19. Januar 2015, 18:23 Uhr

Whisky-Verkostung im Museum der Rabenau in Londorf

Rabenau (vh). James Bond würde wohl nie Whisky trinken. Spätestens seit dem britischen Leinwandhelden weiß man, dass ein Martini gerührt oder geschüttelt getrunken werden kann, stets jedoch mit Eis. Dagegen wäre Whisky mit Eis ein Sakrileg, während jedoch Whiskey mit Eis üblich sei, erklärte Pfarrer Frank Leissler.
19. Januar 2015, 18:23 Uhr
Schottisch nur mit Wasser und ohne Eis: Whisky-Verkostung im Museumscafé. mit Pfarrer Frank Leissler (rechts). (Foto: Volker Heller)

Er hatte zu einer Verkostung, an der sich 20 Personen beteiligten, ins Museum der Rabenau in Londorf eingeladen. Das »e« vor dem Ypsilon mache nämlich den Unterschied. Original schottischer Whisky, bekannt als Single Malt, werde aus Gerste gebraut, ohne »e« geschrieben und ausnahmslos ohne Eiswürfel getrunken. Die US-amerikanische Variante, der Bourbon-Whiskey, basiere auf Mais, brauche das »e« und eigentlich auch Eis im Glas.

Warum das? Weil sich die Iren schon immer gerne abgrenzten und auf dem »e« bestanden. Mit den Iren kam auch der zusätzliche Buchstabe für das gehaltvolle Getränk nach Nordamerika.

Whisky-Herstellung ist eine Kunst für sich mit ungewissem Ausgang. Je älter, je besser – diese Allgemeingut-Regel für Wein, gelte hier nur ansatzweise, aber keinesfalls absolut, so Leissler. Durch überlange Lagerung könne das »Wasser des Lebens« (so die Übersetzung) ebenso gut in die Hose gehen. Erfahrung sei lange nicht alles beim Whisky.

Die Entscheidung, wann genau der flüssige Stoff aus dem Eichenfass in die Flasche abgefüllt werden solle, falle schwer. Topp oder Flop. Die einzelnen Faktoren, welche ein charakteristisches Aroma herbeiführten, könne man nicht willkürlich beeinflussen. Kein Wunder, dass die Flasche am Ende 100 Euro und mehr kosten kann. In dieser Preiskategorie lagen die sieben schottischen Flaschengeister, alle überdies älter als zehn Jahre bis maximal 17 Lenze beim »Springbank«, der mit 50,1 Volumenprozenten auch den höchsten Alkoholanteil aufwies.

Gleich mehrfach ist die Sache mit dem Whisky eine Kunst. Einmal der richtige Abfüllzeitpunkt. Dann die hohe Wertschätzung eines jeden Fasses, erkenntlich an der Fassnummer auf der Flasche. Der von Leissler kredenzte Springbank stammte aus dem 577. Fass von insgesamt 585 Fässern dieses Brandes. Die Kennzeichnung käme derjenigen einer künsterlischen Druckgrafik, etwa Radierung, gleich. In diesem Fall bedeutet beispielsweise die Kennzeichnung 15/200 der 15. Druck einer Auflage von 200 Stück.

Leissler erläuterte, es gebe Menschen, die – vergleichsweise mit dem absoluten Gehör – einen absoluten Geschmackssinn hätten. Damit sei es ihnen möglich, einen Whisky seiner Fassnummer zuzuordnen. Diese offensichlich höchste aller Whisky-Weisheiten blieb im Museum natürlich außen vor.

Leissler plauderte im lockeren Ton über das Getränk und seine außerordentliche Bedeutung als Aromalieferant, das trotz Hochprozentigkeit für Trinkgelage gänzlich ungeeignet sei, umso mehr für den Sinnesgenuss. Whisky und Straßenverkehr solle man niemals vereinen. Nach jedem Whisky-Test ein Glas Wasser beuge jedoch dem Kater am nächsten Tage vor, versprach Leissler.

Damit die Verkostung nicht ins Blaue verlief, durfte jeder seine Whiskyprobe gemäß Formblatt beurteilen und zwar nach Farbe, Viskosität, Geruch, Geschmack, dem Abgang und im Fazit. Weitere Informationen gab es per Video und Literatur sowie einem »Rad der Aromen«.

Wie kam Pfarrer Leissler nun eigentlich zum Whisky. Vor 30 Jahren schon auf Anregung eines Studienfreundes, der ihm von seinem Schottlandaufenthalt ein Probierfläschchen mitgebracht hatte.

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