07. Juli 2008, 20:08 Uhr

Historische Stätte noch rechtzeitig vor Vergessen bewahrt

Pohlheim (ang). Viele »kleine Abenteuer« hatte es in den vergangenen 25 Jahren auf der Grüninger Burg gegeben.
07. Juli 2008, 20:08 Uhr
Ehrungen zum Jubiläum beim Grüninger Heimatverein: Manfred Blechschmidt, Ottmar Schmalz, Friedhelm Jung, Gerhard Luh, Werner Bender, Erhardt Buss, Heinz Schmalz, Vorsitzender Karl Breuer und Hans Chmill. (Foto: ang)

Pohlheim (ang). Viele »kleine Abenteuer« hatte es in den vergangenen 25 Jahren auf der Grüninger Burg gegeben. Seit dem Sommer 1983 graben und forschen Burgfrauen und Burgmannen in der Grüninger Festung. In einer Feierstunde in der Gaststätte »Zum Löwen« im Rahmen des Jubiläums ließ man Erinnerungen aus einer Zeit wach werden, in der die Burg unter anderem als Schutthalde bekannt war. Besonders stolz und froh zeigte sich Karl Breuer, der Vorsitzende des Heimatvereins, über die aktiven jugendlichen Burgmänner.

Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer bemerkte ein erstaunliches Interesse in Grüningen, sich mit der Geschichte mitten im Ort zu beschäftigen. Er stellte die Frage, was die Burg denn heute wäre, wenn nicht am 3. Juni 1983 mit den Arbeiten begonnen worden wäre. Eine Nutzung als Verbrennungsort für Kartonage, Müllhalde und Steinbruch sei der Renovierung vorausgegangen. Dank der ehrenamtlichen Arbeit sei aus der Ruine ein Schmuckstück geworden. Heute sei die Burg ein Ort der Erinnerung, der Heimat, des Stolzes auf die Vergangenheit und ein Ort für Veranstaltungen.

Ortsvorsteher Bodo Marsteller fiel es nicht schwer, lobende Worte für die Arbeit des Heimatvereins zu finden, der in diesem Jahr bereits seinen 30. Geburtstag feiern kann.

Marsteller schätze, dass in der Renovierung der Burg wohl einige tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit steckten. Der Ortsvorsteher wies auch auf die anderen Aufgaben des Vereins hin. So habe man sich der Erhaltung von Windmühle, Diebsturm, Bergheimer Brunnen und Birnkheimer Brunnen verschrieben.

Kreisbodendenkmalpfleger Manfred Blechschmidt erinnerte mit Fotos an die ersten Jahre der Ausgrabungen. Er selbst musste sich gegenüber dem Landesarchäologen verpflichten, die Grabungen fachkundig zu betreuen. Die ersten Wochen standen im Zeichen von Aufräum- und Ausgrabungsarbeiten.

Weit höher als die erwarteten 30 bis 40 Zentimeter stand der Schutt in der Burg, als am 3. Juni 1983 die Männer zum ersten Arbeitseinsatz das marode Burgtor öffneten. Schulterhohes Gras, Bäume und Brennnesseln mussten beseitigt werden.

Man wusste von zwei Kellern, von denen einer nur von außen zugänglich war. Eine Familie sollte einige Zeit dort gelebt haben. Im Laufe der Grabungen zeigte sich, dass die Burg früher einmal viel höher war als heute. Ein Fachwerkgeschoss hat es wahrscheinlich gegeben. Recht sicher ist, dass es sich um eine Wasserburg mit Zugbrücke gehandelt hat. Ein Balken jener Brücke wurde in der Zeit zwischen 1378 und 1400 geschlagen. 1634, im Dreißigjährigen Krieg, war es mit der Burg spätestens vorbei. Grüningen wurde von Reiterscharen angegriffen und angezündet. Die Burg hatte wohl zu diesem Zeitpunkt keine Bedeutung mehr und war teilweise zerfallen. Spannende Funde habe man dennoch in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts gemacht. Darunter befanden sich interessanterweise sich noch spielbare Wächterhörner und ein Heller. Selbst das Stroh aus dem Verlies, in welchem die Gefangenen ein trostloses Leben führten, war noch erhalten.

Blechschmidt resümierte, die Grüninger Burgmannen hätten sich im Laufe der Jahre zu archäologischen Fachleuten entwickelt. Schriftführerin Elvira Muth trug Erinnerungen aus dem Tagebuch des verstorbenen damaligen Vorsitzenden Fritz Tippmann vor. Im Juni 1984 bemerkt Tippmann: »Mit dem Seilzug von Hans Chmill ziehen wir Baumstümpfe und ersparen uns so das Ausgraben. Wir haben den Burghof bis vorn zum Eingang freigelegt! Wir entfernen noch immer Asche aus dem vorderen Gewölbe und räumen noch immer Erde aus der Burg.« Von geselligen Stunden ist die Rede und immer wieder lobt Tippmann die Versorgung durch die Metzgerei Dern. Auch die modernen Rittersleut haben gewusst, wie es sich gut lebt. Seit 25 Jahren versorgen Gudrun und Kurt Dern die Helfer unentgeltlich mit Leckereien aus ihrer Metzgerei. Das war dem Heimatverein nicht nur einen Applaus wert. Vorsitzender Karl Breuer ehrte das Metzgerehepaar.

Weiterhin wurden Manfred Blechschmidt, Ottmar Schmalz, Friedhelm Jung, Gerhard Luh, Werner Bender, Erhardt Buss, Heinz Schmalz und Hans Chmill für ihre 25-jährige Tätigkeit in der Burg ausgezeichnet. Erwin Krämer und Ernst Sames werden ihre Ehrung später erhalten. Noch lange tafelten Burgmannen und Burgfrauen im »Löwen« und erzählten aus alten und modernen Zeiten.

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