22. Juni 2011, 19:45 Uhr

Kath. Gemeinde Odenhausen/Salzböden feiert Jubiläum

22. Juni 2011, 19:45 Uhr
Die Kirche St. Johannes. (Foto: pm)

Lollar (pm). Die kath. Kirchengemeinde Odenhausen/Salzblöden kann auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken. Die feierliche Kirchweihe erfolgte am 22. November 1961. Mit einem Festgottesdienst soll dieser Tag am 20.November gewürdigt werden. Aber bereits am 26. Juni (14 Uhr) will die Gemeinde beim Patronatsfest und Pfarrfest dieses Jubiläum würdigen. Des weiteren wurde eine Festschrift zum Jubiläum erstellt.

Die noch recht junge Gemeinde ist nach dem Krieg entstanden. Bis dahin lebten nur wenige Katholiken in den evangelisch geprägten Orten. Infolge von Flucht und Vertreibung kamen aus den deutschen Ostgebieten und Siedlungsgebieten Katholiken hierher; zu über 80 Prozent aus Zsámbék/Schambek bei Budapest in Ungarn. Aber die 450 Katholiken waren, so wurde damals gesagt, »eine Herde in der Diaspora ohne Hirten und Gotteshaus.« Man versuchte zwar die Betreuung zu organisieren, aber das zuständige Pfarramt in Rodheim (Bistum Limburg) konnte dies damals nicht leisten. So erfolgte der Kirchgang nach Fronhausen (Bistum Fulda) und nach Lollar (Bistum Mainz). Allmählich konnte die seelsorgerische Betreuung durch die zuständige Diözese Limburg organisiert werden und die regelmäßigen Gottesdienste fanden in den evangelischen Kirchen statt. Doch der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus war groß.

Hier hatte der damalige betreuende Pfarrer Hugo Diciol aus Rodheim bereits 1958/59 bei der Gemeinde Odenhausen und Salzböden um Unterstützung für den Bau einer Kirche geworben. Ein Bauplatz in der entstehenden Siedlung Röderheide in Odenhausen, wo die meisten Zsámbéker sich niederließen, konnte von der Gemeinde nicht eingeplant werden, da vorrangig Wohnraum geschaffen werden musste. So dauerte es noch bis zum Juni 1960, bevor ein Bauplatz aus Privatbesitz für eine eigene Kirche erworben werden konnte. Inzwischen waren die beiden Orte der Kirchengemeinde in Wißmar zugeordnet worden und der damalige Pfarrer Josef Rösch, der selbst das schwere Los der Vertreibung aus dem Sudetenland teilte, setzte sich für den Kirchenbau ein. Die Planung erfolgte durch die Architekten Breser und Harbach aus Limburg.

Die Ausführung nahmen örtliche Firmen vor. Die Finanzierung erfolgte durch die Diözese Limburg, durch Spenden und tatkräftige Mithilfe der Kirchenmitglieder, was auch in den Folgejahren bis heute so geblieben ist. Das Richtfest erfolgte am 25. Mai 1961 und am 22. November 1961 konnte die Kirche feierlich geweiht werden. Sie wurde wie die Kirche in Zsámbék - dem Heiligen Johannes dem Täufer geweiht. Das Gotteshaus wurde in der schlichten Form einer Hallenkirche gebaut.

In Eigenleistung wurde
Gemeinschaftsraum ausgebaut

Insgesamt hat das Gebäude 200 Sitzplätze, 150 im unteren Kirchenbereich und 50 auf der Empore. Unter dem Kirchenschiff ist ein Gemeinschaftsraum für Gruppenarbeit, Unterricht und Veranstaltungen. Hier findet ein reges Gemeindeleben statt. 1980 wurde, auch wieder in Eigenleistung durch die Gläubigen, ein weiterer Gemeinschaftsraum ausgebaut. Hier wurde auch eine Zsámbéker Heimatstube eingerichtet, in der Trachten und Gebrauchsgegenstände ausgestellt sind und an die alte Heimat erinnern sollen. Ebenso konnte im Laufe der Jahre die sakrale Ausstattung der Kirche bis hin zur Anschaffung einer Orgel verbessert werden.

