09. Oktober 2008, 20:06 Uhr

Respekt vor der Disziplin Tokios Kinder

Linden/Warabi. - Vieles in Japan ist höchst zweckdienlich organisiert. Die 38-köpfige Reisegruppe der Deutsch-Japanischen Gesellschaft aus Linden konnte im Rahmen ihres jüngsten Ausfluges nur darüber staunen, wie fünf Lehrer einen Schulausflug mit 100 siebenjährigen Kindern in Tokios »Shinagawa«-Aquarium im Griff haben - selbst in einer großen Menschenmenge aus Erwachsenen und weiteren Schulgruppen gleichen Alters und ähnlicher Schülerzahl.
09. Oktober 2008, 20:06 Uhr
Der Stolz der Nation: Japans erstes Antarktis-Expeditionsschiff »Soya Maru«.

Jede Gruppe trägt eine andersfarbige Kopfbedeckung. Die Gruppe wiederum ist in Kleingruppen zu 20 Kindern aufgeteilt. Jede davon ist durch eine andere Farbe eines Überziehhemdes kenntlich. Paarweise finden sich die Kinder darin zusammen, wovon nur ein Kind des Paares das bunte bis zur Zahl 10 durchnummerierte Leibchen trägt. Die Beiden bleiben diszipliniert auch dann zusammen, wenn sich die Gruppenstruktur im Museum verliert.

Es reicht eine kurze Anweisung einer der Lehrerinnen und schon ordnet sich die Gruppe selbständig nach Schulgruppe, Untergruppe und dazu noch in der richtigen Reihenfolge. Die Kinder setzen sich ruhig in einer langen Reihe auf den Boden. Wohl gemerkt: es sind siebenjährige Kinder.

Überhaupt erscheint Japan sehr kinderfreundlich. In vielen öffentlichen Einrichtungen geht man auf die alltäglichen Probleme der Kinder und Eltern ein: Wohin in Deutschland mit dem Kleinkind, wenn man - als Elternteil alleine - an einem öffentlichen Ort die Toilette aufsuchen muss? In Japan kein Problem. Die stets sauberen Toiletten verfügen über einen Kindersitz, eine klappbare Kinderbrille sowie eine Säuglingsablage. Urinale sind kindgerecht in der passenden Größe. Dieser Vergleich der deutschen und japanischen Verhältnisse stimmte doch einige deutsche Eltern und Großeltern des Lindener Kulturaustausches nachdenklich. Erkennbar ist, dass diese Kinderfreundlichkeit von der Regierung gezielt gefördert wird, denn Japans Geburtenrate ist deutlich auf rund 1,2 Kindern pro Familie gesunken. Das Durchschnittsalter liegt in Japan bei hohen 43 Jahren; deutlich über 20 Prozent der Bevölkerung sind im Rentenalter.

Das Aquarium selbst wird seinem Ruf gerecht und ist allen Tokio-Reisenden zu empfehlen. Zahlreiche riesige Glasbassins, teilweise mit gläsernen Unterwassergängen, vermitteln einen Überblick über die japanische Süß- und Seewasserfauna. Riesige, metergroße Fische, deren Namen man nur mit Kenntnissen der japanischen Schriftzeichen erfahren kann, beeindrucken. Reich besucht ist auch die täglich mehrmals angebotene Delphin- und Seehundeschau. Eis »bis zum Abwinken« - wie es einige Jugendlichen unter den Warabi-Besuchern ausdrückten - und japanische Fleischküche erwartete die Mittelhessen zum Mittagessen bei ihrer nächsten Station - in einem Museum, dessen Name zunächst verwirrt. Denn das »Museum für Meereswissenschaften« ist eigentlich ein Schiffahrtsmuseum. Japan ist in seiner Ausdehnung von 3000 Kilometern nicht nur von allen Seiten vom Meer umgeben; es besteht zudem aus 6852 (!) Inseln. 99 Prozent der importierten Waren werden auf dem Seeweg eingeführt. Wen verwundert es, dass Japan heute zu der führenden Nation in der Schiffahrt und im Schiffsbau zählt?

Die kurzweilige Ausstellung, die sich auf mehreren Etagen eines Gebäudes mit einem 70 Meter hohen Aussichtsturm präsentiert, liegt am Ufer der Bucht von Tokio, mit Blick auf deren Wahrzeichen, die Regenbogenbrücke, und auf die beeindruckende Hochhauskulisse der Metropole. Die »heimatliche« Skyline von Frankfurt erscheint dagegen höchst spärlich. Sven Deeg

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