Pohlheim

»Sängerkranz« lud in Pohlheim zu »Man(n) singt deutsch« ein

Pohlheim (rge). »Wein, Weib und Gesang« kündigte gleich zu Beginn des Konzertes »Man(n) singt Deutsch 5« am Sonntag mit einem Augenzwinkern Moderator und Kabarettist Martin Gärtner an.
05. November 2012, 22:23 Uhr
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Damit lag er genau richtig, denn in der Volkshalle Watzenborn-Steinberg hatten sich die gastgebenden Chöre des Gesangvereins »Sängerkranz« 1876 – Männerchor und »vocale« unter Leitung von Peter Schmitt – auch mit den Sängern der »Eintracht« Steinbach mit Dirigent Axel Pfeiffer renommierte Sänger eingeladen. Die Chöre deckten mit ihrem breiten Repertoire erstgenannte Themen ab. Zusätzlich erinnerte der »Sängerkranz«-Männerchor in seiner Liedauswahl an den Namensgeber des Watzenborn-Steinberger Konzertsaals, Hans Weiß, den unvergessenen Pohlheimer Chorleiter und Komponisten.

Erwartungsfroh waren die 450 Konzertbesucher als ausgewiesene Anhänger des deutschen Liedgutes, das in der erfolgreichen »Sängerkranz«-Konzertreihe seit Jahren die zentrale Rolle spielt. Dass in diesem Jahr zusätzlich noch mit Martin Gärtner ein gestandener Kabarettist und bekannter Künstler des Stadttheaters Gießen für eine Extra-Portion Humor bezüglich des Zusammenlebens von Mann und Frau sorgte, war das Sahnehäubchen des kurzweiligen Chorkonzerts.

»Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich«, rezitierte Gärtner den Pop-Barden Herbert Grönemeyer. Gleich zum Auftakt bewiesen die Männer des großen »Sängerkranz«-Chores mit Dirigent Peter Schmitt ihre stimmlich positive Wirkung – nicht nur auf die zahlreich anwesende Damenwelt. »Ein Spielmann ist aus Franken kommen«, »Was glänzet der Frühling« sowie aus dem Löns-Lieder-Zyklus »Auf der Lüneburger Heide« waren Beiträge als Reminiszenz an den Komponisten Hans Weiß. Die Jagd in allen seinen Formen spielte beim »Jägerlied« (Sigfrid Karg-Elert) und »Der Jäger Abschied« (Felix Mendelssohn-Bartholdy) die zentrale Rolle. Als ihr letztes Stück hatten die »Sängerkranz«-Aktiven von den Comedian Harmonists »In der Bar zum Krokodil« ausgesucht und damit die Konzertbesucher in eine imaginäre Bar nach Ägypten in den 30er Jahren entführt. »Wohlauf ihr Gäste« von Erasmus Widmann stimmten danach die Sänger der »Eintracht« Steinbach an. Chorleiter Pfeiffer hatte zudem Hugo Distlers »Der Tambour« ausgesucht. Es folgte »Komm, Trost der Welt« (Wilhelm Nagel). Beim »Chinesischen Trinklied« (Harald Genzmer) wurde auch musikalisch gleich die Frage beantwortet was besser als Wasser ist. Wein natürlich. »Immer raus aus dem Haus« ging es im Marschtakt für die Steinbacher Sänger weiter und animierte die Konzertbesucher zum Mitklatschen.

Nach der Pause entführte Kabarettist Gärtner am Klavier und ausgerüstet mit Mundharmonika, einer Rappelbox und Schüttelrassel, in die Welt der Liebeslieder aus dem musikalischen Solo-Programm »Ja, Schatz!« des Musik-Kabarettisten Bodo Wartke. Beim »Liebeslied für Bettina« und Variationen des »Röslein auf der Heiden« blieb kein Auge trocken. Trotzdem Gärtner vom deutschsprachigen Teil des Konzertes in seinen internationalen Liebeserklärungen (so auch in sächsisch, schwäbisch und bayrisch) kurzzeitig abwich, folgte auf die prompte Entschuldigung vom begeisterten Publikum kräftiger Applaus. Der letzte Konzertteil war dann »vocale Sängerkranz«, dem kleinen Männerchor des Vereins, unter Leitung von Peter Schmitt vorbehalten. Silchers »Untreue«, Schumanns »Der Eidgenossen Nachtwache« und »Schöne Nacht« (Wilhelm Nagel) gehörten zu anspruchsvollen, klassischen Kompositionen deutscher Chorliteratur. Dem entgegen, aber nicht weniger anspruchsvoll und mit mehr Tempi, waren Rammsteins »Engel« (Oliver Gies-Maybebop) und »Wochenend und Sonnenschein« von den Comedian Harmonists populäre Stücke, die dem Publikum aus dem Radio bekannt waren und zum Mitsingen animierten. Locker mit Brille und Baseball-Cap sangen die Aktiven zum »vocale«-Schluss die Geschichte vom Wiener Pechvogel Augustin aus dem Mittelalter mit dem »coolen« Augustin-Rap (Lorenz Maierhofer). Dass zum Abschluss alle Sänger von »Sängerkranz« und »Eintracht« bei Silchers Klassiker »Entschuldigung« auf der Bühne standen und gemeinsam deutschen Chorgesang anstimmten, versinnbildlichte noch einmal treffend »Man(n) singt Deutsch« auf eindrucksvolle Weise. »Sängerkranz«-Vorsitzender, Werner Funk freute sich so mit allen Sängern über den lang anhaltenden Applaus des zufriedenen Publikums und dankte den beiden Chorleitern Pfeiffer und Schmitt sowie Moderator Gärtner mit einem Geschenk. Im nächsten Jahr wird es eine Neuauflage der erfolgreichen Konzertreihe geben.

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