06. Mai 2012, 20:58 Uhr

Sarah Bowman in Lich - »zum Dahinschmelzen«

Lich (juw). Einen wahren Ohrenschmaus für Liebhaber von akustischer Singer-Songwriter-Musik hatte der Licher Kulturförderverein »künstLich« da einmal mehr an Land gezogen: Bereits zum vierten Mal begrüßte der Vorsitzende Peter Damm am Samstagabend die gebürtige US-Amerikanerin Sarah Bowman in der Bezalel-Synagoge.
06. Mai 2012, 20:58 Uhr
Diesmal ohne Zwillingsschwester Claire: Sarah Bowman war zum vierten Male bei »künstLich« im »Traumstern« zu Gast, diesmal in Begleitung ihres Partners Rene Coal Burrel. (Foto: juw)

Diesmal war sie nicht wie sonst mit ihrer Zwillingsschwester Claire unterwegs (bekannt als »The Bowmans«), sondern hatte den Schweizer Sänger und Gitarristen Rene Coal Burrell an ihrer Seite.

Er sei einer der vielen talentierten Musiker, die sie auf ihren Konzertreisen rund um den Globus getroffen habe, erzählte die Sängerin, die inzwischen in der Schweiz sesshaft geworden ist – doch gefunkt hat es zwischen den beiden nicht nur musikalisch. Da lag die Idee zu einer gemeinsamen Tournee nahe. Zumal Bowman im letzten Jahr mit »Empty Houses« ihr erstes Soloalbum aufgenommen hat, das sie natürlich im Gepäck hatte – ebenso wie »Coal« Burell, der einige Stücke aus seiner jüngsten Veröffentlichung »Lose Sleep At Night« zum Besten gab. So teilten sich beide die Gesangsanteile, Bowman wechselte indes von der Gitarre zum Cello und schließlich ans Klavier.

Die Zuhörer waren von Anfang an gefesselt – es brauchte dazu nicht mehr als ein paar gezupfte Akkorde und Sarahs klare Stimme, als sie das Konzert alleine an der Gitarre eröffnete. Am schönsten war der Abend jedoch, wenn »Coal« an ihre Seite sprang, in die Saiten griff und die Stimmen der beiden im Harmoniegesang verschmolzen.

Wer die »Bowman Sisters« kennt, weiß um Sarahs herausragende Qualität als Interpretin emotionaler Folksongs aus eigener Feder. Mit »Coal« präsentierte sich in Lich ein ebenbürtiger Partner, ein Troubadour und musikalischer Vagabund, der sich in der Schweiz bereits einen Namen gemacht hatte, als er sich entschloss, in den USA die Wurzeln von Country und Folk zu studieren. »Like An Old Country Song« war seine Hommage an diese Zeit: »Wenn das Leben doch nur so einfach wäre wie ein Country-Song.«

Beide hatten in ihren Liedern viel zu erzählen von Erlebnissen und Lebenseindrücken. Über 1000 Konzerte hat Sarah Bowman mit ihrer Schwester weltweit gegeben und dabei einige Jahre im Auto gelebt, ohne rechtes Zuhause. »New York Rain« erzählte eine Geschichte von einem Konzert und einer anschließenden Nacht ohne Dach über dem Kopf, die aber zu einer lebenslangen Freundschaft führte. Der Titelsong ihres Albums handelt denn auch von der Suche nach einem Ort zum Bleiben; den hat sie inzwischen wohl in der Schweiz gefunden, ebenso wie Coal pendelt sie aber weiterhin zwischen den Kontinenten hin und her. »Empty Houses«, so habe man ihr gesagt, scherzte die Sängerin, sei ein schlechtes Omen für einen Albumtitel und eine Konzertreise. Doch bis jetzt habe sich diese Prophezeiung zum Glück nicht erfüllt. Schade, dass jedenfalls in Lich einige Plätze leer geblieben waren, das hatten die beiden exzellenten Musiker nicht verdient. »Zum Dahinschmelzen« lautete denn auch der Tenor des begeisterten Publikums.

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