Linden

Linden feiert und lebt europäischen Gedanken

Linden (agl). Welch ein würdiger Rahmen für eine besondere Auszeichnung: Während des Marienmarktabends am Freitag in der TV-Halle bekam die Stadt Linden vom Europarat die Europafahne überreicht.
28. März 2014, 23:53 Uhr
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Ehrenbürgermeister Dr. Ulrich Lenz, sein Nachfolger Jörg König und Stadtverordnetenvorsteher Ralf Burckart die Ehrenfahne des Europarates von Marlene Rupprecht (v.l.) entgegen

Damit würdigt das Gremium, wie sehr Menschen aus Linden den europäischen Gedanken leben. Bürger und Vereine, Menschen von hier und aus den Partnerkommunen gestalteten ein vielseitiges Fest.

»Lassen Sie uns Europa genießen und feiern«, stimmte Bürgermeister Jörg König die vielen Besucher in der TV-Halle auf einen kurzweiligen, schwungvollen und die Freundschaft betonenden Abend ein. Musik und Tanz, Tradition und eine flammendes Plädoyer für den europäischen Gedanken prägten das Fest unter dem Titel »Der 25. Marienmarkt im Europa von heute«. Der Markt selbst findet am morgigen Sonntag von 10.15 bis 18 Uhr im alten Ortszentrum und teilweise auch in der TV-Halle statt.

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Zahlreiche Besucher aus dem österreichischen Purgstall, dem polnischen Sosnicowice, dem französischen Macheren, dem sächsischen Machern und dem tschechischen Loucna nad Desnou waren am Freitagabend zu Gast, trugen zum Gelingen der Feier bei.

Für den musikalischen Auftakt sorgen allerdings Lindener: Die Blockflötenschüler der dritten und vierten Klassen der Burgschule Großen-Linden sowie die Querflötenschüler der fünften bis neunten Klassen der Anne-Frank-Schule – unter der Leitung von Beate Lindemann. Sie brachten, passend, die Eurovisionsmelodie zu Gehör.

»Wie Hofbräuhaus zu München«

Moderator Jürgen Arnold erinnerte an das Privileg für Großen-Linden aus dem Jahre 1712, einen Krämermarkt samt Viehmarkt abhalten zu dürfen. Die 1855 zunächst beendete Tradition lebte zur 1200-Jahrfeier des heutigen Lindener Stadtteils wieder auf und »gehört zu uns, wie der Handkäs’ zu Hüttenberg und das Hofbräuhaus zu München«.

König ging sodann auf den anderen Anlass des Festes ein: Die Freundschaft zwischen Linden und seinen Partnerkommunen. Dabei hob er insbesondere die Verdienste seines Amtsvorgängers Dr. Ulrich Lenz und von Ehrenstadträtin Inge Schimmel hervor. »Ich habe das Gefühl, beide kennen jedes einzelne Wohnzimmer in allen Partnergemeinden.«

Joanna Suliga präsentierte das Engagement eines Vereins in Sosnicowice, und der ehemalige Macherner Bürgermeister Frank Lange sowie Monika Alexandrow vertraten – gewandet in historische Kostüme – die sächsische Partnergemeinde Machern auf der Bühne. »Freunde sind wie Bäume«, sagte Alexandrow – entscheidend sei, wie tief die Wurzeln reichen. Damit leitete sie zum Geschenk an Bürgermeister König über, dem die beiden eine Linde mitgebracht hatten. Lindes-Samen gab es auch für die anderen Vertreter der Partnergemeinden.

Dann kam es zu einer Lindener Premiere: Alle vier Gesangvereine standen gemeinsam auf der Bühne. Harmonie und Germania aus Großen-Linden sowie Eintracht und Liederkranz Leihgestern stimmten – dirigiert von Hermann Wilhelmi – gemeinsam Beethovens »Freude schöner Götterfunken« an. Das Publikum wurde mit einbezogen.

»Ruhen uns nicht auf Lorbeeren aus«

Stadtverordnetenvorsteher Ralf Burckart erinnerte daran, dass der Europarat bereits 2010 Linden das Europadiplom verliehen hatte. »Linden wurde damit als führende Stadt in der Region auf dem Gebiet der europäischen Städtepartnerschaften ausgezeichnet.« Seit 1993 pflege man eine Partnerschaft mit Sosnicowice, seit 1995 mit Loucna nad Desnou, seit 2001 mit Macheren, seit 2009 mit Machern und seit 2012 mit Purgstall. Das Diplom sei eine Vorstufe der Europafahne, erläuterte Burckart. Seit 2010 habe die Stadt Linden jährlich an den Europarat über ihr internationales Engagement berichtet. Dabei spielten und spielen etwa der Nikolaus- und der Marienmarkt, Austausche, Jugendlager, Seniorentreffen und Aktivitäten einzelner Gruppen, aber auch gemeinsame Hilfeleistungen für die vom Tsunami betroffenen Menschen in Japan eine Rolle.

Ein Ausschuss der Parlamentarischen Versammlung habe im April vergangenen Jahres entschieden: Linden bekommt die Ehrenfahne des Europarates. Eine seltene Würdigung, erhielten doch im vergangene Jahr gerade einmal 18 europäische Städte diese Auszeichnung. Für eine Verleihung 2013 habe man keinen geeigneten Termin gefunden, sagte Burckart.

Der Marienmarkt als Rahmen sei aber des ehrenvollen Anlasses würdig. »Vor über 300 Jahren wurde der erste Marienmarkt in Großen-Linden abgehalten. Schon damals kam man zu diesem Ereignis aus nah und fern zusammen.« Er biete immer wieder Gelegenheit für die Lindener Bürger, Freunde aus den Partnerkommunen zu treffen. Nach dem Erhalt der Ehrenfahne wolle man sich aber »nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern auch künftig unsere Kontakte zu unseren Partnerstädten aktiv und intensiv pflegen und auf diese Weise unseren Beitrag zum Wohl des europäischen Gedankens leisten«.

Bevor Marlene Rupprecht, Ehrenmitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, die Fahne an König, Lenz und Burckart überreichte, äußerte sie den »Appell, dass die Jugend im Geiste Europas erzogen wird und sich dafür einsetzt«. Die Auszeichnung würdige das Engagement der Lindener für »ein geeintes, freies, friedliches und florierendes Europa«. Feuerwehren, Vereine, Seniorengruppen, Familien und Jugendgruppen lebten diesen Gedanken in Linden, so Rupprecht. Der Europarat als auszeichnendes Gremium sei die älteste europäische Institution. Zudem sei sie die einzige, die den gesamten Kontinent – Ausnahme ist Weißrussland – umfasst, nämlich 47 Staaten.

Zum Gelingen des kurzweiligen Abends in der TV-Halle trugen außerdem die Zumbagruppe der Anne-Frank-Schule unter der Leitung von Lisa Rack, die Volkstanz- und Trachtengruppe Leihgestern, die Showtanzgruppe »BlackOut« der TSG Leihgestern und das Musikcorps der Freiwilligen Feuerwehr Großen-Linden unter dem Dirigat von Alexander Mehl bei.

Die Macherner Bürgermeisterin Doreen Lieder sprach im Namen der Partnerkommunen ein Grußwort. Für die Organisation des Marienmarktabends zeichneten Angelika Enders-Koch und Steffi Granzer mit ihrem Team verantwortlich.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/linden/Linden-Linden-feiert-und-lebt-europaeischen-Gedanken;art99,90296

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