20. September 2013, 18:18 Uhr

Im 100. Jahr große Nachwuchssorgen

Rabenau (rüg). Soziales Engagement, aus dem christlichen Glauben begründet, war ursächlich, dass sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in vielen Ortschaften des Deutschen Reiches unter dem Dach der evangelischen Kirche sogenannte Frauenhilfen gründeten. Auch in Geilshausen war dies 1913 der Fall.
20. September 2013, 18:18 Uhr
Ein Foto aus der Gründerzeit: die Frauenhilfe in Geilshausen 1913. (Foto: privat)

Und so kann die Frauenhilfe dieser Tage auf eine mittlerweile 100-jährige Geschichte zurückblicken. Das Jubiläum wird am Sonntag, dem 29. September, gebührend gewürdigt.

Die Evangelische Frauenhilfe (EFHiD) war laut Wikipedia ein Frauenverband innerhalb der Evangelischen Kirchen Deutschlands. Der Verband wurde am 1. Januar 1899 unter der Schirmherrschaft von Kaiserin Auguste Viktoria gegründet. Er geht zurück auf die 1890 von Propst Hermann von der Goltz gegründete »Frauenhülfe« im Rahmen des Berliner Ortsvereins des evangelisch-kirchlichen Hülfsvereins (EKH). Der Verein selbst wurde 1949 in »Evangelische Frauenhilfe in Deutschland« umbenannt, teilte sich in Ost und West und wurde erst 1992 wieder als EFHiD zusammengeführt.

2005 bis 2008 war die Frauenhilfe in einem Dachverband zusammen mit der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland (EFD) organisiert. 12 000 Frauengruppen in zwölf evangelischen Landeskirchen wurden von ihm betreut. Seit März 2008 sind die Frauenhilfe, die Frauenarbeit und 40 weitere evangelische Frauenverbände in dem neuen Dachverband der Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD) zusammengeschlossen.

Die ursprünglich soziale und diakonische Ausrichtung der Frauenhilfsvereine, die tatsächlich anderen Hilfe bot (z. B. durch das Engagement in Müttergenesungswerken für Frauen aus ärmeren Schichten), hat sich heute stark gewandelt. Das Problem der heutigen Frauenhilfsbewegung ist die Überalterung ihrer Mitglieder und der mangelnde Nachwuchs. Dennoch ist die Frauenhilfsarbeit ein Schwerpunkt der evangelischen Gemeindearbeit in Deutschland.

Bei Bauern um Roggen gebettelt

In Geilshausen, so berichtet Schriftführerin Waltrauf Steyh in der Chronik, habe die Arbeit der örtlichen Frauenhilfe unter anderem durch eine »Diakonieschwester Berta« ihren Anstoß erhalten. Zwei Bürger aus Geilshausen, Justus Kloos und Werner Rüffer, stifteten einen Geldbetrag zur Gründung, deren genaues Datum nicht mehr feststellbar ist, da es aus dieser Zeit so gut wie keine schriftlichen Zeugnisse gibt, wie Waltraud Steyh im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung berichtete.

Zur ersten Vorsitzenden wurde damals Katharina Margolf gewählt. Ihr folgten Katharina Weber, Emma Löchel sowie im April 1973 Annemarie Schomber und seit 1985 Elfriede Harnack. Betreut wurde die Frauenhilfe in den 100 Jahren von den Pfarrern Karl Thorn, H. Schäfer, Hans Biesenbach, Wilhelm Göbel und aktuell Jörg Gabriel.

