17. September 2008, 23:00 Uhr

»Viel hatten sie nicht, aber starken Willen und Gottvertrauen«

Rabenau (dhb). Zu einem feierlichen Gottesdienst im »Dom der Rabenau« aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der evangelischen Frauenhilfe Londorf-Kesselbach begrüßte Pfarrerin Karin Böhmer die Anwesenden.
17. September 2008, 23:00 Uhr
»Wir kennen uns mit Namen« – 100 Jahre Frauenhilfe Londorf/Kesselbach (Foto: dhb)

 »Viel hatten sie selber nicht, aber einen starken Willen und Gottvertrauen«, erinnerte die Leiterin des Arbeitsbereichs »Frauen, Bildung, Spiritualität« beim Landesverband an die sicher nicht einfache Anfangszeit der engagierten Frauenorganisation, die bis heute ihrem wohltätigen Zwecke treu geblieben ist. Brigitte Heilmann, Vorsitzende des hiesigen Kirchenvorstandes, begrüßte die Gemeinde ebenso wie Pfarrer Jörg Gabriel, der den Gottesdienst hielt. Für die musikalische Begleitung sorgte der evangelische Kirchenchor Londorf mit den Liedern »Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasset und frohlocken« sowie »Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre«.

Böhmer blickte in ihrer Predigt auf das Gründungsjahr 1908 der Frauenhilfe in Londorf/Kesselbach zurück, als die Frauen das Recht erhielten, in Parteien und Gewerkschaften einzutreten. Es war die Zeit der industriellen Revolution und der großen sozialen Spannungen im Kaiserreich. Eine Stromversorgung in Londorf und Kesselbach gab es noch nicht, Wasser schöpfte man aus dem Brunnen und ein Abwassersystem war damals noch in weiter Ferne.

»Die Eine trage der Anderen Last«

In vielen Familien herrschte Not. Während dieser Zeit fanden sich Frauen zusammen und gründeten den Verein zum Nutzen der Menschen in ihren Dörfern. »Die Eine trage der Anderen Last«, das war das Motto, unter dem damals die diakonische Aufgabe übernommen wurde - und bis heute fortgeführt wird, was Böhmer lobend herausstellte. Sich an das Gewesene wieder zu erinnern und nicht zu vergessen, dafür sei ein solches Jubiläum gut, sagte die Pfarrerin und erinnerte an das Gute, dass von den Frauen in den vergangenen 100 Jahren geleistet wurde, ganz im Sinne des christlichen Wertes der Nächstenliebe.

Mit zehn Gegenständen wurden die vergangenen zehn Jahrzehnte dargestellt: Die Notlinderung und Hilfe für Familien symbolisierte ein Kinderspielzeug, die Waschschüssel die praktische Hilfe in den ersten Jahren. das Strickzeug stand für die unzähligen Handarbeiten für gute Zwecke. Weiter: Das Losungsbuch, das immer am Beginn der gemeinsamen Nachmittage steht, und das Kaffeegedeck als Symbol der Geselligkeit und der guten Gemeinschaft. Der jährliche Weltgebetstag (immer am ersten Freitag im März) wurde durch eine Weltkugel dargestellt. Eine Kerze stand für das Licht, das die Frauen für sich selbst oder andere anzünden und das Trost und Zuversicht vermitteln soll. Das gemeinsame Singen, der Spaß in der Gemeinschaft war dargestellt durch ein Gesangbuch. Zum Schluss hielten Frauen vor dem Altar ein Band empor: »Wir halten zusammen, wir kennen uns mit Namen.«

Böhmer überbrachte am Ende das Grußwort für den Verband der Frauenhilfen in Hessen und Nassau und sagte: »Es ist schön, dass Sie dabeisind!« Gemeinsam mit Luise Böttcher aus dem Landesvorstand überreichte sie den beiden Leiterinnen Erika Kraft und Anneliese Grün eine Urkunde sowie ein »Frauenkreuz« aus El Salvador, bunt und farbenfroh, und eine kleine Tasche mit Blumenzwiebeln.

Für den örtlichen Kirchenvorstand brachten Ida Becker und Luise Schnecker Grußworte, Pfarrer Jörg Gabriel schließlich für das evangelische Dekanat sowie das Kirchspiel Londorf. - nschließend lud man zu einem Empfang in das evangelische Gemeindehaus. Dieser war sehr gut besucht. Glückwünsche überbrachten hier Rabenaus Bürgermeister Kurt Hillgärtner, Ortsvorsteher Ingo Lich, Inge Krieb für die Diakoniestation, Anneliese Grün für das Dekanat Grünberg, die ehemaligen Londorfer Pfarrer Helmut von Seltmann und Michael Solle, die ehemalige Vikarin Heike Naumann-Meisner und Diakon Markus Müller von St. Franziskus Londorf . Luise Schnecker sprach für den Kirchenchor, und aus den Nachbar-Frauenhilfen kamen ebenso Grüße. Das Rahmenprogramm wurde vom Spielmannszug des TV Kesselbach bei Kaffee und selbstgemachtem Kuchen untermalt.



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