02. November 2009, 16:10 Uhr

Lindener beeindruckt von Geschichte und Kultur Japans

Linden (bf). Frank Schorge, im Vorstand des Musikcorps’ Großen-Linden für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, hat der »Allgemeinen« einen weiteren Bericht über den derzeiigen Warabi-Besuch einer 68-köpfigen Lindener Delegation übermittelt. Nach den sonntägigen Feierlichkeiten im Rahmen der Veranstaltung »50 Jahre Stadtrechte Warabi«, über die die AZ am Montag berichtete, stand für die Lindener jetzt der erste kulturelle Höhepunkt auf dem Programm. Kamakura war dabei das Ziel. Ehe man die Stadt am Nordufer der Sagami-Bucht erreichte, galt es zunächst, sich den Weg durch die morgendlichen Millionenstädte Tokio und Yokahama zu bahnen.
02. November 2009, 16:10 Uhr
Mitglieder des Musikcorps Großen-Linden und japanische Freunde vor der rund elf Meter hohen Statue des »Großen-Buddha« in Kamakura. (Foto: pm)

Was dort allmorgendlich abläuft, ist der pure Wahnsinn. Kilometerlang schlängeln sich die Autokarossen durch ein Labyrinth von Stadtautobahnen. Die teils fünfstöckige Anordnung von Hauptstraßen verschlägt einem regelrecht die Sprache. Als stiller Beobachter fragt man sich mit zunehmender Zeit, welche Genies in der Stadtplanung sitzen müssen, die halbwegs die Übersicht über die Verkehrsinfrastruktur behalten. Die 23 Stadtbezirke Tokios haben schließlich 8,5 Millionen Einwohner. Und im Ballungsgebiet leben etwa 35 Millionen Menschen. Damit ist Tokio die größte Metropolregion der Welt. Ebenso imposant gestaltete sich bei der Überquerung der futuristischen Rainbow-Bridge der Blick auf die Hafenbucht Tokios mit der gigantischen Skyline im Hintergrund. Nach gut zwei Stunden war endlich Kamakura erreicht.

Kamakura, das ursprünglich Kamikura (»Lager der Götter«) hieß, ist eine der interessantesten Orte Japans: 65 buddhistische Tempel und 19 Shinto-Schreine sind hier zu sehen. Die Stadt liegt im Südosten der Präfektur Kanagawa und hat »lediglich« 170 000 Einwohner - für japanische Verhältnisse quasi eine Kleinstadt. Im Süden ist die Stadt vom Meer, nach Norden, Osten und Westen von den so genannten »Fünf Bergen Kamakuras« begrenzt. Auf denen befinden sich die einzelnen Tempel und Schreine.

Die Buddha-Statue trotzt seit Jahrhunderten allen Stürmen

Kamakura war in der Zeit von 1185 bis 1333 Hauptstadt Japans. Erster Anlaufpunkt der Lindener Delegation war der Große Buddha im Gelände des Tempels Kotokuin. Die 11,40 Meter hohe bronzene Sitzfigur wurde im Jahre 1252 gegossen und in einem Tempel aus massivem Holz untergebracht. 140 Jahre später verheerte eine Flutwelle Kamakura und jenen Tempel. Der Buddha aber verharrte ungerührt am selben Fleck und steht seit nun sechs Jahrhunderten im Freien.

Für die Besucher aus Linden schloss sich dann der Besuch des Kannon-Tempel von Hase (Hasedera) an, der auf einem Hügel liegt und herrliche Meeresblicke freigibt. Der Hauptschrein hütet die berühmte elfköpfige Statue des Kannon. Die vergoldete, neun Meter hohe Statue ist aus einem einzigen Kampferbaumstamm geschnitzt; die Gesichter des Gottes spiegeln die verschiedenen Stadien der Erleuchtung. Besonders bezaubert der Anblick Abertausender winziger, liebevoll bekleideter und von Kinderspielzeug umringter Jizo-Statuen. Der Stadtteil Tsurugaoka im Norden der Stadt beherbergt den großen Hachiman-Schrein, der zwischen all den vielen buddhistischen Tempeln in Kamakura ziemlich auffällt Der Hachiman-g ist sehr beliebt für die shintÿistischen Hochzeitszeremonien. Und wie es der Zufall wollte, war zum Zeitpunkt des Eintreffens der Lindener Reiseteilnehmer gerade eine Hochzeitszeremonie in vollem Gange. Eine höchst eindrucksvolle, weil sehr festliche Angelegenheit mit genau einzuhaltenden Ritualen.

Heiraten in Kamakura ist im übrigen ziemlich nobel und umfasst beispielsweise auch die Fahrt in einer herausgeputzten »Jinrikisha« (Rikscha). Einst in Japan sehr verbreitetes Transportmittel, sieht man sie heute freilich nur noch bei besonderen Anlässen. Am Eingangsbereich zum Hachiman-g ist eine große Phalanx von Sake-Fässern zu sehen, über denen jeweils in großen Schriftzeichen »hÿken« (gestiftet) und die Namen der noblen Spender stehen.

Nach soviel Kultur stand dann die Rückfahrt gen Warabi auf dem Programm. Hier stach bei einsetzender Dunkelheit das Lichtermeer der Weltstadt Tokio in Auge. Das abwechslungsreiche Programm der Lindener Bevölkerung findet am heutigen Dienstag beim Shukuba-Festival, dem Tag der Kutur in Japan seine Fortsetzung. Und bereits zu Beginn des Treffens wurde von der japanischen Seite für diesen Tag eine besondere Überraschung avisiert.



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