04. Dezember 2009, 16:04 Uhr

Eisengießer vollendet am Nikolaustag das 25. Lebensjahr

Lollar (mb). Damals war die Sparkasse Gießen noch die Bezirkssparkasse und der Vorstandsvorsitzende Gerhard Poloschek.
04. Dezember 2009, 16:04 Uhr
Der Eisengießer im Jahre 2009 vor der einstigen Buderus-Kolonie in Lollar

Lollar (mb). Damals war die Sparkasse Gießen noch die Bezirkssparkasse und der Vorstandsvorsitzende Gerhard Poloschek. Die Stadtverordnetenversammlung Lollar hatte einen Ausschuss für Jugend-, Kultur- und Sportangelegenheiten, dessen Vorsitzender Michael Müller hieß. Als Bürgermeister der sogenannten Buderusstadt war Gerd Bocks tätig. Die Idee stammte von Konrektor i. R. Reinhold Huttarsch, vor einem Vierteljahrhundert noch »frischer« und heute ältester von drei Ehrenbürgern der Stadt Lollar. Den Heimat- und Geschichtsverein gibt es nicht mehr. An die Öffnung der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs war ebensowenig zu denken wie an Euro und Cent. Morgen vor 25 Jahren, am 6. Dezember 1984, erblickte der Eisengießer an der Marburger Straße vor der Arbeiterwohnsiedlung »Kolonie« das Licht der Welt.

Er »feiert« am Nikolaustag 2009 somit seinen 25. Geburtstag. »Einen Eisengießer für die Stadt Lollar übergab der Vorstandsvorsitzende der Bezirkssparkasse Gießen, Direktor Gerhard Poloschek, am Donnerstagabend in Höhe der alten Lollarer Kolonie an der Marburger Straße an den örtlichen Heimat- und Geschichtsverein«, berichtete die »Allgemeine Zeitung« in der Ausgabe vom 7. Dezember 1984. Weiter war zu lesen: »Auch diese Schenkung finanzierte die Bezirkssparkasse Gießen aus Anlass ihres 150-jährigen Bestehens. Allen Kernstädten und -gemeinden ihres Zweckverbandsgebietes wurden 25 000 DM für eine bleibende Einrichtung, beispielsweise eine Brunnen- oder Grünanlage, die jedermann zugänglich sein sollte, gespendet. So konnte auch der langgehegte Wunsch erfüllt werden, eine für Lollar typische Figur zu schaffen.«

Erläutert wurde im Dezember 1984: »Vor mehr als einem Jahrzehnt entwickelte der kürzlich zum Ehrenbürger ernannte Reinhold Huttarsch die Idee des Eisengießers, die von Bürgermeister Gerd Bocks wieder aufgegriffen wurde. Der Ausschuss für Jugend-, Kultur- und Sportangelegenheiten der Stadtverordnetenversammlung bildete gar eine Eisengießer-Kommission, die im Zusammenwirken mit dem Heimat- und Geschichtsverein die Verbindung zu dem Bildhauer Walter Schubert und der Buderus-Gießerei aufnahm. Bürgermeister Bocks freute sich über das unverwechselbare Wahrzeichen. Nun könne man stolz auch nach außen die Tradition als Arbeitnehmergemeinde bekunden. ›Viele Bürger werden sich mit dieser Figur identifizieren können‹, meinte Bocks. Ehrenbürger Huttarsch trug zur Einweihung ein eigens hierfür von ihm geschriebenes Gedicht vor.«

Bereits im März 1984 hatten die AZ-Leserinnen und -Leser erfahren, dass die Stadt Lollar für dieses und das folgende Jahr eine Vielzahl von Verschönerungs- und Platzgestaltungsmaßnahmen plane. Zahlreiche Vorschläge und Ideen habe der Heimathistoriker Reinhold Huttarsch beigesteuert. Bei einem Informationsgespräch im Rathaus seien die Schwerpunkte der vorgesehenen Gestaltungsmaßnahmen von Bürgermeister Bocks, dem Ausschussvorsitzenden Müller und dem Ideengeber Huttarsch erläutert worden.

Berichtet wurde dann, im Mittelpunkt auch der öffentlichen Diskussion stehe seit langem der Standort für eine Eisengießer-Plastik. In einer Kulturausschusssitzung sei er nun auf den Platz vor der 1903 erbauten Buderus-Kolonie, der ehemaligen Arbeiterwohnsiedlung, festgelegt worden. Sie sei, wie Denkmalpfleger Dr. Reiner Bentmann geurteilt hatte, die einzige noch geschlossen erhaltene Industriearbeitersiedlung in Hessen. Der Bürgermeister habe betont, dass das Eisengießer-Standbild, ein Geschenk der Bezirkssparkasse Gießen an die Stadt, neuer Identifikationspunkt für die Bürger werden könne. Der von den Ausschussmitgliedern festgelegte Standort sei auch von der Bebauung her »Lollar-typisch« und deshalb geeignet, die Identifikation zu fördern. Zugleich sei der Platz ein markanter Punkt, von dem das neue Wahrzeichen die Besucher von Lollar grüßen werde.

Die Gestalt des Eisengießers solle von einer Kommission, die aus Vertretern der Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung, Huttarsch und Bürgermeister Bocks bestehe, mit dem Bildhauer und mit der ausführenden Firma festgelegt werden. Der Sockel werde in die Böschung an der Marburger Straße eingelassen; der Eisengießer solle mindestens natürliche Größe haben. Auf einer Gusstafel solle auf die Gründung der Eisenhütte in Lollar hingewiesen werden. Eine störende Litfaßsäule und ein Verkehrsschild sollten ebenso beseitigt oder versetzt werden wie eine Hecke und ein Zaun, die das Gesamtbild störten.

Der 25-jährige Eisengießer steht unerschütterlich. Die Häuser der einstigen Buderus-Kolonie befinden sich längst in Privatbesitz. Als das einzigartige Ensemble zum Verkauf gestanden hatte, waren die Lollarer Grünen dafür eingetreten, dass die Kolonie von der Stadt erworben wird. Die große Mehrheit der Stadtverordneten sprach sich dagegen aus.

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