Aber auch bei der baulichen Unterhaltung und Gestaltung der Außenanlagen legten die Gemeindemitglieder immer wieder tatkräftig die Hand an. Im Jubiläumsjahr erhielt die Kirche einen neuen Innenanstrich. Zum 1. Oktober 1963 wurden durch das Bistum Limburg aus der Pfarrgemeinde Wißmar zwei selbstständige Gemeinden gebildet. Damit wurde die Kirchengemeinde Odenhausen/Salzböden eigenständig mit eigenem Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat. Die Verbundenheit und das Engagement der Gläubigen für ihre Kirche wurde damit vom Bistum Limburg gewürdigt und die ehrenamtliche Arbeit vor Ort gestärkt.

Seit 1. November 2008
ist Dr. SoltesPfarrer .

Die Pfarrvikarie zu Wißmar wurde beibehalten. Auch für die seelsorgerische Betreuung blieb Pfarrer Josef Rösch aus Wißmar bis zu seiner Pensionierung 1974 weiterhin zuständig. Ihm folgten die Pfarrer Hugo Diciol und Ivo Blajic, der 29 Jahre hier Pfarrer war. Seit 1. November 2008 ist Dr. Peter Soltes Pfarrer. In ihrer seelsorgerischen Arbeit wurden und werden sie durch pastorale Mitarbeiter, die ebenso wie die Pfarrer in den Gemeinden St. Anna Rodheim, St. Raphael Wißmar und in St. Johannes d. T. wirken, sowie durch die ehrenamtlichen Gremien und Mitarbeiter unterstützt. Hier sind besonders die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Monika Zecher und der Vorsitzende des Verwaltungsrates Ignatz Szauter zu nennen. Dabei wird das umfangreiche Gemeindeleben aber vor allem durch die Ehrenamtlichen gestaltet. Dieses steht unter dem Motto: »Wer mitmacht, erlebt Gemeinde« Sowohl für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt es Angebote.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Seniorenarbeit. Bei allen Angeboten sind auch die evangelischen Mitchristen willkommen. Überhaupt ist das Verhältnis zwischen den Konfessionen entspannt und freundschaftlich. An der Basis wird die Ökumene gelebt. Berührungsängste bestehen nicht. Dennoch blickt man mit Sorge auf die künftige Entwicklung. In den verflossenen fünf Jahrzehnten hat sich die Gemeindestruktur stark gewandelt. Die Wurzeln sind unterschiedlicher. Viele sind verstorben. Die Erinnerung an die ersten Jahre verblasst. Gewandelt haben sich auch die Einstellung und das Leben des Glaubens.

Was früher selbstverständlich war, gilt heute nicht mehr. Die tiefe Frömmigkeit, das Praktizieren des christlichen Glaubens in der Familie, die Selbstverständlichkeit des sonntäglichen Kirchgangs usw. sind Vergangenheit. Der gesellschaftliche Stellenwert des Glaubens ist geringer geworden. Obwohl die Kirchengemeinde gegenüber früher rund 100 Katholiken mehr zählt, so ist dennoch der Kirchenbesuch in den Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen. Es überwiegen bei den Gottesdiensten die Senioren. Lediglich an Feiertagen, speziell zu Weihnachten, Erskommunionfeiern oder bei Taufen und Hochzeiten, füllt sich das Gotteshaus. Ferner zwingen der Priestermangel und die negative finanzielle Entwicklung das Bistum zu Organisationsänderungen. Schon heute erhält die Gemeinde keine Zuwendungen mehr für die bauliche Unterhaltung der Kirche. Auch ist die Frage offen, ob die Eigenständigkeit der Gemeinde in Zukunft bestehen bleibt. Es ist ebenso ungewiss, ob jedes Wochenende ein Gottesdienst gefeiert werden kann. Momentan kann dies nur dank der Mithilfe durch pensionierten Pfarrer gewährleistet werden.

Gehen die Lichter in der Kirche St. Johannes d. T. noch in diesem Jahrzehnt aus, dann ist die Gemeinde wieder in der Diaspora wie vor dem Bau der Kirche (1946-1961) angelangt. Es ist zu befürchten, dass das Gemeindeleben, der innere Zusammenhalt der praktizierenden Gläubigen Schaden nehmen wird. Aber lassen wir zum Schluss den langjährigen Pfarrer von St. Johannes d. T. Ivo Blajic zu Wort kommen, der in seinem Grußwort in der Festschrift schreibt: »An dieser Stelle möchte ich einen Wunsch äußern. In einem Kirchenlied heißt es: Die Zukunft ist niemand bekannt, doch der gute Hirte führt uns an der Hand Lasset uns von ihm an den Hand geführt werden. Dann wird auch die Kirche als der Pferch des guten Hirten ihre Aufgabe haben.« .«

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