28. Januar 2015, 23:33 Uhr

Pohlheim: Lob, Dank und Verdienstorden für Schäfer

Pohlheim (agl). Viel Lob und Anerkennung gab es am Mittwochabend für Karl-Heinz Schäfer. Mit einem Festakt wurde er nach 18 Jahren aus dem Amt des Pohlheimer Bürgermeisters verabschiedet.
28. Januar 2015, 23:33 Uhr
Ein fröhlicher Karl-Heinz Schäfer mit Ehefrau Ilona und frisch ausgezeichnet mit dem Hessischen Verdienstorden – zu sehen über der Amtskette des Bürgermeisters. (Foto: Geck)

»Wenn der Bürgermeister seine Pflicht tut, werden kaum vier da sein, die ihn mögen.« Das Luther-Zitat trifft aus zweierlei Gründen auf Karl-Heinz Schäfer nicht zu: Erstens kamen am Mittwochabend mehr als 500 Menschen in die Watzenborn-Steinberger Volkshalle, um ihn nach 18 Jahren aus dem Amt zu verabschieden, und zweitens wurde in den Festreden deutlich, dass Schäfer in seinen drei Amtsperioden weit mehr als nur seine Pflicht geleistet habe. Zu Lob, Dank und Anerkennung kam eine Auszeichnung, die der hessische Innenminister Peter Beuth vornahm: Er überreichte dem scheidenden Bürgermeister den Hessischen Verdienstorden.

Am Samstag endet die Amtszeit des 61-Jährigen. 1996 holte er als erster direkt gewählter Bürgermeister Pohlheims die Mehrheit der Stimmen, zweimal bestätigten ihn die Bürger im Amt. Auf eine vierte Periode verzichtete der gebürtige Waldgirmeser. Bei der Wahl im September setzte sich Christdemokrat Udo Schöffmann durch. Dieser gehörte am Mittwoch ebenso zu den Gästen, wie Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen, von Kirchen, Schulen, Kindergärten, Mitarbeiter der Stadt und weitere Bürger. Albert Mehl, Vorsitzender des TV Holzheim, moderierte, und für einen schwungvollen Auftakt sorgte der Musikzug aus Holzheim unter der Leitung von Jürgen Adams. Später bereicherten die Männerchöre der fünf Watzenborn-Steinberger Gesangvereine sowie Dirigent Peter Schmitt den Abend.

»Es war eine erfolgreiche Zeit«, bilanzierte Stadtverordnetenvorsteher Jakob-Ernst Kandel (CDU) die 18-jährige Ära Schäfer. Die Spannung zwischen Parlament und Bürgermeister sei intensiv ausgetragen worden – jedoch »immer orientiert am Wohle der Bürger«. Kandel attestierte Schäfer ein »großes Verhandlungsgeschick«. Er habe die Interessen der Stadt verteidigt. Die Entwicklung der Neuen Mitte, zahlreiche Baugebiete und ein wiederholt ausgeglichener Haushalt hob Kandel hervor. Mit Blick auf Schäfers Präsidentschaft im Hessischen Städte- und Gemeindebund sowie in der deutschen Sektion des Rates der Gemeinden und Regionen Europas verwies er auf die Wertschätzung, die ihm »weit über Pohlheim hinaus« entgegengebracht werde.

Erste Stadträtin Anja Sames-Postel (CDU) nutzte das eingangs genannte Luther-Zitat dazu, um zu verdeutlichen, dass es auf Schäfer nicht zutreffe. Der scheidende Bürgermeister habe mit Fleiß, Fähigkeiten und Erfahrung »sehr sehr viel richtig gemacht«. Ihm als Kämmerer gebühre »Respekt vor dem Weitblick und der Beharrlichkeit«.

Innenminister Beuth wünschte Schäfer auch im Namen von Ministerpräsident Volker Bouffier alles Gute und ging auf den Mangel an Privatem ein, den der Beruf des Bürgermeisters mit sich bringe. So dankte Beuth auch Schäfers Familie, insbesondere seiner Ehefrau Ilona. Der scheidende Bürgermeister sei »ein überzeugter Lobbyist der Kommunen«, sagte der Gast aus Wiesbaden und verwies auf Schäfers Funktionen im Dienste der Städte und Gemeinden. Er habe sich zudem um Hessen, Deutschland und Europa verdient gemacht.

»Du bist ein Kommunalpolitiker mit Herz und Seele«, lobte Landrätin Anita Schneider ihren Parteifreund Schäfer und fügte hinzu: »Du hattest stets auch die Entwicklung der Region im Blick.« Die Landrätin zog einige Zitate heran und schloss mit Kurt Tucholsky: »Ein voller Terminkalender ist noch lange kein erfülltes Leben.« In diesem Sinne möge Schäfer künftig mehr Freizeit genießen.

Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, verwies auf Schäfers »immer höchsten persönlichen Einsatz, unter dem ich teilweise auch zu leiden hatte«. Der Pohlheimer Bürgermeister sei ein »überzeugter Europäer«, sagte Schelzke und überreichte ihm eine Kiste mit Portwein aus Schäfers Geburtsjahr 1953.

Humoristisch war die Rede des Lollarer Verwaltungschefs Dr. Bernd Wieczorek gestaltet, der im Namen der Bürgermeister -Kreisversammlung sprach. »Du siehst aus wie Mark Spitz, und ich weiß nicht einmal, ob du schwimmen kannst«, zählte zu den zahlreichen Gags. Wieczorek attestierte seinem Amtskollegen, ein wohl bestelltes Feld mit riesigen Fußstapfen zu hinterlassen. »Ich gehe mit Herzschmerz und Wehmut«, sagte Schäfer.

+++ Mehr zum Thema lesen Sie am Freitag in der Printausgabe der Gießener Allgemeinen Zeitung und im E-Paper.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anita Schneider
  • Ausgeglichener Haushalt
  • Bernd Wieczorek
  • Bürger
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • CDU
  • Festreden
  • Herzschmerzen
  • Karl Christian
  • Karl Heinz
  • Karl-Heinz Schäfer
  • Kurt Tucholsky
  • Kämmerer
  • Lobbyisten
  • Mark Spitz
  • Mehl
  • Parteifreunde
  • Peter Beuth
  • Peter Schmitt
  • Udo Schöffmann
  • Volker Bouffier
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen