30. November 2012, 19:23 Uhr

»Männerkochen« ist in Pohlheim ein Dauerbrenner

Pohlheim (std). Helmut Engel blickt auf die Uhr. »Was macht eigentlich unser Rosenkohl?«, fragt er und wischt sich die Hände an seiner Schürze ab. Koch-Kollege Volker Kauer hebt den Topfdeckel hoch.
30. November 2012, 19:23 Uhr
Viele Köche verderben hier den Brei nicht: Seit 25 Jahren sind die Pohlheimer Kurs-Teilnehmer engagiert bei der Sache. (Foto: std)

Eine beachtliche Dampfwolke schlägt ihnen entgegen. Kauer taucht den Löffel in das dunkelgrüne Kohlgemüse und kostet. »Ja, der ist durch«, urteilt der Rentner kauend und schaltet die Herdplatte aus. »Männerkochen« heißt der Kurs der Kreis-Volkshochschule, der unter der Leitung von Marianne Scholz an acht Donnerstagen in der Vorweihnachtszeit die Lehrküche der Adolf-Reichwein-Schule in eine Kocharena verwandelt – und das seit bereits 25 Jahren. Der Kurs ist ein Dauerbrenner mit Stammbelegschaft. 16 Männer über 60 – darunter Lehrer, Ingenieure, Steuerberater, Unternehmer und ein Lokführer – binden sich hier Herbst für Herbst die Kochschürze um und greifen zum Kochlöffel.

»Da der Kurs quasi sofort voll ist, wird er im offiziellen Programm inzwischen gar nicht mehr aufgelistet«, erläutert Marianne Scholz. Die 63-Jährige ist gelernte Hauswirtschaftsleiterin und hat mal eine Großküche gemanagt. Beim Männerkochen wuselt sie eher im Hintergrund. Sie bereitet vor, stellt den Menüplan zusammen und kauft ein – meist Zutaten für kräftig-deftige Herbstgerichte wie Wild, Kohl oder Kürbis in allen Variationen. »Kalorien zählt hier keiner«, sagt sie. »Hauptsache, es schmeckt.« Während des Kurses schaut sie den Köchen zwar über die Schulter. Mit klugen Ratschlägen halte sie sich aber zurück, schmunzelt Scholz. Sie weiß: Das käme nicht gut an. Und sei auch nicht nötig, versichert sie. »Denn die machen ihre Sache echt gut«, lobt die Kursleiterin.

Jeder hat Spezialitäten

Die Fenster der Schulküche sind beschlagen, die Luft wirkt grau. Kein Wunder, denn an den Kochinseln geht es heiß her: Es wird geschnippelt und gebrutzelt, gerührt und püriert. Der Geruch von Rotwein, Rosmarin und Rosenkohl weht durch die Küche. Auf der Speisekarte steht zunächst Kartoffelsuppe mit Oliven, als Zwischengang wird badischer Zwiebelkuchen serviert. Das Hauptgericht ist Wildschwein mit fruchtigem Rosenkohl und Semmelknödeln. Und als Dessert gibt es Vanillemousse mit Cognac-Schokoladensauce. Das Erfolgsrezept des Kurses ist so einfach wie einleuchtend: »Es macht einfach Spaß, es herrscht eine gute Stimmung«, sagt Wilfried Meißner. Der pensionierte stellvertretende Direktor der Adolf-Reichwein-Schule ist bereits seit 1987 mit dabei. So wie Meißner kommen die meisten Teilnehmer aus Watzenborn-Steinberg.

Einziger Nicht-Pohlheimer ist Jochen Vaupel, der gerade zusammen mit Meißner den Wildschweinbraten mit einem zischenden Schuss Rotwein ablöscht. Der 76-jährige Heuchelheimer nimmt’s mit Humor. Der pensionierte Ingenieur widmet sich beim Kochen meist dem Hauptgang. »Das sind die Rezepte, die ich zu Hause dann gerne nachkoche«, erklärt Vaupel. Jeder Teilnehmer habe so seine Spezialität. »Wir haben im Kurs zum Beispiel unsere Dessert- oder Suppenexperten, so dass sich die Zuständigkeiten eigentlich immer gut aufteilen und ergänzen«, so der Hobbykoch.

»Marianne ist unser Hirn«

Beim Suppenteam landet gerade ein Berg gewürfelter Kartoffeln im heißen Öl. Walter Krause rührt. »Viele Köche verderben den Brei, aber nicht die Suppe«, scherzt der Alarmanlagenbauer, der seine Mitköche gerne mit den neuesten Witzen unterhält. Bevor Karl-Heinz Ruhs den Rosmarin in den Topf streuen will, muss Marianne Scholz doch einmal kurz einschreiten. »Hackt den besser ein bisschen feiner, sonst schwimmt er als Nadeln in der Suppe«, rät die Expertin. Dann schlendert sie weiter zur nächsten Kochinsel. Die Teilnehmer schätzen das Wissen und offene Feedback ihrer Kursleiterin. »Die Marianne ist unser Hirn, wir sind nur die ausführenden Hände«, grinst Volker Tunkel mit kalkuliertem Understatement.

»Köstlich«, »ein Gedicht«

Um kurz nach acht sitzen die Küchenmeister gemeinsam am Tisch und probieren die eigenen Werke. »Köstlich«, »wunderbar«, »ein Gedicht«, schwärmen sie. Nebenbei wird gefachsimpelt über die richtige Konsistenz von Saucen, die Garzeit eines Sauerbratens oder den Kakaogehalt von Schokolade.

Auch das große Abschlussmenü am 13. Dezember wird schon geplant. Dann dürfen sich die Partnerinnen wieder von den kulinarischen Fähigkeiten ihrer Männer überzeugen. Details bleiben noch streng geheim, schließlich soll eine Überraschung auf den Tellern der Damen landen. Die Köche haben ihr Ziel hoch gesteckt: »Das Beste aus 25 Jahren« soll es werden, verrät Marianne Scholz augenzwinkernd. Dass es auch eine 26. Auflage des Dauerbrenners »Männerkochen« geben wird, da ist sich das Team einig. Nächstes Jahr wollen alle wieder mitkochen. Denn nicht nur Helmut Engel findet: »Unser Koch-Donnerstag ist der schönste Abend der Woche.«

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