22. Februar 2009, 21:24 Uhr

Topmobbels, stehende Ovomaltinen und Erholung im Zöli-Bad

Lich (ri). »Helau! Habt Ihr Lust?«, rief die Sitzungspräsidentin Dr. Susanne Matschurat am Samstag in den mehr als dicht besetzten Licher Don-Bosco-Saal und ahnte bei der kräftigen Zustimmung wohl noch nicht, wie sehr sich die Freude an der flotten Unterhaltungsmusik von Klaus Heller und Oliver Mulch, an Tänzen, Reden, Gesängen und Sketchen in den nächsten fünfeinhalb Stunden noch steigern würde.
22. Februar 2009, 21:24 Uhr
A. Leidner

Lich (ri). »Helau! Habt Ihr Lust?«, rief die Sitzungspräsidentin Dr. Susanne Matschurat am Samstag in den mehr als dicht besetzten Licher Don-Bosco-Saal und ahnte bei der kräftigen Zustimmung wohl noch nicht, wie sehr sich die Freude an der flotten Unterhaltungsmusik von Klaus Heller und Oliver Mulch, an Tänzen, Reden, Gesängen und Sketchen in den nächsten fünfeinhalb Stunden noch steigern würde. Das Motto »Bei Fasching gibt’s nur eine Wahl - Lachen im Don-Bosco-Saal« hätte ebenso zu den früheren tollen Fastnachtssitzungen in St. Paulus gepasst, doch in diesem Jahr stieg die Stimmung wegen der kaum glaublichen Schlagfertigkeit und Spontaneität sowohl seitens der Narrenschar als auch der Akteure bis zum fulminanten Finale geradezu »bis zum Nordpol«. »Gnädig« hatten die Damen vom Komitee einen »Hahn im Korb« in ihre Mitte genommen, Pfarrer Matthias Schmidt aus Gießen, der nicht zum ersten Mal bewies, mit wieviel verstecktem Humor und lustigen Versprechern er zu moderieren verstand, wenn seine tolle Präsidentin »ganz in Weiß« mal kurz Luft holen musste.

Schließlich stellte sie beim Austeilen der Orden alle Aktiven namentlich vor, so die »All Stars« nach ihrem flotten Gardetanz und die VFL-Tigers »The Agency« nach einer »echt coolen Performance«, die Christina Jirschim mit den Muschenheimern einstudiert hatte. Ohne Zugabe kamen auch die folgenden Tanzgruppen nicht von der Bühne, so das sehr junge Paar Timo und Tamara aus Hungen, das raffiniert kostümierte Männerballett »Die kessen Stewardessen« oder auch die Gardetanz-Gruppe aus St. Bonifatius Gießen. Mit Freude stellten die stürmisch applaudierenden närrischen Gäste fest, dass wieder »junge Leute« das Programm mitgestalteten, unter anderem Carolin Fischer und Lea Wicht mit ihrem schwungvollen Showtanz »Joseph«.

In der »Bütt« stand zunächst »die einsame Dicke« (Sandra Schnepf), die wegen ihrer Pfunde bei Dieter Bohlen nicht ankam, obwohl der Arzt diagnostiziert hatte, sie habe nur zuviel Knochen, Haut und Haar.

»Als junges Mädchen hat man’s schwer! Ach, wenn ich doch schon 20 wär!«. beklagte sich die blutjunge Annika Leidner und stöhnte (heiter lächelnd) über die Maßregelungen der Mama, obwohl die »ohne ihren Verputz« selbst den Papa erschrecken würde. Einen Mann mit Geld will sie sich angeln, und der müsste sein wie Bernd Klein, der nach ihr in die Bütt stieg. Zu gern hätte man den Licher Bürgermeister wie beim Fasching in Langsdorf mit langen blonden Locken als »Germany next Topmobbel« erlebt, aber seine im Dialekt vorgetragenen Reime über die Strapazen des Ehelebens und die Feststellung, dass ohne die »Krone der Schöpfung«, die »zum Herrschen Geborenen«, alle Frauen verloren seien, brachten dem Stadtoberhaupt jubelnden Beifall und anregende Zwischenrufe ein.

