24. Juli 2015, 15:23 Uhr

Ettingshausen: Förderverein feiert 77-Jähriges des Freibads

Reiskirchen (la). Es war eine enorme Leistung, die die Gemeinde Ettingshausen 1938 in die Tat umsetzte: der Bau eines Freibades, das jetzt seinen 77. Geburtstag feiert. Dass dies heute (Freitag) gewürdigt wird, ist das große Verdienst des vor gut fünf Jahren gegründeten Fördervereins zur Erhaltung des Freibades.
24. Juli 2015, 15:23 Uhr
Bis zu 7000 Besucher jährlich – auch aus der Umgebung – nutzen das Freibad in Ettingshausen. (Foto: Gertrud Fink)

Mitglieder dieses Vereins sind nicht nur seit dieser Zeit engagiert für den Weiterbestand der Einrichtung aktiv, sondern haben sich auch Anerkennung erworben, als es darum ging die Historie des Freibades für nachfolgende Generationen festzuhalten.

Hier war es der erste Vorsitzende Johannes Müller-Lewinski, der zusammen mit weiteren Vorstandsmitgliedern diese Arbeit übernommen hat. Noch gibt es Ettingshäuser, die die Einweihung erlebt haben und ihre Kenntnisse und ihr Wissen weitergeben konnten. Neben der Chronik hatte man sich auch Gedanken darüber gemacht, wie man die 77. Wiederkehr dieses für Ettingshausen denkwürdigen Tages feiern kann.

Dank der Recherche von Karl Betz sind im Heft 39 der Schriftenreihe der Heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen ausführliche Daten zum Bau des Schwimmbades enthalten. Demnach wurde am 13. Januar 1938 vom Gemeindevorstand der damals wohlhabenden Gemeinde Ettingshausen der Beschluss gefasst, ein Schwimmbad und einen Sportplatz zu bauen.

Für die Jugend und das Militär

Hintergrund war die politische Losung der Nationalsozialisten »Baut Schwimmbäder auf dem Lande«. Zielgruppen waren vor allem die Jugend und das Militär. Der »schwimmsportliche Bedarf« der Soldaten des Fliegerhorstes Ettingshausen war ein weiterer Grund für die gemeindliche Initiative zum Bau des Schwimmbades.

Die Kosten für die »Erweiterung der Wasserleitung nach dem Schwimmbad« und die »Herstellung eines Schwimmbades einschl. Schutzhallen, Einzäunung und Verebnen eines Grundstückes« (eine ehemalige Viehweide mit der Flurbezeichnung »Schießmauer«) betrugen rund 28 000 Reichsmark. Dies entsprach knapp einem Drittel der Gesamteinnahmen der Gemeinde Ettingshausen im Jahr 1938.

Aus dem Briefverkehr des in Ettingshausen wirkenden Lehrers Robert Becker (Vater des langjährigen Busecker Gesamtschuldirektors Gerhard Becker) geht hervor, dass das Freibad ursprünglich am 17. Juli 1938 eingeweiht werden sollte. Am 4. Juli beschloss der Gemeindevorstand, die Einweihung solle am 24. Juli stattfinden.

An diesem Tag waren die Straßen bunt geschmückt, berichtete der Grünberger Anzeiger. Unter den bei der Eröffnung mitschwimmenden Kindern des Gießener Schwimmvereins war auch die damals 8-jährige Regina Lang geb. Sauer, Tochter des Gauschwimmwartes Franz Sauer. Sie wird bei der heutigen 77-Jahr-Feier zur Eröffnung des Freibades als Ehrengast dabei sein.

Für geschlossene Gruppen war die Benutzung des Schwimmbades grundsätzlich frei. Nur in besonderen Fällen, zum Beispiel für Ortsfremde, wurde ein Eintrittsgeld von 15 Pfennigen erhoben. Dementsprechend waren die Einnahmen niedrig. Sie betrugen für 1938 gerade mal 22,45 Reichsmark (RM). Die »Kosten für Unterhaltung und Betrieb des Schwimmbades« wurden für 1939 mit rund 1600 RM ausgewiesen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schwimmbad zu Übungszwecken für die Soldaten, die auf dem Flugplatz stationiert waren, genutzt. Die übten auch mit Hunden in dem Becken.

