Lich

Volker Rebell mit Artrock im »Traumstern«

Lich (vh). Volker Rebell, der Radiomoderator mit dem ungewöhnlichen Nachnamen, steht natürlich stets für etwas Besonderes. Sein neues Projekt »Pink Floyd meets New Artrock« präsentierte er am Donnerstagabend im Licher Kino »Traumstern«.
25. November 2011, 21:23 Uhr
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Drei Herren der Band »Waniyetula«. Bei ihnen ging es gemächlich zu. (Foto: vh)

Nicht ganz ausverkauft, das Publikum altersgemischt, der Anteil der Älteren überwog. Denn was Rebell anzubieten hatte, glich mitunter einer Zeitreise in die Ära Ende der 60er Jahre, als der Artrock ins Rollen kam und den Gute-Laune-Party-Pop der Hitparade in die Ecke stellte, wie Rebell es ausdrückte. Drei Bands aus der aktuellen Nu-Progressive-, Artrock-, Symphonic-Rock-Szene demonstrierten den modernen Sound der künstlerisch ambitionierten Rock-Stile in der Nachfolge von Gruppen wie Pink Floyd, Genesis oder King Crimson.

Musikalisch, spieltechnisch und in jeder Hinsicht ein Stückchen besser sollte die neue Richtung, der Art-rock, sein. Größere Instrumentalbandbreite als bisher üblich, dazu visuelle Effekte und ein ganz neuer Standesdünkel. Es entstand Rockmusik mit gehobenem Anspruch, der sich in der Kunst und Literatur umsah und hierzu Vertonungen schrieb. Über diese Ära berichtete Rebell in den Umbaupausen. Er hatte zu diesem Zweck auch Hörbeispiele aus der Konserve mitgebracht. Spielte etwa »Tarkus« von Emerson, Lake & Palmer oder »Carpet Crawlers« von Genesis vor. Und Rebell begleitete vier Bands auf einer kleinen Tournee in Hessen und dem nahen Umland als Moderator. Von ihnen traten aber jeweils nur drei zusammen auf, sonst wäre die langen Abende noch länger geworden. Unter dem Tournamen »Festival Premium-Rock – Pink Floyd meets New Artrock« wurden alte Erinnerungen geweckt und neue Aspekte gezeigt.

Pink-Floyd-Sound im 21. Jahrhundert lieferte »Floyd Reloaded«. Die Gruppe wurde vor zwei Jahren gegründet und zollt der mutmaßlich populärsten Artrock-Band des Pop musikalischen Tribut. Die neunköpfige Band aus dem Rhein-Main-Gebiet interpretiert die alten Floyd-Songs auf eigene Art und Weise in einer aufwendigen Show-Dramaturgie. Aber auch eigene Songs im Stil und Sound nachempfunden hat man arrangiert.

»Eclipse Sol-Air« ist eine achtköpfige deutsch-französische Band, die Symphonic-Rock durch mitreißende Drum-Rhythmen abliefert. Die französische Frontfrau Mireille war in Lich mit einer vollen Stimme gut dabei, und der charismatische Sänger und Performer Philippe (hatte Schauspielunterricht) setzte Akzente bewegungstechnischer Art. Die Gruppe ist beeinflusst von Genesis und schreibt in der Regel ihre Songs selber. Die Liederthemen handeln von unglücklicher Liebe und anderen Abgründen der menschlichen Seele. Da gibt es den »Reaktor-Song« als Reaktion auf Tschernobyl und den Vorschlag von Philippe, die großen Maschinenhallen der einmal stillgelegten Atomkraftwerke zu Kulturzentren umzuwandeln. Strahlende Brennstäbe würden durch Musik zum Abklingen gebracht. Der Musikstil war sehr emotional und ging unter die Haut. Es wurden verstärkt Lichteffekte eingesetzt. Auf der Bühne herrschte eine gewisse Unruhe. Die Musiker und Sänger wechselten hin und wieder ihre Position.

Keine großen Gesten

Ganz anders dagegen die Band »Waniyetula«. Der Name bedeutet in der Sprache der Sioux-Indianer Winter. Sie zählt zu den ersten Artrock-Bands in Deutschland. Gitarrenbetont der Sound. Die Herren machten sparsam Bewegung, eher melodische Läufe auf den Gitarren und dem Keyboard als große Gesten auf der Bühne. Ihre Texte sind aus Edgar Allan Poes »Tales of Mystery and Imagination«. Mystische Songs wie »The Valley of Unrest« oder »Alone« machten Eindruck. Michael »Wolle« Wollesky war für den E-Bass, Vocals und lauter pfiffige Sprüche zuständig. Etwa dass man nicht wirklich wisse, was die Indianer damals in ihrer Friedenspfeife geraucht hätten. »Aber wenn sie rauchten, konnten sie so ein Zeug spielen wie wir«. Und man sollte auf der Bühne nicht zu schnell spielen, hier würde jetzt auch »geblitzt« werden.

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