27. Juni 2012, 17:58 Uhr

Krofdorfer Forst prädestiniert für Errichtung von Windrädern

Lollar/Wettenberg (vh). »Jeden berührt es irgendwie, überall wird darüber gesprochen«, sagte Horst Klinkel, der Parlamentschef in Lollar, in seiner Eigenschaft als Gastgeber der Bürgerversammlung zur Vorstellung der Potenziale für erneuerbar Energien in Lollar durch den Regierungspräsidenten Dr. Lars Witteck.
27. Juni 2012, 17:58 Uhr
Bürgerversammlung zum Thema »Erneuerbare Energien« in Lollar: (von links) Dr. Bernd Wieczorek, Dr. Lars Witteck und Horst Klinkel. (Foto: vh)

Rund 80 Zuhörer kamen am Dienstagabend in den Sitzungssaal des Bürgerhauses. Dieser Zuspruch freute Witteck, sollen doch die Bürger in die Energiewende einbezogen werden. Und ohne das Regierungspräsidium Gießen findet die Energiewende im Kreis nicht statt. Denn fast die Hälfte seiner Mitarbeiter kommen früher oder später mit sämtlichen Projekten in Berührung, die auf die regenerative Energiegewinnung abzielen.

Dr. Witteck informierte zunächst über das weite Feld der erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne, Biomasse, Wasser und Erdwärme, um dann auf die Stadt Lollar zu sprechen zu kommen, denn erst vor Kurzem haben die Kommunen Lollar und Wettenberg ihr gemeinsames Interesse am Betrieb von Windenergieanlagen bekundet. Das in Frage kommende Gebiet liegt in der Flur »Toter Mann« im Grenzbereich des kommunalen Waldes von Wettenberg-Wißmar und Lollar-Odenhausen, etwa zwei Kilometer nördlich der Siedlung Wißmar-Erlental.

Landschaftsbild wird sich verändern

Witteck verhehlte in diesem Zusammenhang nicht, wie stark sich das Landschaftsbild verändern könnte, wenn die Vorgabe des hessischen Energiegipfels umgesetzt würde, die für Windkraft zwei Prozent der Landesfläche vorsehe. Tatsächlich seien beispielsweise im Vogelsbergkreis, der inzwischen als »verspargelt« gelte, erst 1,1 Prozent der Vorgabe erfüllt. Aus diesem Grund werde die Standortsuche auf Landesflächen forciert, erklärte der RP.

Dort wo Wald im Landesbesitz sei, wie etwa größtenteils im Krofdorfer Forst, habe der Landesbetrieb Hessen Forst den Auftrag erhalten, sich mit einschlägigen Kommunen bezüglich der Planung von Windparks kurzzuschließen.

Gemäß den neuen Richtlinien sind im künftigen Regionalplan nur noch solche Flächen für Windenergie ausgewiesen, auf denen Windräder errichtet werden können, die für eine Windgeschwindigkeit von mindestens 5,75 m/sec in 140 Meter Höhe ausgelegt sind. Ein Höhenzug im Krofdorfer Forst, der vom nördlichen Erlental in einem Bogen bis zum Forsthaus Waldhaus und weiter zum Frauenkreuz verläuft, wäre mit einer Windgeschwindigkeit von 6,25 m/sec demnach für die Errichtung von Windrädern ideal.

Für den Platzbedarf einer Windanlage, die in einem 15 Meter tiefen Fundament auf einer Grundfläche von 25 mal 25 Metern ruht, gab Witteck eine Fläche von 4000 Quadratmeter an, die teilweise wieder aufgeforstet werden könnte. Die früher geforderte Ersatzaufforstung im Verhältnis eins zu eins könne heutzutage wenigstens teilweise auch auf andere Kompensationsleistungen umgelegt werden.

Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek meinte, man solle die avisierte Waldfläche vorsichtshalber auf jeden Fall als Vorranggebiet im Flächennutzungsplan der Stadt ausweisen. Dessen ungeachtet werde in den Lumdatalgemeinden darüber nachgedacht, sich am geplanten Windpark bei Rabenau-Geilshausen zu beteiligten. Dr. Witteck betonte, dass die Politik im Gegensatz zu früher mittlerweile gezielt die Bürger in die Energiewende einbinden wolle. Als ein gelungenes Beispiel für diesen Paradigmenwechsel nannte er die Bürgerbeteiligung an einem Windkraftprojekt in Hünfelden im Kreis Limburg-Weilburg.

Wichtig sei für das Gelingen der Energiewende, dass ihre Umsetzung regionale Wertschöpfungsketten schaffe. Diesbezüglich verwies er auf die jüngst gegründete Energiegesellschaft Lumdatal. Schließlich sei neben der Einbeziehung der Bürger auch die interkommunale Kooperation unverzichtbar.

Um ihr eigenes Potenzial für die Gewinnung erneuerbarer Energien zu erkennen, stellt das Regierungspräsidium einen Potenzialrechner zur Verfügung, mit dem die Kommunen ihr Potenzial für Biomasse, Wind, Sonne und Wasser analysieren können. Dass Lollar als Industriestandort einen vergleichsweise hohen Stromverbrauch aufweist, liegt auf der Hand.

Waldbegehung am 14. Juli

Da der VGH Kassel den Regionalplan für Mittelhessen aufgrund dessen Ausweisung von Vorrangflächen für Windenergie einstweilen »gekippt« habe, empfahl der Regierungspräsident den Kommunen, mit Anträgen auf Baugenehmigung von Windparks bis Mai nächsten Jahres zu warten.

Am 14. Juli findet eine Waldbegehung der geplanten Vorrangfläche für einen Windpark im Grenzgebiet Odenhausen-Wißmar statt, zu der alle Interessierten eingeladen sind. Treffpunkt ist um 9.30 Uhr an der Odenhäuser Grillhütte am Altenberg



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