In Erinnerung geblieben sind auch das große Fest des Posaunenchors 1932 im Melmes und dass Pfarrer Thorn zu Beginn eines jeden Ausflugs eine Andacht in der Kirche hielt. Gravierende Veränderungen brachte dann das Jahr 1933 für die Frauenhilfe. Während der Nazizeit wurden auch diese Organisationen gleichgeschaltet und durften die beliebten Lese- und Gebetsstunden nicht mehr abhalten. Doch trotz ihres Verbots ihrer Organisation, ließen sich die Geilshäuser Frauen nicht davon abhalten, Den Soldaten an der Front Päckchen zu schicken, »auch wenn es in dieser Zeit das Brot nur auf Lebensmittelkarten gab«. Dafür gingen die Vorstandsfrauen zu den Bauern und bettelten um Roggen. Dieser wurde dann zum Müller gebracht. Auch das evangelische Krankenhaus in Gießen wurde während des Krieges von der Geilhäuser Frauenhilfe unterstützt.

Schon sehr früh bemühte man sich um eine Partnerschaft mit der Thüringer Gemeinde Kroppstädt, die man durch Briefe und Päckchen aufrecht erhielt. Trotz strenger Grenzüberwachung gelang es, die Päckchen an ihrem Bestimmungsort zu übergeben. Weitere Besuche und Gegenbesuche gab es nach dem Fall der Mauer.

Gebührend gefeiert wurden 1973 das 60-jährige Bestehen, 1989 das 75-jährige Jubiläum und vor zehn Jahren der 90. Geburtstag der Initiative.

Kuchenverkauf am Weihnachtsmarkt

In die Dorfgemeinschaft bringt sich die Frauenhilfe beispielsweise durch die Beteiligung an den Kosten für gemeindliche Einrichtungen und an Feierlichkeiten der Ortsvereine. Sie spendet an diverse Hilfsorganisationen und ist seit vielen Jahren mit einem Verkaufsstand für Selbstgestricktes und leckere, selbst gebackene Kuchen am Weihnachtsmarkt beteiligt. »Gut 30 Kuchen gehen am Weihnachtsmarkt über die Theke, jetzt in unserem schönen Anbau an der Kirche«, berichtet Waltraud Steyh.

Ausflüge, das Osterfrühstück und der Weltgebetstag gehören ebenso zum vielfältigen Jahresprogramm wie das Pflegen und Setzen der Blumen und der Rosenfläche an der Kirche und am Denkmal.

Doch auch die Frauenhilfe Geilshausen leidet unter Nachwuchssorgen: »Das Durchschnittsalter der Vorstandsfrauen beträgt 78 Jahre. Zudem sind nur noch vier Damen übrig geblieben, die körperlich nicht behindert sind«, beklagen die Verantwortlichen. Daher ihr Appell: »Es wäre heute zum 100-jährigen Jubiläum unser größter Wunsch, wenn sich einige junge Frauen finden würden, um zusammen mit Pfarrer Gabriel und natürlich unserer Unterstützung unser Werk fortzuführen.«

Zahlreiche Ehrengäste

Den Vorstand der Frauenhilfe Geilshausen bilden heute Elfriede Harnack als erste Vorsitzende, Helga Wagner als zweite Vorsitzende, Waltraud Steyh als Schriftführerin, Helge Beck-Theis als Kassiererin sowie Hilde Muth und Marie Vollath als Beisitzerinnen.

Gefeiert wird das Jubiläum am Sonntag, dem 29. September, um 14 Uhr zunächst mit einem Festgottesdienst unter Mitwirkung des Gesangvereins Jugendmuth im örtlichen Dorfgemeinschaftshaus. Als Ehrengäste werden neben den Vertreterinnen der benachbarten Frauenhilfen die Vorsitzende der Rvangelischen Frauen in Hessen und Nassau, Pfarrerin Angelika Thonipara, der Dekan des Dekanants Grünberg, Pfarrer Norbert Heide, der Rabenauer Bürgermeister Kurt Hillgärtner, Ortsvorsteher Markus Titz sowie das Ehepaar Göbel erwartet.

Nach dem Festgottesdienst gibt es ein reichlichhaltiges Kuchenbuffet. Frieda Metka (mit Mundarterzählungen) und Helga Reul werden aus vergangenen Zeiten berichten. Es werden rund 130 Gäste erwartet.



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