28. Oktober 2010, 20:48 Uhr

Lollar: Antje Wagner las in der CBES

Lollar (sha). Die Stille, die am Donnerstag vormittag über der Stadt- und Schulmediothek der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) Lollar/Staufenberg lag, sprach Bände:
28. Oktober 2010, 20:48 Uhr
Umringt von Autogrammjägern: Schriftstellerin Antje Wagner verteilte Autogrammkarten an Schüler, nachdem sie Passagen aus ihrem Roman »Unland« vorgelesen hatte. (Foto: sha)

Lollar (sha). Die Stille, die am Donnerstag vormittag über der Stadt- und Schulmediothek der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) Lollar/Staufenberg lag, sprach Bände: Rund 110 Schüler der Jahrgangsstufe acht saßen ruhig auf ihren Stühlen, während Autorin Antje Wagner aus ihrem Roman »Unland« vorlas. In dem Buch beschreibt Wagner die fiktionale Geschichte der vierzehnjährigen Franka Reinhold, die von Berlin nach Waldburgen in Sachsen-Anhalt zieht, um dort im Haus »Eulenruh«, einem Wohnprojekt für Kinder und Jugendliche, zu leben. Zusammen mit Gleichaltrigen versucht die Romanheldin, das Geheimnis des verlassenen Ruinen-Dorfes »Unland« am Ortsrand von Waldburgen zu lüften.

Auf großes Interesse der Schüler stieß die Gelegenheit, der Autorin im Anschluss an die vorgestellten Textauszüge noch Fragen stellen zu können. Wagner, die selbst aus Sachsen-Anhalt stammt, nahm sich viel Zeit, um die Neugier der Jugendlichen zufrieden zu stellen. Sie erläuterte, dass es zwei Jahre gedauert habe, bis sie ihren Roman »Unland« fertig gestellt habe - die Leser allerdings oft nur zwei Tage benötigten, um das Buch zu lesen. Dabei sei »die Idee nicht das Wichtigste beim Verfassen eines Buches, auf das Schreiben kommt es an«, sagte die Autorin. Manche Bücher überarbeite sie 30 bis 40 Mal, um Phrasen aus dem Text herauszustreichen, die doppelte Verwendung gleicher Wörter zu vermeiden und um die Spannung für die Leser zu erhöhen. Nach Abschluss dieser Überarbeitung habe sie beim Vergleich des ersten mit dem letzten Entwurf häufig das Gefühl, zwei unterschiedliche Werke in den Händen zu halten, gestand Wagner. Den Schülern riet sie deshalb, beim Verfassen von Aufsätzen ebenfalls die Texte wenigstens einmal zu überarbeiten. Auf eine Idee zu kommen, sei hingegen leicht: »Ich komme nicht zu der Idee, die Idee kommt zu mir«.

Sie »fange« unentwegt Informationen aus ihrer Umwelt ein, aus denen sich die Ideen »von allein« entwickelten. Außerdem verriet die gebürtige Wittenbergerin, dass Autoren in ihren Büchern oft zwei Spannungsebenen aufbauten. Eine liege in der Handlung und die andere in den Figuren selbst. Daher sei es wichtig, Protagonisten zu entwerfen, die eine - zwar fiktive - aber dennoch interessante Biografie besäßen. Es gelte die Spannung der Leser in die Höhe zu treiben, damit sie weiter umblätterten.

Barbara Deiker, Leiterin des Gymnasialzweigs an der CBES, sagte gegenüber dieser Zeitung, dass die Schüler durch Autorenlesungen zum Lesen und zum Schreiben gebracht werden sollten. Um diesen Impuls weiter zu verstärken, veranstalte sie mit ihrem Deutschkurs gerade einen Wettbewerb zum Verfassen von Kurzgeschichten. Thomas Zwerina, verantwortlich für Literatur- und Bibliothekspädagogik an der CBES, erläuterte, dass die in Kooperation mit »Leseland Hessen« veranstaltete Autorenlesung bei den Schülern ein »besonderes Lernerlebnis« hervorrufe, das ihnen »die Scheu vor Büchern nehmen« solle. In Anspielung auf das geheimnisvolle, dunkle »Unland« übergab Zwerina der Schriftstellerin ein Geschenk, »in das wir etwas ganz Dunkles eingepackt haben«, um der Autorin das Schreiben an neuen spannenden Werken mit leckerer Schokolade zu versüßen.



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