Robert Keil, von 1964 bis zum Gemeindezusammenschluss mit Reiskirchen 1977, Bürgermeister von Ettingshausen, berichtet im Heft »Rückblick und Erinnerungen – Ettingshausen 1945–1995«: Bedingt durch den wachsenden Wasserverbrauch in den einzelnen Haushalten und den Verbrauch durch das Schwimmbad gab es in sommerlichen Trockenperioden oft Wasserknappheit. Das machte eine größere Trinkwasserreserve und eine größere Brandreserve notwendig. So wurde 1962 ein neuer Hochbehälter mit 250 Kubikmetern Fassungsvermögen »Auf der Klingenhöhe« gebaut.

1965 wurde das Schwimmbad mit einer Mammuthaut überzogen und die Anlagen, dem damaligen Standard entsprechend, hergerichtet. Kosten: 50 000 D-Mark. Erst danach wurde das Bad über die Wasserleitung gefüllt. Zuvor wurde das Wasser dem Bach entnommen.

Nach dem Anschluss der Gemeinde Ettingshausen an die Großgemeinde Reiskirchen (1. Januar 1977) erfolgte der Bau der Umkleiden am Schwimmbad. In den Jahren 1989 und 1990 wurde das Schwimmbad für über eine Million Mark komplett umgebaut und modernisiert und erhielt seine heutige Gestalt. Es verfügt über ein Becken aus Edelstahl mit einem abgetrennten Nichtschwimmerbereich und einem Planschbecken für Kleinkinder. Außerdem befindet sich ein Kiosk im Eingangsbereich.

Nach dieser umfassenden Modernisierung entwickelte sich die Anlage zu einem Bad, das insbesondere von Familien mit kleinen Kindern gerne besucht wird. Darüber hinaus ist es seit jeher wichtiger sommerlicher Treffpunkt für Kinder und Jugendliche, wird aber auch von vielen Erwachsenen regelmäßig zum Schwimmen oder zu einem Plausch am »Stammtisch« genutzt.

Die Unterhaltung des Freibades ist von der Gemeinde Reiskirchen in den Zeiten knapper Kassen nach der Jahrtausendwende wegen des hohen Zuschussbedarfs immer wieder kritisch diskutiert worden. Eine Gruppe Reiskirchener Bürger und einige treue Besucher aus den Nachbarorten engagierten sich daraufhin seit etwa 2005 als »Freunde des Schwimmbades Reiskirchen-Ettingshausen« bzw. als »Fanclub« für den Erhalt. Es dauerte jedoch noch weitere fünf Jahre bis klar war, dass das Freibad ohne einen Förderverein in der derzeitigen Haushaltssituation langfristig nicht zu erhalten ist. Gegründet wurde dieser Verein am 10. August 2011.

In der Anfangsphase seines Bestehens setzte sich der Förderverein für die Sanierung des Beachvolleyballfeldes ein und organisierte Verbesserungen im Bereich der Umkleideräume. Der Verein hat mittlerweile rund 250 Mitglieder und wird von vielen örtlichen Firmen unterstützt. Durch diese Unterstützung und durch Spenden konnte dieses Frühjahr die Chlorgasanlage komplett saniert und auf den Stand der Technik gebracht werden.

Festzug und Kleiderschwimmen

Neben der Unterstützung der laufenden »kleinen« Erhaltungs- und Verschönerungsarbeiten ist der Verein mittlerweile in der Lage Rücklagen zu bilden, mit deren Hilfe in den kommenden Jahren die Gemeinde Reiskirchen finanziell bei der Sanierung weiterer Teile der technischen Anlage – insbesondere der Anschaffung eines neuen Filters und eines neuen Schwallwasserbehälters – unterstützt werden soll.

Am heutigen Freitag, 24. Juli, wird gefeiert. Wie bei der Eröffnung im Jahr 1938 geht es um 18 Uhr mit einem Festzug durch den Ort los. Viele Menschen aus den Ortsvereinen und Firmen haben ihre Teilnahme schon zugesagt. Die Zugaufstellung erfolgt im Gartenweg (in der Nähe des Freibades), anschließend geht es am Sportplatz und der Feuerwehr vorbei zur Hauptstraße (Rathausstraße) und zurück zum Schwimmbad.

Um 19 Uhr soll die kleine Eröffnungsfeier beginnen. Nach Grußworten von Bürgermeisters Dietmar Kromm, Ortsvorsteherin Petra Süße und des Fördervereinsvorsitzenden Johannes Müller-Lewinski sowie Liedern des Jugendchors Ettingshausen, wird Regina Lang, die als Kind bei der Schwimmvorführung am Eröffnungstag dabei war das Abendschwimmen in Kleidern freigeben.

Begleitet wird der Festtag von einer Fotoausstellung zur Historie des Bades. Zum Tanzen im und am Schwimmbecken lädt DJ »Dr. Wolf« ein.

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