09. Dezember 2012, 20:38 Uhr

In Lollar beginnt Weihnachten stets mit den Gauntts

Lollar (vh). Wenn »Ein Amerikaner in Paris« verweilt, haben wir es mit einer Komposition oder einem Musicalfilm zu tun; sind aber zwei Amerikaner in Lollar, stecken meist Cae und Eddie Gauntt dahinter. Die beiden Texaner mit Wohnsitz in Deutschland gaben am Freitag ihr Konzert »Christmas and more« in der ev. Kirche Lollar.
09. Dezember 2012, 20:38 Uhr
Christmas an more in der evangelischen Kirche in Lollar: Florian Sitzmann sowie Cae, Lukas und Eddie Gauntt. (Foto: vh)

Dem angekündigten Schneefall zum Trotz war das Gotteshaus proppenvoll besetzt. Das bisschen Schnee: Pah!, sagte Eddie Gauntt. Wenn sie den Weg von Karlsruhe schafften, wäre das wohl für Leute aus Gießen ebenso möglich. Pfarrerin Petra Assmann-Daum, mittlerweile gute Freundin der Gauntts, eröffnete mit dem rhetorischen Standard: »Wann fängt Weihnachten an?« Wenn es schneit, am 24. Dezember oder wenn das singende Ehepaar – sie von Haus aus Popsängerin, er mit festem Engagement am Badischen Staatstheater Karlsruhe – stimmgewaltig seine weihnachtliche Botschaft verkündet? Mit dabei wie in den Vorjahren Florian Sitzmann, Keyboarder bei den Söhnen Mannheims, doch in Lollar am Flügel, und Familienspross Lukas (Gesang, Gitarre, Cajon). Auf dem Programm Weihnachtslieder aus Deutschland und aus der US-amerikanischen Heimat.

Cae und Eddie machen seit 15 Jahren gemeinsames Programm zur Vorweihnachtszeit. Es habe gedauert, bis der notwendige künstlerische Reifeprozess das ermöglicht habe, erfuhren die Zuhörer. Ja, heute noch kokettiert Eddie mit seinem prächtigen Stimmvolumen und dem Opern typischen Gehabe, dass für Cae natürlich unerreichbar bleibt. Sie kommentiert: »Der macht das jeden Tag«.

Man kennt die Pointen und freut sich jedes Mal aufs Neue, wenn Zwei, die wirklich aussagekräftiges Gesangstalent mitbringen, dabei immer auch eine Schippe Humor auflegen. Der zu dieser Zeit oft etwas kitschig anmutende, aber typisch amerikanische Vorweihnachtsgartenschmuck à la Rudolph das Rentier kommt bei den Vorträgen der Gauntts nicht auf die Bühne. Es geht gemütlich zu, witzig, im Duett oder Solo oder auch mal im Ensemble zu Viert, doch die eigentliche Ernsthaftigkeit des Anlasses bleibt gewahrt: die Ankunft des kleinen Kindes in der Krippe. Das ist für Cae und Eddie auch offensichtlich ein wichtiger Konzertbestandteil, keine Nebensache. Florian Sitzmann hat das Programm arrangiert, manches Stück selber komponiert wie »Forian’s Etude for the evening«. Bekannte Lieder fließen melodisch ineinander über, es ist manchmal Improvisation mit im Spiel. Gesungene Botschaften, etwa das Vaterunser«, das Eddie Gauntt beeindruckend intoniert, wechseln sich ab mit Sprechtexten. So vergehen zweieinhalb Stunden fast unbemerkt. Sitzmann, dem studierten Pianisten, ist die gefühlvolle Begleitmusik zu danken. Die Tontechnik ist gut ausgesteuert und bringt die Stimmen bis in den letzten Kirchenwinkel. Bloß die Bühnenbeleuchtung lässt Wünsche offen. Man wünschte sich mehr von dem viel besungenen Licht.

Jedenfalls stehender Applaus vom begeisterten Publikum. Die Zugabe »O holy Night« ist hervorragend. Die Gauntts freuen sich auf den Glühwein, der nachher draußen vor der Kirche ausgeschenkt wird. Bis zum nächsten Christmas and more 2013.

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