09. Oktober 2015, 11:33 Uhr

Notunterkunft für Flüchtlinge in Leihgestern

Gießen/Linden (bnf/pad). Die bislang bestehenden Unterbringungsplätze für Flüchtlinge im Landkreis reichen nicht mehr aus. Der Kreis errichtet nun auf dem Festplatz in Leihgestern eine Leichtbauhalle als Behelfsquartier für bis zu 200 Flüchtlinge.
09. Oktober 2015, 11:33 Uhr
Festplatz Leihgestern: Wo in den vergangenen Jahren unter anderem VW-Bus-FahrerTreffen stattfanden, kommt jetzt eine Behelfsunterkunft für Flüchtlinge hin. (Archivfoto: Dirk Röder, ontour) (Foto: pv)

»Die steigende Zahl der Asylsuchenden und die damit verbundenen hohen Zuweisungen des Landes machen es notwendig, eine Notunterkunft zu errichten«, berichtete Landrätin Anita Schneider am gestrigen Donnerstag nach einer Sitzung des Verwaltungsstabes. Vor diesem Hintergrund habe das Mitarbeitergremium beschlossen, nun eine erste Notunterkunft in Leihgestern einzurichten. Standort der Leichtbauhalle ist der Festplatz neben Volkshalle und Wiesengrundschule. Die bereits bestellte Halle soll am übernächsten Dienstag, 20. Oktober, von zunächst 100 Menschen bezogen werden. Ausgelegt sei sie für bis zu 200 Personen.

Notunterkünfte dienten dazu, Obdachlosigkeit von Flüchtlingen zu verhindern, seien jedoch »keinesfalls als Dauereinrichtung gedacht«, unterstrich der Kreis in einer am frühen Abend herausgegebenen Presseerklärung. Deshalb suche die Behörde weiterhin intensiv nach dauerhaften Unterkünften und prüfe geeignete leer stehende Gebäude.

Über die Sachlage wird die Verwaltungsspitze am Montag, 19. Oktober, um 19 Uhr im Rahmen einer Bürgerversammlung berichten. In der Veranstaltung können Fragen an die Verantwortlichen des Landkreises und an Bürgermeister Jörg König gestellt werden. Wo genau dies sein wird, steht bislang nicht fest. Vollkommen überrascht zeigte sich König gestern Abend jedoch davon, dass bereits einen Tag nach der Informationsveranstaltung die ersten Flüchtlinge die Unterkunft beziehen werden. »Das war so im Vorfeld nicht abgesprochen«, sagte er gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung. Erst vor wenigen Tagen habe man besprochen, dass erst eine Informationsveranstaltung für die Bürger stattfinden werde und mit zeitlichem Abstand die Belegung erfolge. »So wird man vom Landkreis vor vollendete Tatsachen gestellt«, sagte der verärgerte Bürgermeister. Bereits in der Vorwoche hatte die Verwaltung in einem Rundschreiben die Vereine unterrichtet, dass es unter Umständen zu Belegungen der Sporthallen mit Flüchtlingen kommen könnte. »Das wäre mit größeren Einschränkungen als nun die Belegung des Festplatzes verbunden gewesen«, auch wenn die Lage nahe der Grundschule und des Kindergartens nicht optimal sei. Gleichzeitig habe er schon im Vorfeld von vielen Lindener Bürgern Hinweise bekommen, dass sie helfend zur Seite stehen wollen.

Der Kreistag hatte den Kreisausschuss in seiner Sitzung am Montag im Bürgerhaus Lich ermächtigt, angesichts der kritischen Lage alles Erforderliche in die Wege zu leiten, um Asylsuchende unterzubringen. Am Riversplatz rechnet man mit einer Zuweisung von rund 1400 Flüchtlingen bis Jahresende und beruft sich dabei auf Aussagen des Sozialministeriums in Wiesbaden.

»Die steigende Zahl der Flüchtlinge und die damit verbundenen Zuweisungen an den Landkreis verursachen Engpässe, die nur mit zeitlich befristeten Notunterkünften zu beheben sind«, betonte die Landrätin. Da eine Belegung von Sporthallen oder Bürgerhäusern »nur als allerletzte Möglichkeit« gesehen werde, hätten sich die am Verwaltungsstab Beteiligten entschieden, eine Leichtbauhalle anzumieten. »Der Auftrag ist erteilt«, berichtet Thorsten Becker als Leiter des Verwaltungsstabes. Die Halle wird bis zu 200 Personen aufnehmen können. Duschen, Toiletten und Waschmöglichkeiten sollen in Containern zur Verfügung stehen.

Zeitgleich prüft der Kreis verschiedene Liegenschaften, um zu klären, inwieweit diese als Notunterkünfte tauglich sind. Hierzu ist die Verwaltung auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Wer ein Haus oder eine Immobilie hat, die sich als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge eignen könnte, möge dies Hagen Roth mitteilen, erreichbar unter hagen.roth@lkgi.de . Der Landkreis sucht zudem dringend Zimmer, Wohnungen und Häuser, die für Flüchtlinge geeignet sind. Wer eine Wohnung vermieten will, schreibt an asyl@lkgi.de , schildert die Lage der Wohnung, ihre Größe sowie ihren Zuschnitt/Raumaufteilung. Persönliche Kontaktdaten nicht vergessen.

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