21. Januar 2013, 17:13 Uhr

Pfarrer Luipold als Seelsorger in Londorf verabschiedet

Rabenau (vh). »Aufbrüche können schön und schrecklich sein«, sagte Pfarrer Andreas Luipold am Sonntagmittag anlässlich seiner Verabschiedung als Ortspfarrer für das evangelisch-lutherische Kirchspiel Londorf mit den Ortsteilen Londorf, Kesselbach, Allertshausen und Climbach.
21. Januar 2013, 17:13 Uhr
Verabschiedung in Londorf: (von links) Dekan Norbert Heide, Pfarrer Frank Paulmann, Pfarrer Andreas Luipold, Pfarrer Jörg Gabriel. (Foto: vh)

Der »Dom der Rabenau« war voll besetzt wie sonst an Weihnachten. Nach vier Jahren wechselt Luipold, der am 8. Februar 2009 an gleicher Stelle als damaliger Pfarrvikar auf den Dienst in seiner ersten Pfarrstelle eingesegnet wurde, auf eigenen Wunsch und aus privaten Gründen in den schulischen Pfarr- und Seelsorgedienst nach Gießen.

Dekan Norbert Heide (Grünberg) nahm die offizielle Entpflichtung vor. In Luipolds letzter Predigt standen Aufbruch und Neuanfang im Mittelpunkt. Hierzu hatte er sich die Bibelstelle aus Genesis 21, Verse 12 und 13, Gottes Verheißung an Abraham, heraus gesucht. Nach Theologiestudium, Schuldienst, vorübergehender Vollzeitarbeit bei der Lebenshilfe und dem Vikariat habe er eigentlich längere Zeit an einem Ort bleiben wollen. In einer Situation, da der Pfarrer als Seelsorger deren selber bedürfe, habe er nach langem Ringen die Entscheidung zum Wechsel getroffen, sagte Luipold. Eine Umkehr sei nicht möglich.

Dennoch meinte er: »Nur wer versöhnt ist mit dem was war, kann Neues angehen.« Mit dem jetzigen Aufbruch komme wieder alles neu auf ihn zu: Wohnung, Schule, Standort und Menschen. Erinnerungen und Freundschaften blieben jedoch: »Wer nichts mitnimmt, aus dessen Aufbruch wird ein Zusammenbruch.«

Luipold haderte weniger, als dass er tatsächlich lebenspraktische Hinweise gab und in der Tat seine seelsorgerische Fähigkeit unter Beweis stellte. Der zurück gelassenen Kirchengemeinde gab er den Rat, so aktiv wie nur möglich zu sein, Talente in die Gemeindearbeit einzubringen, die vorhandenen Angebote wie Kirchenchor oder Krabbelgruppe zu nutzen. Für seine Schlusspredigt erhielt der scheidende Ortspfarrer Applaus.

Dekan Heide oblag es, in wohl gesetzten Worten Luipolds Suchen nach dem richtigen Weg zum schließlich ebenso bekannten wie beliebten Pfarrer zu beschreiben. Luipold sei Mensch mit Ecken und Kanten und großem Herzen. Er sei von sich aus auf die Menschen zugegangen, habe auch für Pfarrer unübliche Dienste wie Austragen des Gemeindebriefes übernommen. Heide überbrachte den Dank auch im Namen des Dekanatssynodalvorstands und dessen Vorsitzenden, Präses Elke Sézanne.

Der Vorsitzende des Londorfs Kirchenvorstands, Reiner Becker, lobte Luipold für Ideenreichtum und Tatendrang und sein Anliegen, kirchliches Leben vor allem nachhaltig zu gestalten. Nach Luipolds Ankunft sei der Kirchenvorstand fast komplett neu gewählt worden, die Gemeindesekretärin habe gewechselt. Verschiedenste Baumaßnahmen hätten angestanden (Kirchenmauer, Pfarrhaus, Gemeindehaus, Diakoniehaus). Luipold habe zusammen mit der Frauenhilfe in der Kirche eine neue Beschallung realisiert, neue Gottesdienstformen eingeführt, neue Impulse bei der Kindstaufe und Jugendarbeit gesetzt. Bürgermeister Kurt Hillgärtner hob den guten Kontakt seiner Gemeinde zur Kirchengemeinde hervor. »Gerne hätten wir dich hier bei uns behalten«. Applaus im Kirchenschiff.

Manfred Dietzler überbrachte als Stellvertreter des erkrankten Ortsvorstehers von Londorf/Kesselbach, Ingo Lich, das Grußwort. Luipold – Ingo Lich habe ihn manchmal anerkennend mit »Hochwürden« angeredet – sei geraderaus, ehrlich und humorvoll. Ecken und Kanten inbegriffen.

Allertshausens Ortsvorsteher Egon Kellermann nannte Luipolds Wirken Charakter prägend für die Kirchengemeinde. Erika Kraft, Vorsitzende der evangelischen Frauenhilfe Londorf/Kesselbach, bilanzierte »eine schöne Zeit«, und Diakon Markus Müller von der katholischen St. Franziskus-Gemeinde hob die gelebte Ökumene hervor.

Chorleiter Arndt Roswag brachte Luipolds kritischen Geist ins Spiel, auch kontroverse Gespräche sowie dessen Nähe zur Musik die Konzerte in der Kirche ermöglicht habe. Weitere Grußworte überbrachten der evangelische Kirchenchor (Luipold war Mitsänger) und die Pfadfinder vom VCP-Stamm Martin Luther Lumdatal. Lieder steuerten der Kinderchor Geilshausen, Mitglieder der Kirchenband »Pjube« (das auf Pfarrer Luipold umgetextete Biene-Maja-Lied«), der Kirchenchor, der Chor »Arndtono« und Chor »Regenbogen« bei.

Pfarrer Luipold, dessen Beliebtheitsgrad sich nach knapp vier Jahren überdeutlich an der vollen Kirche, den Grußworten und den musikalischen Beiträgen abzulesen war, fällt bei allem Abschiedsschmerz nach eigenem Bekunden nicht ins Leere. Er wisse sich eingebunden in Gottes Plan mit den Menschen. Gott wolle die Veränderung. »Es gibt kein Leben, das immer bleiben kann wie es ist«.



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