22. November 2010, 17:10 Uhr

St. Matthäus in Holzheim feiert 50-jähriges Jubiläum

Pohlheim (sch). Die in den Jahren 1959 und 1960 erbaute und am 4. Dezember 1960 durch den Mainzer Bischof Dr. Albert Stohr geweihte Kirche St. Matthäus Holzheim feiert am ersten Dezemberwochenende ihr 50-jähriges Bestehen.
22. November 2010, 17:10 Uhr
Vor einem halben Jahrhundert gebaut: die katholische St. Matthäus-Kirche in Holzheim. Am ersten Wochenende im Dezember feiert das Gotteshaus mit einer Messe, einem Akademischen Abend und einem Konzert des »Neva-Volga-Vokalensembles« sein Jubiläum. (Foto: privat)

Pohlheim (sch). Die in den Jahren 1959 und 1960 erbaute und am 4. Dezember 1960 durch den Mainzer Bischof Dr. Albert Stohr geweihte Kirche St. Matthäus Holzheim feiert am ersten Dezemberwochenende ihr 50-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsveranstaltungen am 4. und 5. Dezember schließen neben einem Festgottesdienst unter anderem einen Akademischen Abend und ein Konzert des russischen Chors »Neva-Volga-Vokalensemble« ein.

Ursprünglich war Holzheim eine protestantische Gemeinde. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen aus Osteuropa, vor allem aus dem Sudetenland, viele Katholiken als Heimatvertriebene nach Hessen. Fast 300 von ihnen fanden in Holzheim eine neue Heimat. Sie gehörten seit 1946 der Pfarrkuratie Gambach, Pfarrei Butzbach, an und wurden von dort aus kirchlich von Pfarrer Edmund Artel betreut.

Zunächst fand das kirchliche Leben nur in der evangelischen Kirche statt, die den Katholiken 13 Jahre lang jeden zweiten Sonntag für die Heilige Messe zur Verfügung stand. Nachdem die Katholiken auch wirtschaftlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten, wurde an die Realisierung des Wunsches nach einer eigenen Kirche gedacht. Der Beschluss dazu wurde gefasst, ein Bauplatz in der Gartenstraße des Ortes erworben.

90 000 Mark Kosten durch viele Spenden und unentgeltliche Arbeitsstunden gedeckt

In der Sitzung vom 30. Juli 1959 genehmigte das Bischöfliche Ordinariat in Mainz den Kirchenneubau. Anton Pfannenstiel war damals Mitglied des Kirchenstiftungsrates als Holzheimer Vertreter in Gambach. Der Kirchenneubau war möglich geworden durch das Entgegenkommen der Diözese Mainz, eine großzügige Spende des Bonifatiusvereins in Paderborn und vor allem aber durch die zahlreichen Spenden und unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden der Gläubigen aus Holzheim und Umgebung.

Leiter der Baumaßnahme, deren Kosten sich auf rund 90 000 Mark beliefen, war der Diözesanbaumeister Architekt Kurt Josef Dicke. Als Baumeister vor Ort fungierte Polier H. Elefant, der bei vielen Holzheimern noch in guter Erinnerung ist. Am 12. September 1959 erfolgte durch Pfarrer Edmund Artel (Gambach) und den Holzheimer Bürgermeister Walter Georg Buß der erste Spatenstich.

Fünf Wochen später, am 18. Oktober, folgte durch Domkapitular Hermann Moser (Mainz) die Grundsteinlegung, sodass am 11. November 1959 bereits das Richtfest gefeiert werden konnte. Danach dauerte es noch gut ein Jahr, bis die feierliche Konsekration und Weihe der Kirche, deren Patron der Heilige Matthäus ist, durch Bischof Dr. Albert Stohr vorgenommen werden konnte. Mit dabei waren seinerzeit neben Geistlichen aus den Nachbargemeinden auch Geistlicher Rat Karl Josef Deuster (St. Bonifatius Gießen) und Dekan Mittlerer (Friedberg), der zelebrierte, ferner sechs Seminaristen aus Mainz sowie Bürgermeister Walter Georg Buß und Vertreter der evangelischen Kirche.

