraße bliebe fortan privater Natur. In die Bruchsteinmauer an der Brauhausstraße kämen zwei Durchbrüche – vom Bürgersteig her kommend den barrierefreien, der am Pfarrhaus entlang zum Gemeindehaus führt.

Niedrigenergiehaus denkbar

Ein Treppenaufgang in Höhe der gegenüber liegenden Stichstraße zum Friedhof würde dem Pfarrhof einen direkten Zugang in den öffentlichen Raum bringen. Der Anbau an das Gemeindehaus erfolgte nach der Gartenseite. In das gut zugängliche, barrierefreie Untergeschoss würde der neue Gemeindesaal mit 65 Quadratmetern Nutzfläche integriert. Zwei große Fensterreihen links- und rechtsseitig brächten viel Tageslicht und sorgten im Sommer für Durchlüftung.

In das Erdgeschoss des Altbaus kämen die Küche und die Toilettenräume. Neu wäre eine Behindertentoilette. Das Obergeschoss des Anbaus würde als Kubus gestaltet und erhielte ein Flachdach als die kostengünstigste Lösung. Bei 60 Quadratmetern Nutzfläche seien oben ein Multifunktionsraum und ein Jugendraum geplant. Im Obergeschoss des Altbaus würde das Pfarrbüro eingerichtet (bisher im Pfarrhaus). Neu- und Altbau erhielten eine Wärmedämmung, sodass ein Niedrigenergiehaus entstünde.

Landfrauen-Vorsitzende Marie-Luise Geis fand den vorgestellten Planentwurf als möglicherweise zu hoch gegriffen für die Bedürfnisse der Kirchengemeinde. Auch sei die Finanzierung ungeklärt (über Zahlen wurde an dem Abend nicht geredet), ebenso die Eigenleistungen. Pfarrerin Müller meinte, das sei ja vorläufig nur eine Planvariante, gar ein Traum. Sie hielt es jedoch für wichtig, dass die Kirchengemeinde sich öffne und damit einen mutigen Schritt in die Zukunft mache. Gesetzt den Fall, es würde nicht angebaut, sondern der Altbau nur saniert, dann müsste das Dachgeschoss ausgebaut und gedämmt werden. Ebenso benötige man eine zusätzliche Fluchttreppe, so Eichenlaub. Im Endeffekt käme der Anbau auf dieselben Kosten und verfüge über den barrierefreien Zugang.

Der Kirchenvorstand und die Zuhörer sahen sich an diesem Abend überfordert, Hals über Kopf eine Entscheidung zu treffen. Die Planskizzen sollen kopiert und zum näheren Studium verteilt werden.

Das an der Universität entstandene Modell des gesamten Pfarrkomplexes soll zunächst im Rahmen des Pfarrhoffestes am morgigen Sonntag, 25. August, gezeigt werden und dann wahrscheinlich in der Kirche unter einer Glasvitrine Platz finden. Bei Bedarf wird Ernst Mühl dazu nähere Erläuterungen geben. Angedacht wurde die Gründung einer Arbeitsgruppe, die, ausgehend vom Planentwurf, am Konzept weiter feilen könnte.

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