03. Juni 2013, 15:38 Uhr

Wieder ein edles Güttler-Gastspiel in Kloster Arnsburg

Lich – Rüdiger Veit, der SPD-Bundestagsabgeordnete im Gießener Land, hieß am Sonntag in Kloster Arnsburg Musiker aus vier verschiedenen sächsischen Orchestern ebenso willkommen wie rund 500 Besucher »zu einem ganz besonderen Tag«: Als Initiator und Schirmherr eröffnete der 64-jährige Ex-Landrat das genau 20. Konzert mit Weltklassetrompeter Ludwig Güttler in dieser malerischen Umgebung.
03. Juni 2013, 15:38 Uhr
Ludwig Güttler (vorne) mit Mitgliedern seines Blechbläserensembles.

Der Erlös der Benefizveranstaltung kommt – wie in den Vorjahren – dem Erhalt der historischen Klosteranlage bei Lich zugute. Veit zeigte sich erfreut, dass das Publikum so lang die Treue gehalten habe und versprach »ein anspruchsvolles Programm«.

Zu Recht, wie sich zeigen sollte, bestach Güttler mit seinem elfköpfigen Blechbläserensemble doch abermals durch ausgefeilten Vortrag. Davon gewann man gleich zu Beginn, im ersten der »Fünf Tänze« von Tilman Susato eine Vorstellung. In der feierlichen Komposition faszinierten die Dialoge und Echowirkungen zwischen Hauptensemble auf der Bühne und Terzett im Seitenschiff.

Geschickt machten sich die Musiker die offene, transparente Akustik der Stiftskirchenruine zunutze, so auch beim folgenden Satz. Das artikulatorisch prägnante, detailfreudige Spiel dürfte das Herz vieler Renaissance-Liebhaber höher haben schlagen lassen. Auch bei der Pavane und doppelchörigen Kanzone von Moritz Landgraf von Hessen vermochte der Facettenreichtum zu begeistern. Wieder bezauberte die räumliche Tiefe, ist die Ruine doch den etwas beengten akustischen Verhältnissen im Dormitorium, wo die Konzerte gelegentlich witterungsbedingt stattfinden, weit überlegen.

Dass das Zusammenspiel perfekt koordiniert gelang, ist bei einem Ensemble dieses Formats fast schon selbstverständlich.

Ins Barock führte die ruhige Sarabande mit Variation (nach BWV 990) von Johann Sebastian Bach; die Bläser luden sie eindringlich mit Schwermut auf. Unterstrichen durch die idyllische Atmosphäre mit Vogelgesang, besänftigte die Musik das Gemüt geradezu. Ins Extreme gesteigert waren die Echoeffekte bei einer weiteren Bach’schen Komposition für drei Blechbläsergruppen (nach BWV 821).

Wohlbekannte Fanfarenklänge machten sich bei der Ouvertüre der Suite C-Dur aus der »Wassermusik« von Georg Friedrich Händel für Trompeten, Waldhorn, Posaunen und Tuba breit. Die in puncto Tongebung brillante, ausdrucksvolle Gestaltung ließ die frischen Temperaturen rasch vergessen.

Ungetrübtes Hörvergnügen boten auch der muntere Hornpipe-Satz oder das harmonische, weich intonierte Air. Auf den Punkt gebracht geriet die Rhythmisierung beim Bourrée-Finale.

Virtuose, energiegeladene Akzente setzte nach der Pause die Kanzone »La battera« von Costanzo Antegnati. Insgesamt ließ die nuancierte Spielweise die unterschiedlichen Klangfarben der Instrumente plastisch zutage treten; auch zum Schluss bei der Sonate des Romantik-Komponisten Viktor Ewald. Im Mittelsatz arbeitete das Ensemble den Bewegungskontrast zwischen weitläufig-ruhigen und schnellen Passagen ansprechend heraus. Das Finale sorgte für einen lebhaften, zuversichtlich stimmenden Abschluss.

Kräftigem Applaus folgten zwei Zugaben.

Zum Dank ein Seharsch-Gemälde

Als Dank für sein langjähriges Engagement bekam Güttler, der am 13. Juni 70 Jahre alt wird, von dem im nahen Muschenheim lebenden und in Arnsburg vielfältig verankerten Maler Peter Seharsch ein Bild mit Symbolcharakter geschenkt: »Das rote Tor«. Güttler öffne mit seinen Auftritten Türen, konnte man die Würdigung werten, verschaffe durch seine natürlichen Interpretationen vielen Menschen nachhaltig Zugang zur traditionellen Musik, zu populären Kompositionen ebenso wie zu Raritäten. Sascha Jouini

Schlagworte in diesem Artikel

  • Georg Friedrich
  • Georg Friedrich Händel
  • Johann Sebastian Bach
  • Klöster
  • Ludwig Güttler
  • Musikverein Griedel
  • Orchester
  • Rüdiger Veit
  • Sebastian Bach
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos