29. Mai 2012, 09:58 Uhr

Wetklassetrompeter Güttler spielte in Kloster Arnsburg

Lich (jou). Die Einschätzung des SPD-Bundestagsabgeordneten und Schirmherrn Rüdiger Veit, der bei seiner Begrüßung von einem »Klassikhöhepunkt im Landkreis Gießen« sprach, teilten offenbar viele: Rund 600 Menschen waren gekommen, um das 19. Gastspiel des Weltklassetrompeters Ludwig Güttler in Kloster Arnsburg zu erleben.
29. Mai 2012, 09:58 Uhr
Begeisterten rund 600 Zuhörer (von links): Roland Straumer (Violine), Bernd Schober (Oboe), Friedrich Kircheis (Cembalo), Ludwig Güttler (Jagdhorn), Tom Höhnerbach (Cello) und Slawomir Rozlach (Kontrabass). (Foto: jou)

Der Erlös des Konzert dient erneut dem Erhalt des Klosters. Unter Güttlers Leitung widmete sich das Leipziger Bach-Collegium bei vorzüglichem Wetter unter freiem Himmel zunächst der Sonate C-Dur von Prentzel. Die feierliche, von Güttler, Bernd Schober (Oboe) und Tom Höhnerbach (Cello) ausgefeilt intonierte Melodie wirkte im Andante-Kopfsatz erbaulich aufs Gemüt. Schwermütige, sehr ernst gespielte Cellophrasen über der Basso continuo-Begleitung entfalteten im zweiten Satz einen ganz besonderen Zauber.

Im Präludium von Georg Philipp Telemanns Quartett D-Dur zogen die reizvollen Dreiklangsbrechungen der Querflöte in Bann. Flötist Karl-Heinz Passin musizierte mit anmutiger, schattierungsreicher Tongebung und bildete mit Roland Straumer (Violine) und Höhnerbach sowie Friedrich Kircheis (Cembalo) und Slawomir Rozlach (Kontrabass) ein harmonisches Ensemble. Hier, aber auch in den weiteren Sätzen sorgte die spezielle Atmosphäre der Stiftskirchenruine mit der transparenten Akustik und dem idyllischen Vogelgezwitscher für ungetrübten Genuss, ließ die Musik zum Balsam für die Seele werden. Da gingen exzellente, penibel auf artikulatorische Details und Ausdrucksnuancen achtende Künstler zu Werke. Sie spielten durchweg mit akkuratem Timing, leisteten sich keinerlei rhythmische Ungenauigkeiten.

Bereichert wurde das Programm durch Arien aus geistlichen Kantaten von Johann Sebastian Bach, für die sich die Ruine ebenfalls als stimmungsvoller Rahmen erwies. Bei der Arie »Was Gott tut, das ist wohlgetan« aus BWV 100 fiel vornehmlich das glockenartig leuchtende Timbre der Altistin Stephanie Atanasov auf. Sie sang religiös inspiriert, nur schien die Textverständlichkeit noch verbesserungswürdig. Dies galt auch für die Arie »Ich will doch wohl Rosen brechen« (BWV 86), in der die Zuversicht, von Gott erhört zu werden, in den Fokus rückt. Atanasovs Interpretation zeugte von inniger Empfindung; das Ensemble lieferte eine farbkräftige Begleitung. In der Arie »Betörte Welt, betörte Welt« – hier steht die Verbundenheit zu Jesus als Alternative für materiellen Reichtum – lieferte die Flöte eine makellose Untermalung des Gesangs. Mit solider Vibratotechnik und klarem Ausdruck meisterte die Altistin die Arie »Gott ist unser Sonn und Schild«. Bei der Arie »Meine Seele, auf, erzähle« gefiel vor allem, wie Oboe und Violine zur melodischen Ausdifferenzierung beitrugen, eine untrennbare kompositorische Einheit mit der Gesangsstimme bildeten.

Wieder einmal bewies Güttler, dass er ebenso souverän wie die Trompete das Jagdhorn beherrscht, Letzteres verschmolz sehr schön mit Oboe und Violine im Largo aus dem Concerto Es-Dur unbekannter Autorschaft. Zu diesem ruhigen Satz kontrastierte das rasche, überaus vital zu Gehör gebrachte Allegro-Finale. Darin stand das spritzige, wohldosiert scharfe Jagdhorn der in der Tongebung weichen Violine und Oboe gegenüber.

Das ganze Bach-Collegium musizierte zum Schluss vereint im Concerto C-Dur von Tomaso Albinoni. Güttler verlieh der Trompete im eröffnenden Allegro intensiv klangliche Brillanz und lenkte sein Augenmerk auf fein abgestimmte Interaktion mit dem Ensemble. Die Bläser und Streicher traten wirkungsvoll solistisch hervor. Mit dem Presto-Finale ging das Konzert so festlich zu Ende, wie es begonnen hatte. In den schnellen Läufen und Verzierungen vermochte Güttler noch einmal mit seiner großen Virtuosität zu verblüffen. Anhaltendem Beifall folgte eine Zugabe.

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