27. November 2012, 09:13 Uhr

Schläge, Suff und Sozialpädagogik

Gießen/Lich (sha). Er habe gesehen, wie der mittlerweile 19 Jahre alte Angeklagte seinen Freund gezwungen habe, sich hinzuknien. Dann habe der Mann versucht, nach dessen Kopf zu treten.
27. November 2012, 09:13 Uhr
(Foto: Schepp)

Dies sei das »Schlimmste des ganzen Abends« gewesen, berichtete ein Zeuge am Montag einer Richterin des Gießener Amtsgerichts. Die beiden Täter bekamen Jugendstrafen.

Auslöser der Schlägerei in Nieder-Bessingen am 5. November des vergangenen Jahres war laut Zeugenaussagen, dass der 19-jährige Haupttäter gegen eine Hauswand uriniert hatte. Dies hatte ein 21-jähriger Student gesehen, der zusammen mit zwei Freunden auf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier war. Sinngemäß habe er den Angeklagten gefragt, ob das denn sein müsse und daraufhin einen Faustschlag ins Gesicht bekommen. Einer seiner Freunde habe ihm helfen wollen und ebenfalls einen Faustschlag ins Gesicht kassiert. Danach habe es ein Gerangel gegeben, bei dem auch der 19-jährige Angeklagte Schläge abbekommen habe. Anschließend habe sich der Angeklagte getrollt, sei dann aber mit mehreren anderen wiedergekommen. Dies bestätigte auch ein 22-jähriger Zeuge. Das dritte Tatopfer gab an, sich wegen des vorangegangenen Alkoholkonsums bei der Geburtstagsfeier an kaum noch etwas erinnern zu können.

Die beiden anderen Zeugen berichteten, dass sie erneut von dem 19-Jährigen und dessen um ein Jahr älteren Freund geschlagen worden wären und dabei mehrere Bekannte der beiden Täter sie umringt hätten. Eine Flucht in einen Hof sei misslungen, weil ein Bewegungsmelder sie verraten habe.

Immerhin habe der ältere der beiden Täter sich in dem Hof beruhigen lassen, während der jüngere Angeklagte sehr aggressiv geblieben sei. Er habe den 22-Jährigen noch verfolgt, diesen gezwungen, sich hinzukien und dann versucht, ihm »wie auf einen Fußball« gegen den Kopf zu treten. Glücklicherweise konnte der sich zur Seite drehen, so dass er von dem Tritt nur gestreift wurde.

Eines der Opfer erlitt einen Kieferbruch, das andere verlor einen Zahn. Die beiden Angeklagten, die die Taten zum Teil gestanden hatten, gaben an, ebenfalls alkoholisiert gewesen zu sein. Sie entschuldigten sich ausdrücklich bei den Opfern und deren Angehörigen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte, beide Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen. Den Haupttäter zur Ableistung von 90 Stunden gemeinnütziger Arbeit sowie auf Anraten der Jugendgerichtshilfe zur Teilnahme an einem sozialpädagogischen Wochenende, um die Tat aufzuarbeiten. Für den älteren Angeklagten forderte sie eine Geldstrafe von 400 Euro.

Die Richterin folgte diesem Plädoyer, reduzierte aber die Geldstrafe auf 300 Euro und die gemeinnützige Arbeit auf 30 Stunden.



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