20. Oktober 2009, 22:08 Uhr

Behinderte Menschen mitten in der »Normalität«

Gießen/Lollar (mb). Drei Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeiter der israelischen Organisation »Shekel/Jerusalem« hielten sich im Zuge des Fachkräfte-Austauschprogramms mit der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Gießen und dem Deutsch-Israelischen Verein für Rehabilitation sieben Tage lang in Deutschland auf.
20. Oktober 2009, 22:08 Uhr
Die israelischen Gäste mit Maren Müller-Erichsen (Mitte), Jürgen Gall (rechts) und Übersetzerin Andrea Pahlich (3. von links) gestern in der Lebenshilfe-Werkstatt Lollar. (Foto: mb)

Gießen/Lollar (mb). Drei Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeiter der israelischen Organisation »Shekel/Jerusalem« hielten sich im Zuge des Fachkräfte-Austauschprogramms mit der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Gießen und dem Deutsch-Israelischen Verein für Rehabilitation sieben Tage lang in Deutschland auf. Gestern besuchten sie, darunter ein Rollstuhlfahrer, mit Maren Müller-Erichsen, Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe und Vorsitzende des Rehabilitationsvereins, und Projektbearbeiterin Andrea Pahlich, die in Windeseile zwischen Deutsch, Englisch und Ivrit (Neu-Hebräisch) wechselt, die Lebenshilfe-Werkstatt Lollar (WeLo). Wenn die Gäste heute Nachmittag wieder auf dem Ben-Gurion-Airport (Jersalem/Tel Aviv) in Lod landen, bringen sie die besten Eindrücke von der Arbeit der Lebenshilfe und von der Betreuung behinderter Menschen mit.

Mit der Vorsitzenden Müller-Erichsen, Mitarbeitern der Lebenshilfe und Vereinsmitgliedern absolvierten die Israelis seit Mittwoch voriger Woche ein umfangreiches Programm. Es führte sie unter anderem zur »Reha-Care« in Düsseldorf, in die integrative Lebenshilfe-Kindertagesstätte »Helen Keller« in Gießen, in die Limeswerkstatt in Garbenteich, zum Gottesdienst in die Gießener Synagoge, zur Stadtbesichtigung und in das jüdische Museum nach Frankfurt, in die Reha-Werkstatt Gießen-Mitte, zum Fachdienst »Jugendhilfe« des Landkreises Gießen, in das Institut für Heil- und Sonderpädagogik der Justus-Liebig-Universität, in die Lebenshilfe-Wohnstätte in Großen-Linden, zu Außenarbeitsplätzen behinderter Menschen im Gießener Rathaus und in der Kindertagesstätte »Sandfeld«, in die WeLo, in das Lebenshilfe-Wohnheim in Garbenteich und in eine Lebenshilfe-Wohngemeinschaft in Leihgestern.

In Lollar begleiteten Werkstattleiter Jürgen Gall sowie Dr. Ahmed Swelam und Thomas Bauer (Sozialer Dienst) die Gäste zur Küche, in die Wäscherei, zu Montage-Arbeitsplätzen und in die Tagesförderstätte, in der derzeit 20 geistig und körperlich schwerstbehinderte Menschen betreut, gepflegt und therapiert werden. Dieser Betreuungsbereich, in dem das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse und Wünsche sehr groß geschrieben wird, und der Tagesablauf der Schwerstbehinderten inter- essierte die Israelis besonders. Von Werkstattleiter Gall erfuhren sie, dass die 1992 in Betrieb gegangene WeLo in neun Arbeitsgruppen rund 140 Beschäftigte hat. Die Küche liefert täglich 800 Essen aus, die von Johannitern und Lebenshilfe-Mitarbeitern zu den Bestimmungsorten gefahren werden. Gastronomie, Hotellerie und Heime werden von der Wäscherei bedient, die sich seit Jahresanfang eines Großauftrages des Diakoniezentrums »Laubacher Stift« erfreut und pro Jahr 90 Tonnen Wänschestücke bewegt (»Wir waschen alles - außer Geld und Autos«). An Montage-Arbeitsplätzen werden pro Woche von zwölf behinderten Beschäftigten 50 000 Pumpenrotoren für ABS-Systeme gezählt und verpackt. Ein patentiertes Eigen- und Erfolgsprodukt der WeLo ist die Atemschutzdokumentationsschutztafel für Feuerwehren, die an die 3000 Mal verkauft wurde und deutschlandweit vertrieben wird.

Die Gäste zeigten sich sehr beeindruckt: von der Aufmerksamkeit für behinderte Menschen, von der Ausstattung der Lebenshilfe-Einrichtungen, von der Einbeziehung des Wohnens und Arbeitens der Behinderten in die »Normalität«, von den guten Kontakten zu Firmen, von den Arbeitsaufträgen ...

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