23. August 2013, 17:28 Uhr

Hannelore Kraft trat mit Schäfer-Gümbel in Pohlheim auf

Pohlheim (agl). Die »vielleicht beliebteste SPD-Politikerin in Deutschland« hat am Donnerstagabend in Watzenborn-Steinberg ihren Vielleicht-bald-Amtskollegen Thorsten Schäfer-Gümbel im Wahlkampf unterstützt.
23. August 2013, 17:28 Uhr
Der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel im Gespräch mit der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft; daneben Landtagsabgeordneter Gerhard Merz und Bundestagsabgeordneter Rüdiger Veit (rechts). (Foto: agl)

Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, war in der Volkshalle zu Gast. Die Vermutung in Sachen Beliebtheit stammt vom heimischen Bundestagsabgeordneten Rüdiger Veit. Er begrüßte Kraft, »TSG« und die rund 150 Besucher. Zuvor hatte sich die Politikerin aus NRW bereits ins Goldene Buch der Stadt eingetragen und von Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer, ebenfalls Sozialdemokrat, ein Gesangbuch geschenkt bekommen. Nach Schäfers Hinweis, dass Pohlheim auch »singende Stadt« genannt wird, sagte Kraft: »Dann fühle ich mich zu Hause.« Weniger herzlich teilten sowohl die Ministerpräsidentin als auch Schäfer-Gümbel kurz darauf in verschiedene Richtungen aus. Sie fanden eine klare Sprache dazu, was die SPD seit 150 Jahren ausmache und warum die Wähler am 22. September ihre Kreuzchen bei ihr machen sollten. Nebenbei hatte Schäfer-Gümbels Fernseh- und Internet-Spot Premiere.

»Dem Casino den Stecker ziehen«

Zum Auftakt rief Veit die Zuhörer dazu auf, nachher für die Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu unterschreiben. Und auch in den folgenden Reden kam dem Thema Steuer eine Schlüsselrolle zu: Die obersten fünf Prozent der Reichen sollen mehr zahlen, die Hinterzieher und Betrüger zur Rechenschaft gezogen werden.

»Ich bin der beste Beweis dafür, dass Umfragen nicht stimmen«, sagte Kraft mit Blick auf den aktuellen Wert der SPD für die Bundestagswahl. Dann packte sie das Inhaltliche an, ging auf »Hohlphrasen« wie Lohnuntergrenze und Lebensleistungsrente ein. Richtig und wichtig sei stattdessen ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn und kein »Wischiwaschi«. Die SPD wolle eine Solidarrente gegen Altersarmut. Ihre Partei, so Kraft, habe für eine Öffnung der Leih- und Zeitarbeit gesorgt, doch leider sei dieses Instrument von Unternehmen missbraucht worden. Dies müsse man umkehren. Stichwort Bildung: Die dürfe nicht mehr vom Geldbeutel abhängen, »wie das hier in Hessen am krassesten der Fall ist«. Kraft sprach außerdem Finanztransaktionssteuer, und »Zwei-Klassen-Medizin« an und forderte »demographiekonforme Märkte« – und nicht umgekehrt.

»Wenn wir gestern gewählt hätten, würden die Sozialdemokraten eine Regierung anführen. Die schlechte Nachricht: Wir haben nicht gewählt«, stieg im Anschluss »TSG« ein. Er würdigte den Mut des SPD-Politikers Otto Wels, der sich den Nationalsozialisten entgegengestellt hatte, spannte den Bogen zu Semiya Simsek, Tochter des ersten NSU-Opfers, und zu den rechtsextremen Umtrieben im Lumdatal sowie zur »unerträglichen« Anfeindung gegenüber Flüchtlingen aus Syrien in einer Berliner Unterkunft. Bezüglich seines Mottos »Respekt vor harter Arbeit« erwähnte »TSG« einen jungen Pohlheimer, der jeden Morgen um eins mit dem Rad nach Gießen fahre, damit er um 3 Uhr in der Backstube mit der Arbeit beginnen könne. Der SPD-Spitzenkandidat sprach von den Reinigungskräften, die zu wenig verdienten und denen oft zu wenig Respekt entgegengebracht werde. Er kündigte im Falle des Wahlsieges ein Tariftreuegesetz an, sodass öffentliche Aufträge nur an Unternehmen vergeben werden, die ihre Mitarbeiter ordentlich behandeln.

Weitere Themen: G8, der »flächendeckende Schulversuch an einer ganzen Schülergeneration«, müsse beendet werden; Einsatz für »echte Ganztagsschulen«; ein entschiedenes Entgegentreten bei Steuerhinterziehung und -umgehung; und im Hinblick auf Finanzjongleure: »Wir müssen dem Casino den Stecker ziehen!«



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