16. März 2011, 19:30 Uhr

Erinnerungen an 1986 werden wach

Langgöns (ik). Mit schierer Fassungslosigkeit verfolgt man beim Langgönser Arbeitskreis »Leben nach Tschernobyl« die Bilder vom Katastrophen-Szenario in Japan. Seit mehr als 20 Jahren wird dort vor allem humanitäre Hilfe für die Opfer des Super-GAU 1986 in der Ukraine geleistet.
16. März 2011, 19:30 Uhr

»Wir warnen schon so lange davor, dass die Menschheit so etwas noch einmal erleben muss. Das alles ist so furchtbar, dass wir es überhaupt nicht richtig begreifen können«, fasst Sprecher Gerhard Keller die persönliche Betroffenheit auch namens der Arbeitskreis-Verantwortlichen Eberhard Klein und Reinhard Knauf zusammen. Man wolle nun keineswegs mit erhobenem Zeigefinger dastehen, allerdings müsse Politik nun klar aufzeigen, wie es mit der Atomenergie und nach dem vorübergehenden »Ausstieg vom Ausstieg« nun weitergehen solle. Keller: »Jetzt nur auf Wahltermine zu schauen wäre keine angemessene Reaktion, sondern erbärmlich«.

Denn nur allzu deutlich noch stehen den Arbeitskreis-Aktiven ihre Begegnungen in der Tschernobyl-Region vor Augen: »Wir haben Menschen kennengelernt, die strahlenkrank waren, den Tod vor Augen hatten . . .« Nicht auszudenken, welch furchtbares Desaster nun auf Japan zukommen könnte: »Wo sollen die Millionen Menschen hin?« Betroffenheit löst bei Keller, Knauf und Klein vor allem der Brief einer Pfarrerin der deutschen Evangelischen Gemeinde in Tokio aus, der hierzulande schon in Gottesdiensten verlesen wurde: »Das Entsetzen ist so groß und so nah, dass ich es nicht fühlen kann. Es passt in eine Seele nicht hinein.«

Gemeinschaftlich innehalten und für die Menschen in Japan beten möchte der Arbeitskreis spätestens am 26. April, wenn um 19.30 Uhr in der evangelischen Kirche der seit langem geplante Gedenkgottesdienst »25 Jahre Tschernobyl« stattfindet. Schreckliche Aktualität gewinnen angesichts der Vorgänge in Japan auch die vom Arbeitskreis geplanten Vortragsveranstaltungen zur Energiepolitik im Mai und Oktober/November. Keller merkt an, dass die Wirtschaft in Deutschland nicht in solch hohem Maße wie in Japan von der Atomenergie abhängig sei: Hier produzierten 17 Atomkraftwerke etwa 25 Prozent der Energie, dort stellten 55 AKW rund 80 Prozent Energieanteil sicher. Dazu habe letztlich auch die Anti-Atom-Bewegung in Deutschland beigetragen - und zu einem gewissen Anteil auch der Arbeitskreis. Dessen Anfang der 1990er Jahre anlässlich der Siemens-Boykott-Kampagne ausgegebene Leitwort sei ungeahnt aktuell: »Es reicht nicht aus, den Opfern einer Katastrophe die Wunden zu verbinden.«

Der Arbeitskreis »Leben nach Tschernobyl« und die Erinnerung an 1986

Langgöns (ik). Mit schierer Fassungslosigkeit verfolgt man beim Langgönser Arbeitskreis »Leben nach Tschernobyl« die Bilder vom Katastrophen-Szenario in Japan. Seit mehr als 20 Jahren wird dort vor allem humanitäre Hilfe für die Opfer des Super-GAU 1986 in der Ukraine geleistet. »Wir warnen schon so lange davor, dass die Menschheit so etwas noch einmal erleben muss. Das alles ist so furchtbar, dass wir es überhaupt nicht richtig begreifen können«, fasst Sprecher Gerhard Keller die persönliche Betroffenheit auch namens der Arbeitskreis-Verantwortlichen Eberhard Klein und Reinhard Knauf zusammen. Man wolle nun keineswegs mit erhobenem Zeigefinger dastehen, allerdings müsse Politik nun klar aufzeigen, wie es mit der Atomenergie und nach dem vorübergehenden »Ausstieg vom Ausstieg« nun weitergehen solle. Keller: »Jetzt nur auf Wahltermine zu schauen wäre keine angemessene Reaktion, sondern erbärmlich«.

Denn nur allzu deutlich noch stehen den Arbeitskreis-Aktiven ihre Begegnungen in der Tschernobyl-Region vor Augen: »Wir haben Menschen kennengelernt, die strahlenkrank waren, den Tod vor Augen hatten . . .« Nicht auszudenken, welch furchtbares Desaster nun auf Japan zukommen könnte: »Wo sollen die Millionen Menschen hin?« Betroffenheit löst bei Keller, Knauf und Klein vor allem der Brief einer Pfarrerin der deutschen Evangelischen Gemeinde in Tokio aus, der hierzulande schon in Gottesdiensten verlesen wurde: »Das Entsetzen ist so groß und so nah, dass ich es nicht fühlen kann. Es passt in eine Seele nicht hinein.«

Gemeinschaftlich innehalten und für die Menschen in Japan beten möchte der Arbeitskreis spätestens am 26. April, wenn um 19.30 Uhr in der evangelischen Kirche der seit langem geplante Gedenkgottesdienst »25 Jahre Tschernobyl« stattfindet. Schreckliche Aktualität gewinnen angesichts der Vorgänge in Japan auch die vom Arbeitskreis geplanten Vortragsveranstaltungen zur Energiepolitik im Mai und Oktober/November. Keller merkt an, dass die Wirtschaft in Deutschland nicht in solch hohem Maße wie in Japan von der Atomenergie abhängig sei: Hier produzierten 17 Atomkraftwerke etwa 25 Prozent der Energie, dort stellten 55 AKW rund 80 Prozent Energieanteil sicher. Dazu habe letztlich auch die Anti-Atom-Bewegung in Deutschland beigetragen - und zu einem gewissen Anteil auch der Arbeitskreis. Dessen Anfang der 1990er Jahre anlässlich der Siemens-Boykott-Kampagne ausgegebene Leitwort sei ungeahnt aktuell: »Es reicht nicht aus, den Opfern einer Katastrophe die Wunden zu verbinden.«

 

»Humedica«-Team zurück - Benefiztermin in Wetzlar

Solms/Wetzlar (agl). Notfallmediziner Georg Müller aus Solms, stellvertretender Vorsitzender der christlichen Organisation »Humedica international«, sagte der Gießener Allgemeinen am Mittwoch, dass am vergangenen Freitag ein Team nach Japan gestartet war, dass es aber tags darauf wegen der atomaren Bedrohung wieder zurückgeholt wurde und wohlbehalten zurückgekommen sei. Es könne aber sein, dass sich erneut Humedica-Ärzte nach Japan aufmachen. Um Menschen in Fernost zu helfen, findet am 25. März um
19 Uhr die Benefizveranstaltung »Erdbeben, Tsunami, Atomkraft - Beten für Japan« statt.

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