08. Januar 2016, 18:33 Uhr

Tausendfacher Buch-Erfolg

Lich (us). Rund 15 000 Bücher, Zeitschriften und CDs, fast 2000 registrierte Nutzer: Die Licher Stadtbibliothek am Kirchplatz hat sich in den bald fünf Jahren seit ihrer Gründung rasant entwickelt. Ein Großteil der Arbeit wird von den mehr als 30 ehrenamtlichen Helfern des Fördervereins gestemmt. Helferinnen, müsste man besser schreiben, denn die meisten sind Frauen. Sie sorgen dafür, dass die Ausleihe an sechs Tagen pro Woche möglich ist.
08. Januar 2016, 18:33 Uhr
Ohne die ehrenamtlichen Helfer des Fördervereins gäbe es die Licher Stadtbibliothek wohl nicht. Sie sorgen dafür, dass die Ausleihe an sechs Tagen pro Woche geöffnet ist. (Foto: us)

Eigentlich öffnet die Licher Stadtbibliothek nachmittags erst um 16 Uhr. Doch darum scheren sich die Leser nicht. Sobald jemand hinter dem Ausleihe-Tresen sitzt, klopfen sie an die Tür: »Ich will nur kurz was zurück geben...« Selbst in der stillen Zeit rund um den Jahreswechsel herrscht in der Bücherei Betrieb. Dass es diesen Treffpunkt im Herzen der Altstadt seit bald fünf Jahren gibt, ist dem Förderverein Stadtbibliothek zu verdanken. Er hat nicht nur das Licher Parlament davon überzeugt, die letzten Fördergelder aus der Stadtsanierung für dieses Projekt freizugeben. Er sorgt mit seinen mehr als 30 Ehrenamtlichen auch dafür, dass die Bibliothek an sechs Tagen pro Woche geöffnet ist. Mindestens zwei Aktive sitzen dann hinter dem Tresen, um Bücher auszugeben, rückzubuchen und wieder in die Regale einzuordnen.

Dienstags sind meistens einige Helfer mehr da, drei, vier oder fünf. »Wir wursteln hier gerne mit vielen rum«, sagt Hille Neumann, die an diesem Nachmittag mit Inge Ziegelmeier und Marita Imhäuser-Krauß an der Ausleihe sitzt. So bleibt Zeit für Extra-Arbeiten wie das Katalogisieren neuer CDs. Später stößt noch Henriette Zimmer hinzu, um ein paar Bücher einzubinden.

Als die Bibliothek am 13. März 2011 eröffnete, waren die Regale noch ziemlich leer. Etwa 2000 Medien gehörten damals zum Bestand. Das hat sich gründlich geändert. 15 000 Bücher, CD und Zeitschriften stehen mittlerweile zur Verfügung. Oben, bei den Romanen, wird der Platz teilweise knapp. »Beim Buchstaben K müssen wir schon quetschen. Wir werden wohl bald anfangen müssen, Bücher wieder auszusortieren,« sagt Hille Neumann.

Steil nach oben gehen auch die Nutzerzahlen. 900 Leseausweise wurden im ersten Jahr nach der Eröffnung ausgestellt. 2015 waren es schon über 1900. Allein mit Ehrenamtlichen lässt sich eine Einrichtung dieser Größenordnung nicht bestreiten. Die Licher teilen sich deshalb eine Bibliotheksfachkraft mit der Nachbarstadt Hungen. Anne Dietz kümmert sich vor allem um die Einkäufe und die Abrechnung, sie hat den gesamten Überblick. »Wir sprechen alles mit ihr ab«, sagen die Dienstagsfrauen, von denen einige schon Bibliothekserfahrung mitgebracht haben. Hille Neumann zum Beispiel hat sich mehr als 20 Jahre lang um die Schulbibliothek der Dietrich-Bonhoeffer-Schule gekümmert, Marita Imhäuer-Krauß gemeinsam mit Müttern in Wetzlar eine Grundschulbücherei aufgebaut und geführt. »Das hat viel Spaß gemacht«, erinnert sie sich. Mittlerweile ist die Anneröderin im Ruhestand. Als sie hörte, dass in Lich ehrenamtliche Helfer für die Stadtbibliothek gesucht werden, hat sie sich gemeldet. Nicht zuletzt wegen des »wunderbaren Bestands an Kinderbüchern« fühlt sie sich der Licher Bibliothek verbunden. »Und man kriegt Anregungen zum Selberlesen«.

Ähnlich war es bei Inge Ziegelmeier. »Ich bin Rentnerin. Ich bin gerne mit Menschen zusammen. Und ich lese gerne.« Als der Förderverein gegründet wurde, war sie gleich dabei. »Es macht Spaß«, sagt auch Hille Neumann. »Vor allem, weil sich die Dinge so positiv entwickelt haben.«

Besonders intensiv wird die Stadtbibliothek von jungen Familien genutzt. »Sie sagen uns immer wieder, wie teuer es wäre, wenn sie die Kinderbücher alle kaufen müssten«, erzählt Neumann. »Aber natürlich müssen wir ganz unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen.« Insofern freut sich die ehemalige Lehrerin, dass auch anspruchsvolle Leser in den gemütlichen Räumen am Kirchenplatz etwas Passendes finden.

Zudem hat sich die Stadtbücherei zu einem kulturellen Ort entwickelt. Wir haben tolle Lesungen hier«, sagt Neumann. Auch die werden ehrenamtlich organisiert. Ebenso das »Licher Literaturgespräch«, bei dem Dr. Peter Ihring Bücher vorstellt und zur Diskussion stellt, oder das beliebte Format »Licher lesen«, bei dem wechselnde Protagonisten zweimal im Jahr ihre Lieblingsbücher präsentieren. Kleine Kinder können sich regelmäßig etwas vorlesen lassen. Und im Foyer vorm Bürgerbüro liegt alle vier Wochen neu das »Gedicht des Monats« zum Mitnehmen aus. Eine kleine, charmante Geste und typisch für die ehrenamtliche Bibliotheksarbeit, die davon lebt, dass Menschen ihre eigene Passion mit anderen teilen.

Hille Neumann hat nachgerechnet, dass allein ihre Dienstagsgruppe seit Eröffnung der Bücherei rund 2000 Stunden Dienst geschoben hat. Die Ausleihzeiten, die der Förderverein abdeckt, und das Drumherum summierten sich Woche für Woche auf rund 40 Stunden. »Also eine volle Stelle.« Die hätte die Stadt nie und nimmer finanzieren können. Neumann lässt ihren Blick durch den Raum schweifen. »Ohne die Ehrenamtlichen könnte man das hier alles vergessen.«

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