Alt-Fastnachter Gerd Wagner, dem Pfarrer Ulrich Neff um Mitternacht zum Geburtstag gratulieren konnte, versprach sich nicht ein einziges Mal bei seinem auswendig vorgetragenen gespielten Gedicht als »Mückenfänger«. Wie in den Vorjahren ließ er die Gäste wieder das »letzte Wort«, sprich: den Reim auf seine Verse finden. Beim Anblick des Insekts, das stur an seinem Bett sitzen blieb, steigerte sich der Büttenredner zum wütenden Feind der Killer-Mücke, die er schließlich mit der Handgranate erledigen will. Bevor ein Riesenapplaus im Saal einsetzte, verwandelte sich die Mücke aber doch in einen wunderschöne Zauber-Prinzessin, die mit Liebesblick die Strapazen vergessen ließ.

Ein zartes »Hosianna« ist Pfarrer Neffs Lieblings-Fastnachwort, und so begann er als »Protokoller« den Rückblick auf das St.-Paulus-Jahr 2008, in dem er seine Gemeinde fast verlassen hätte, um an den Neckar zu ziehen. Aber ohne Lich wäre es ihm doch langweilig geworden, bekannte er in feinen Versen und sang »Über sieben Jahre stehe ich hier«, und »Was kann der Pfarrer denn dafür, dass er so schön ist?« Nach dem Rückblick auf wichtige Ereignisse im Gemeindejahr stimmten alle im Saal gern mit ein: »Trinkfest und arbeitsscheu - aber der Kirche treu! Halleluja!« und erklatschten noch eine Zugabe.

Zwischen den Reden sorgten noch zwei Sketche für Hochstimmung im Saal. Die Hauptantwort von Aschenputtel zu ihren bösen Schwestern und der guten Fee war auf alle Fragen ein Vielfaches »o. k.«. »Du darfst nicht zum Ball!« O. k.! - »Willst du mich heiraten?« O. k! Das zauberhaft von jungen Mädchen gespielte Märchen wurde ebenso bejubelt wie der Auftritt der drei Pfarrer Dr. Bernhard Falck, Matthias Schmid und Ulrich Neff (»alle noch Single«!) im Sketch »Herzblatt«. Die Antworten auf Fragen des »Engels Pauline« sorgten für Lachstürme, egal, ob es im »Zöli-Bad« um Erholung oder um den Rosenkranz beim Einschlafen ging. Als der Sieger, Ulrich Neff, dann seinen Engel traf, wurde ihm ein Bienenkleid übergestülpt und prompt sang er laut und schön von der Biene Maya.

A-capella-Musik vom Feinsten und Entertainment der Extraklasse boten die bekannten »Bembelsänger«. Sehr lang wurde ihr Auftritt wegen der vielen Zwischenrufe. Stimmlich gewaltig und sehr harmonisch kamen ihre Lieder, die ihre besondere Würze erhielten durch die witzigen Gespräche untereinander. »Mampfe Döner mit mir, - weil scharfe Sauce dich glücklich macht«, gefiel ebenso wie etwa zehn der beliebtesten Karnevalsongs »Am Rosenmontag« oder »Humba täterä«. Überraschend still vor Bewunderung wurde es bei Ingo Lapps Solo, der als »schüchterner« Tenor in den höchsten Höhen von der großen Liebe träumte.

Bevor weit nach Mitternacht zum Finale auf die Bühne gebeten wurde, stieg als Stargast Andrea Thalacker in die Bütt, dieses Mal als »Model 3-mal X und 1-mal L«. Ihr »Owwerhessisch« würzte sie mit feinen französischen Ausdrücken, da sie doch bei einem Parisbesuch vom Eiffelturm und direkt in die Arme von Karl Lagerfeld gefallen war. Er fand sie »très dick« aber durchaus chic und engagierte sie als Model. Und was sie in ihrem neuen Job erlebte, bis »Paris den Atem anhielt« und sie »stehende Ovomaltinen« erlebte, kam so witzig, dass sich beim starken Schlussapplaus alle wünschten, Andrea Thalacker noch oft im Fasching wiederzusehen.



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