25. März 2008, 20:58 Uhr

»Stolpersteine« erinnern an Opfer des NS-Terrors

Pohlheim/Gießen (js). Der Kölner Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihren letzten Wohnorten in Städten und Gemeinden Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Die AZ hatte mehrfach darüber berichtet, dass diese symbolische Aktion des Künstlers auch in Gießen Resonanz findet. Mittlerweile hat sich auch in Pohlheim eine »Initiative Stolpersteine« gebildet, deren Ziel es ist, das Projekt auch dort umzusetzen.
25. März 2008, 20:58 Uhr

Die Initiatoren Tim und Simone van Slobbe, Frank Pötter, Andrea Krauß und Jürgen Kellermann haben Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer sowie die im Stadtparlament vertretenen Fraktionen bereits über ihr Vorhaben schriftlich informiert.

In einer Pressekonferenz gestern im evangelischen Pfarramt in der Gießener Georg-Schlosser-Straße erläuterten Pötter, Tim van Slobbe (Mitglied des Kreisausländerbeirats) und Kellermann ihre Vorstellungen von der Umsetzung. »Wir haben den Bürgermeister sowie die Fraktionen gebeten, überparteilich zu beschließen, die »Initiative Stolpersteine« zu begrüßen und die Unterstützung der Stadt zuzusagen.« Eine Entscheidung hierüber sei noch nicht gefallen.

Kellermann und van Slobbe, beide wohnen in Dorf-Güll, verdeutlichten Demnigs Ziel:Er wolle mit den »Stolpersteinen« der Menschen gedenken, die unter dem nationalsozialistischen Regime verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Mittlerweile habe der gebürtige Berliner - vorwiegend in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern - über 12000 »Stolpersteine« verlegt. Diese »Mahnsteine« sollen vorwiegend in Watzenborn-Steinberg und in Holzheim - dort standen Synagogen - vor Grundstücken einen Platz finden, die für Opfer des Nationalsozialismus »der letzte selbstgewählte Wohnort waren«, so Pötter. Er begründete die Formulierung »letzter selbstgewählter Wohnort«: »Es gab Menschen vornehmlich jüdischen Glaubens, die von den Nationalsozilisten gezwungen wurden, zu einer anderen Familie zu ziehen.«

Seitens der Pohlheimer Initiative ist eingehend recherchiert worden, wo Verfolgte in Watzenborn-Steinberg und Holzheim zuletzt lebten. »Allerdings würden wir uns freuen, wenn wir von Zeitzeugen Hinweise erhalten, wo in den anderen Stadtteilen »Stopersteine« errichtet werden könnten«, unterstrich Tim van Slobbe (Telefonnummer 06404/928635).

Laut Pötter - so derStand seiner Recherchen - sind aus Holzheim elf jüdische Menschen 1942 deportiert und ermordet worden. In Grüningen lebten 1933 elf Juden. Zwei flüchteten 1939 in die USA, neun sind 1939/40 innerhalb Deutschlands »zwangsumgezogen«. Aus Grüningen wurde deshalb 1942 niemand deportiert.

Wie Kellermann sagte, ist vorgesehen, einen »Stolperstein« auch vor dem Haus zu setzen, in dem Pfarrer Ernst Steiner, der den Nationalsozialisten zum Opfer fiel, mit seiner Familie lebte. Eine Mahntafel gibt es bereits an dem Haus neben der Kirche in Hausen. Wie Pötter abschließend informierte, kann man für 95 Euro eine »Stolperstein«-Patenschaft für Herstellung und Verlegung übernehmen. Die Stadt müsste dann lediglich die Standorte der Mahnsteine, auf denen kurz über das Schicksal der Opfer des Terrorregimes informiert wird, vorbereiten.

Weitere Informationen gibt es unter der Adresse www.stolpersteine.com.

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