Würdevoll umrahmt wurde der Weihegottesdienst durch den Gambacher Kirchenchor unter Leitung von Lehrer Peter. Seit 1977 ist St. Matthäus die zentrale Filialkirche der Pfarrgemeinde St. Martin Pohlheim für die drei südlichen Stadtteile Holzheim, Grüningen und Dorf-Güll.

Ohne Glocken ist ein Gotteshaus stumm; es war daher nötig, möglichst zügig drei Glocken für die Kirche zu beschaffen: Marienglocke (620 Kilogramm), Michaelsglocke (412 Kilogramm) und die Bonifatiusglocke (284 Kilogramm). Diese Glocken wurden durch Generalvikar Ludwig Haenlein am 26. März 1963 geweiht. Sie läuteten erstmals am Dienstag, 2. April 1963.

Da schließlich am 1. September 1977 die Pfarrei St. Martin Pohlheim gegründet wurde, ging die Holzheimer Kirche in den Pfarrverband Pohlheim über. An diesen Einschnitt werden sich sicher noch viele Gläubige erinnern, denn bis dahin gehörten die Katholiken der sechs Pohlheimer Stadtteile zu fünf unterschiedlichen Pfarreien: Hausen und Garbenteich zu St. Bonifatius Gießen, Watzenborn-Steinberg zu Großen-Linden, Grüningen zu Langgöns, Dorf-Güll zu Lich und Holzheim zu Gambach (Dekanat Friedberg).

1995: St. Matthäus wird renoviert und die Sakristei komplett neu gestaltet

Dieser Anschluss zur Pfarrgemeinde St. Martin Pohlheim verhinderte jedoch ein eigenständiges kirchliches Leben in Holzheim nicht - das eigene Franziskus-Haus (Pfarrsaal) ist beredtes Zeichen. Die katholische Kirche St. Matthäus in Holzheim ist ein wichtiges kulturelles Zentrum in der Gemeinde.

Es war 1995 notwendig geworden, die Kirche zu renovieren. Schließlich wurde die Sakristei komplett neu gestaltet. Das Gotteshaus stellt sich heute in einem soliden und gut erhaltenen Zustand dar. Die Holzheimer könnten mit Recht stolz auf ihre katholische Kirche St. Matthäus sein, wie Pfarrgemeinderatsvorsitzender Jakob-Ernst Kandel in einer kleinen Jubiläumsbroschüre hervorhebt, die pünktlich zum Festwochenende erscheinen soll.

Zum Akademischen Abend am Samstag, dem 4. Dezember, um 19 Uhr in der Kulturellen Mitte hat sich unter anderem Franz Sachs angekündigt, der von 1980 bis 1997 Pfarrer von St. Martin Pohlheim war. Dabei wird auch eine Bilderausstellung vom Bau der Kirche zu sehen sein.

Am Sonntag, 5. Dezember, zelebrieren Generalvikar Dietmar Giebelmann und Dekan Januarius Mäurer (St. Thomas Morus Gießen) einen Festgottesdienst in der St. Matthäus-Kirche. Das Konzert des russischen Chors »Neva-Volga-Vokalensemble« findet spätnachmittags an gleicher Stelle statt. Der Eintritt ist frei. Die professionellen Sängerinnen und Sänger haben es sich zur Aufgabe gemacht, alte und neue geistliche Gesänge aus Russland als Teil der europäischen Kultur einem großen Zuhörerkreis in Originaltradition zugänglich zu machen. In Russland singen die Ensemblemitglieder als Solisten im Dienst der orthodoxen Kirche sowie an der Oper und Philharmonie. Das Repertoire umfasst sowohl traditionelle russisch-orthodoxe Gesänge aus alten Manuskripten als auch Musikwerke moderner Meister. Erfolgreiche Konzerttourneen führten das Ensemble mehrfach nach Deutschland und die Schweiz. Die Bevölkerung ist eingeladen an den Jubiläumsveranstaltungen teilzunehmen.

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