28. September 2015, 09:33 Uhr

Sven Görtz bei »Odculture«: Dichte Handlung, abruptes Ende

Rabenau (vh). Von Höhn im Westerwald über Gießen ins Lumdatal nach Treis führte der Lebensweg von Sven Görtz. Trotz der nunmehr räumlichen Nähe war ihm Odenhausen/Lumda dennoch bisher unbekannt. Am Samstag trat er dort im ausverkauten Alten Schulsaal auf.
28. September 2015, 09:33 Uhr
Sven Görtz (Foto: Volker Heller)

In der Reihe »Odculture« des gleichnamigen Vereins stellte der Autor seinen Roman »Die Prophezeiung von Bad Löwenau« vor. Mächtig stolz zeigten sich Magdalena Rose-Kupfer und Karl-Heinz Till von »Odculture« und Ortsvorsteher Jürgen Bender, dass jemand, der im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs ist, auch in Odenhausen sein Publikum unterhält.

Am Krimi kommt heutzutage keiner vorbei, Görtz macht da keine Ausnahme. Am besten geht das mit festem Figurenstamm und Handlungsort. Seit 2013 ermitteln Hauptkommissar Christoph Rubin und Journalist Carl Bernstein in der Kleinstadt Stadt Bad Löwenau. Bekannt für den Löwenbrunnen mit vermeintlichem Heilwasser. Die Vorgängerromane »Da liegt ein Toter im Brunnen« und »Da haben wir den Salat« machten den Leser oder Zuhörer bekannt mit zwei unterschiedlichen Charakteren.

Rubin hat den seriösen Part inne, steht für Gelassenheit, Bernstein ist stets auf der Suche nach einer guten Story für den »Bad Löwenauer Anzeiger«. Gut geht hierbei vor wahr. Rubins Golden Retriever namens »Freitag« steht irgendwie symbolisch für die gute Spürnase, die seinem Herrchen nachgesagt wird. Görtz verzückt durch seine sonore Universalstimme, die er bekanntlich auch Hörbüchern leiht. Damit haucht er den oft zwielichtigen Gestalten Leben ein, schafft für sein Publikum Ordnung im Personentableau. Dass Bad Löwenau eine Fiktion ist, verschwimmt im Laufe des Abends fast, denn Görtz’ Schilderungen von Ricardo, dem italienischen Restaurantbesitzer, der sich ob der finsteren Ereignisse um die Löwenauer Bambinis sorgt, von der eigenwilligen Bürgermeisterin Franziska von Roth, Spitzname »die Fürstin«, oder dem allgegenwärtigen Buchhändler Weimar wirken lebensecht.

Görtz wandelt nicht nur mit seiner Stimme durch den Badeort, er wandelt auch als Vortragender zwischen Stehpult, Vorlesetischchen und Mikrophonständer, erläutert die Figuren und Orte, zitiert aus dem Roman oder singt englischsprachige Liebeslieder aus der eigenen Feder, einschließlich elektrischer Gitarrenbegleitung. Je länger der Abend dauert, an dem zwei Morde passieren und man erfährt, dass hinter dem Prophezeiungsgetue sich wohl eine kluge Stadtmarketingidee verbirgt, je dichter die Handlung wird, umso abrupter kommt das Ende – schließlich darf er ja nicht alles verraten. (Foto: vh)

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