27. Oktober 2015, 17:00 Uhr

Lollar: Kaufland eröffnet an altem Massa-Standort

Bei der Eröffnung von Massa 1977 in Lollar standen Autos bis nach Gießen Schlange. Auch das erste Jahrzehnt von Real war noch ein gutes für die Supermarktbetreiber. Nun will die Supermarktkette Kaufland im Gewerbegebiet an gute Zeiten anknüpfen. Ein Rück- und Ausblick.
27. Oktober 2015, 17:00 Uhr
Aktuell laufen die letzten Arbeiten für Kaufland. (Foto: red)

Staub wird aufgewirbelt, die Bohrer surren und Hebebühnen steigen auf bis an die hohen Decken des Zweckbaus im Lollarer Gewerbegebiet. Die Uhr tickt, denn am Donnerstag eröffnet hier nach mehrmonatigen Umbauarbeiten eine Filiale von Kaufland. Bekannt ist, dass der Markt einen großen Teil des ehemaligen Reals anmieten wird. Aber nicht den kompletten. Auf der restlichen Fläche sollen weitere kleine (Einzel-)Händler und Gastronomie entstehen. Von einem Branchenmix ist die Rede.

Auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung konkretisiert Stefan Ewerling, Leiter der Abteilung Integration/Expansion bei Globus: »Mit Kaufland eröffnen am 29. Oktober ein Optiker, ein Friseur, eine Bäckerei mit Bistro sowie ein italienisches Restaurant und ein Vodafone-Shop.« Ehemalige Mieter, die weiterhin vor Ort sind, sind die Metzgerei mit Imbiss, der Zeitschriftenshop mit Toto/Lotto, der Schlüsseldienst, die Reinigung sowie das Schmuckgeschäft. In den nächsten Wochen kommen die Modeladenkette Ernstings Family, ein Kosmetikstudio und ein Anbieter von mediterraner Feinkost dazu.
 
Baumarkt-Mieter gesucht
 
»Die Fachhändler und Dienstleister in der Mall ergänzen Service und Sortiment des SB-Warenhauses«, sagt Ewerling. »Wir achten darauf, dass es möglichst keine Sortimentsüberschneidung gibt.« Noch gibt es aber zwei freie Flächen: einmal 30 und einmal 90 Quadratmeter. Im Außenbereich, sagt der Bereichsleiter, stünden noch zweimal 400 Quadratmeter zur Verfügung. Außerdem sucht Globus einen »Magnetmieter« für den ehemaligen Praktiker Baumarkt.

Daten und Fakten
• Die Filiale von Kaufland am Lollarer Rothweg eröffnet am Donnerstag,
29. Oktober, um 7 Uhr. Geöffnet ist montags bis samstags von 7 bis 22 Uhr.
• Anlässlich der Eröffnung werden von 16 bis 17 Uhr die Ex-Fußballspieler Karl-Heinz »Charly« Körbel und Oka Nikolov zur Autogrammstunde vor Ort sein.
• Laut Unternehmen wurden über 100
Arbeitsplätze geschaffen. Die Mitarbeiter kämen aus Lollar und der näheren Umgebung.
•  Vor Ort gibt es 930 Stellplätze.

Kauflands Verkaufsfläche ist mit 4000 Quadratmetern und 35 000 Artikeln kleiner als die der Vorgänger. Als Massa 1977 mit großem Trara eröffnete, wurde er als einer »der modernsten deutschen Verbrauchermärkte« beworben. 100 000 Artikel auf 10 000 Quadratmetern Fläche – davon 4000 alleine für den Bau- und Hobbybereich. Hinzu kamen 1300 Parkplätze und 230 Beschäftigte. »Massa rief, und alle kamen« titelte diese Zeitung am Eröffnungstag. Fotos zeigen einen Stau auf der B 3, einen Wust an Einkaufswagen, die vor und im Markt Schlange stehen. Goldene Zeiten waren das.

Im Eröffnungsjahr von Massa hatten vor allem Gießener Kaufleute und Politiker Bedenken gegen das Warenhaus in Lollar geäußert. Der Gießener Professor Volker Seifert aber urteilte damals, es böte sich mit Massa die Chance, eine Lücke im Angebot zu schließen. Denn im Gießener Norden gebe es ein solches Geschäft nicht. Man müsse außerdem den Wandel des Konsumverhaltens berücksichtigen: Verkehrsgünstig gelegene Einkaufsstätten auf der grünen Wiese mit ausreichendem Parkplatz- und Warenangebot wirkten auf die Verbraucher anziehend.

Für die Stadt Lollar war der Prototyp des Verbrauchermarkts auf der grünen Wiese ein unbedingter Gewinn. Um nicht nur Buderusstadt zu sein, hatte die Verwaltung den Fokus auf Handel und Gewerbe gelegt. Marktstudien hatten zum Beispiel 1985 gezeigt, dass die Einkaufspendler, die nach Lollar fahren, nicht nur aus Marburg und Gießen sowie den beiden Landkreisen Gießen und Marburg-Biedenkopf kommen. Auch aus dem nördlichen und östlichen Vogelsbergkreis steuerten Autofahrer Lollar an. Damit hatte die Stadt mit knapp 100 000 Einkaufspendlern fast so viele wie Marburg (105 000) und weit mehr als Wetzlar (53 000) und Friedberg (48 000). Bürgermeister Gerd Bocks sagte vor fast 30 Jahren, es sei ein »Phänomen, dass wir uns in unmittelbarer Nähe zu Gießen als Einkaufsstadt zumindest für das Lumdatal und den Marburger Bereich behaupten können«.
 
Millionenschwere Investition
 
Auch als Massa im September 1995 zu Real wurde, die Verkaufsfläche nur noch 7800 Quadratmeter betrug, 200 Mitarbeiter angestellt und 930 Parkplätze vorhanden waren, schienen die dunklen Wolken fern zu sein. Real warb in ganzseitigen Anzeigen in dieser Zeitung mit dem Spruch: »Ruckzuck rein und raus. Dank 21 Kassen.« Und auch als sich Globus im Jahr 2008 Real-Filialen – unter anderem auch die in Lollar – für 2014 sicherte, sah es noch nicht nach einem bitteren Ende für die 117 Mitarbeiter aus.

Im März jenen Jahres teilte das Unternehmen aber mit, dass Real schließt und die Angestellten nicht übernommen werden. Stattdessen kündigte die Supermarktkette an, die in Jahre gekommenen Verkaufsräume zu renovieren. Investitionsvolumen: 12 bis 14 Millionen Euro. Außerdem hieß es, es werde am Standort keine eigene Filiale eröffnen. Das Konzept des Unternehmens mit Produktionsstätten, einer Meisterbäckerei und Großgastronomie sei am Standort Lollar wirtschaftlich nicht umzusetzen, hieß es. Wenig später kündigte Globus an, mit Kaufland einen Ankermieter gefunden zu haben.   Kays Al-Khanak

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