15. November 2011, 20:33 Uhr

Marihuana im Klo und Hasch unterm Fenster

Pohlheim/Gießen (sha). Er sei »in Panik gewesen«, als die Polizei am 5. Januar dieses Jahres vor der Tür gestanden habe, um seine Wohnung zu durchsuchen, schilderte der Angeklagte am Dienstag vor der Siebten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts.
15. November 2011, 20:33 Uhr
(Foto: dpa)

Deshalb habe er das Haschisch aus dem Fenster heraus in den Garten geworfen und versucht, das Marihuana in der Toilette herunterzuspülen, gestand der 32-jährige angeklagte Pohlheimer.

Laut Anklageschrift musste sich der junge Mann nicht nur wegen Drogenbesitzes verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm auch vorgeworfen, von August 2006 bis Juni 2008 insgesamt
15 Mal jeweils 300 bis 600 Gramm Haschisch an einen alten Schulfreund verkauft zu haben. Dies hatte der Angeklagte aber bestritten. Er räumte lediglich ein, seinem Kumpel im Sommer 2005 mehrere Male je 50 bis 85 Gramm der genannten Droge verkauft zu haben. Da dieser Straftatbestand aber bereits verjährt sei und die Zeugenaussage des ebenfalls wegen Drogenhandels verurteilten Freundes des Pohlheimers »Zweifel und offene Fragen« aufwerfe, plädierte Staatsanwältin Daniela Zahrt dafür, den Angeklagten vom Tatvorwurf des Drogenhandels freizusprechen.

Psychiater bestätigt Schuldfähigkeit

Zuvor hatte Psychiater Dr. Hans-Hermann Höll dem 32-Jährigen in seinem Gutachten volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Der Angeklagte weise zwar auffällige Persönlichkeitsmerkmale, etwa sehr kurzschlüssiges und kaum reflektiertes Handeln, auf, aber eine psychiatrische Erkrankung sei nicht erkennbar. Obwohl der Mann bereits seit seiner Jugend Haschisch konsumiert habe und dieser Drogenmissbrauch auch alltags- und handlungsbestimmend geworden sei, könne nicht von einer körperlichen oder psychischen Abhängigkeit des Angeklagten gesprochen werden. Für eine Verurteilung empfahl der Mediziner dem Gericht, dem jungen Mann »helfende und kontrollierende Unterstützung« durch einen Bewährungshelfer aufzuerlegen. Der mehrfach erheblich vorbestrafte Angeklagte könne nur im Rahmen »fester Strukturen« künftig ein straffreies Leben führen.

Staatsanwältin Zahrt forderte, den Pohlheimer »wirklich letztmalig« auf Bewährung zu verurteilen – zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Die Bewährungszeit sei auf vier Jahre festzusetzen, und der Angeklagte habe sich der Aufsicht und Leitung eines Bewährungshelfers unterzuordnen. Außerdem müsse der 32-Jährige durch fünf Drogenscreenings nach einer Suchttherapie Rauschmittelfreiheit vorweisen und 2000 Euro Geldstrafe an die Suchthilfe Gießen zahlen.

Vorsitzender Richter Dr. Dietwin Johannes Steinbach folgte mit seinem Urteil diesem Plädoyer.



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