21. Februar 2012, 17:13 Uhr

Die Wette und die Dirndl für Hillgärtner und Kellermann

Rabenau (vh). Vom »Bergdorf« Allertshausen, gesehen aus der Perspektive Londorfs, ist hin und wieder die Rede. Nun fand die humorvolle Inszenierung der Geografie des Bürgermeister-Wohnorts eine denkwürdige Fortsetzung. Es geschah in der Faschingsveranstaltung am Samstagabend im gut besuchten Dorfgemeinschaftshaus.
21. Februar 2012, 17:13 Uhr
Närrische Wette in Allertshausen: Ortsvorsteher Egon Kellermann (links) und Bürgermeister Kurt Hillgärtner im Dirndl. (Foto: vh)

Glaubt man etwa Ortsvorsteher Egon Kellermann, so hatte keiner der Akteure – außer den Gymnastik-Damen, die ohnehin wöchentlich trainieren, zuvor seinen Auftritt geprobt. Es könne zum Beispiel passieren, dass angesichts einer Lücke jemand zum Auftritt »befohlen« wird, so Kellermann. Freiwillig sei bestenfalls die Feuerwehr.

Selbst Bürgermeister Kurt Hillgärtner kam wieder einmal nicht umhin, anekdotische Dorfgeschichten zu erzählen, die ihm ausgewiesene Klatsch- und Tratsch-Experten übers Jahr vermitteln. Und das, obwohl er bereits eine völlig andere Büttenrede eigens für die Prunksitzung der »Blauen Raben« in Londorf gehalten hatte. Doch Hillgärtner stand schon früh, damals noch in Funktion des Ortsvorstehers, in der Bütt.

Sammlung für mobile Bühne

Im Dorfgemeinschaftshaus fehlt aus Platzgründen die Bühne. Aber ohne »Bretter die die Welt bedeuten«, wollte man nicht länger Fasching feiern. Und sich keiner Blamage aussetzen, da die »Blauen Raben« mit Gastbeiträgen immer gern Unterstützung leisten und wiederum eine stattliche Abordnung geschickt hatten: so das Prinzenpaar Nadine I. und Andy I., Sitzungspräsident Timo Momberger, den Elferrat, das Tanzmariechen Anne-Kathrin Pfeiff und die Tanzgarde.

Was erfahrene Karnevalisten sind, erfuhren die Allertshäuser sogleich, denn bei der ersten Schunkelrunde standen die Londorfer so schnell auf den Beinen, so dass die Allertshäuser neidlos diesen Punkt für Londorf anerkennen mussten.

Das Ausleihen einer mobilen Bühne kostet natürlich was, und deshalb hatten die Faschingsmacher um Günter und Rainer Krieb insgeheim einen Plan ausgeheckt. Am Samstagnachmittag, so erfuhr die Gießener Allgemeine Zeitung aus gut unterrichteten Kreisen, keimte spontan die Idee für eine ausgefallene Wette mit dem Faschingspublikum, die Günter Krieb abends verkündete. Sollten Hillgärtner und Kellermann im Dirndl-Kostüm auftreten, dann würde ein Hut rumgereicht und jeder dürfe darin einen Euro für die ausgeliehene Bühne spenden.

Nach dem fulminanten Piratentanz der Gymnastikdamen kam gegen Mitternacht das große Finale aller Akteure an die Reihe. Tatsächlich mit den Dirndl-Trägern im Mittelpunkt. Akustisch bot die Kapelle »Kreuz und Quer« das Heidi-Lied, und beide sangen fleißig mit. Der Hut machte die Runde – 100 Euro wurden am Ende gezählt.

Neben der Dirndl-Wette und Londorfer Gastbeiträgen (Gardetanz und Tanzmariechen) erklärte Daniel Hillgärtner in der Bütt, worauf der Hausmannn achten sollte. »Chappi« etwa nicht mit der Fleischkonserve zu verwechseln, sonst gibt’s ständig feuchte Lippen. Vater Hillgärtner teilte zahlreich aus und musste dann selber einstecken. Er gab die Geschichte der Reisegruppe nach Tirol zum besten, die dort auch shoppen wollte und erst zu spät merkte, dass ausgerechnet jener Tag ein Feiertag ist. Günter Krieb erklärte, warum der kürzlich an Hillgärtner verliehene »Bolzenorden« der Blauen Raben gerechtfertigt sei. Der Bürgermeister habe sich just ein Auto der neuesten Technik gekauft, nicht in die Betriebsanleitung geguckt und sich gewundert, dass beim Ampelhalt der Motor automatisch aus- und einschaltet.

Eberhard Kracht philosophierte über das Loch an sich aus Männersicht und stellt lakonisch fest, dass da, wo eigentlich nichts zu sehen sei, es darüber doch so viel zu erzählen gebe.

Gitarrist Jürgen Nachtigall (Partner Ewald Radde war verhindert) brachte mit trockenem Humor und auf Platt die Lieder von der »Migräne« und dem »Rollseil« unters närrische Publikum. Uli Römer fabrizierte Babygeschichten und lies nachher die »Puppe« tanzen. Jürgen Moser gab den Kongressbeamten in der Bütt, der manches Mal auch die heimischen Politiker aufzog. Ursula Schomber klagte über die vielen neumodischen Wörter im Deutschen. Online schien fürs Wäscheaufhängen gerade gut.

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