Lich

Rund 700 000 Euro Schaden bei Feuer in Licher Druckerei

Lich (tb). Immensen Schaden - laut ersten Schätzungen der Polizei dürfte sich der Betrag um die 700 000 Euro einpendeln - hat der Brand einer Druckerei in Lich angerichtet. 63 Feuerwehrleute aus der Kernstadt sowie mehreren Stadteilen bekämpften in der Nacht zum Montag ab Mitternacht die Flammen.
15. November 2010, 20:40 Uhr
In Lich hat in der Nacht zum Montag der Brand in der Druckerei    »Am Wall« (ehemals Möbelhaus Kampeitz) einen Schaden von rund
In Lich hat in der Nacht zum Montag der Brand in der Druckerei »Am Wall« (ehemals Möbelhaus Kampeitz) einen Schaden von rund 700 000 Euro angerichtet. Allein die Druckmaschine - auf dem Foto im Hintergrund auszumachen - hat einen Neuwert von 650 000 Euro, wie Unternehmer Ralph Sommerlad der »Allgemeinen Zeitung« sagte. Gestern nahmen Beamte der Kriminalpolizei Gießen die Ermittlungen auf. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. (Fotos: tr)

Lich (tb). Immensen Schaden - laut ersten Schätzungen der Polizei dürfte sich der Betrag um die 700 000 Euro einpendeln - hat der Brand einer Druckerei in Lich angerichtet. 63 Feuerwehrleute aus der Kernstadt sowie mehreren Stadteilen bekämpften in der Nacht zum Montag ab Mitternacht die Flammen. Da frühzeitig alarmiert, konnten sie brisante Chemikalien rechtzeitig vom Brandherd entfernen, wie Stadtbrandinspektor Marco Römer auf Anfrage sagte. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, gestern Nachmittag das erste Fazit: »Wir gehen von Brandstiftung aus.« Ralph Sommerlad, Besitzer der »RS Druckservice« mit ihren fünf Festangestellten und 30 bis 40 Aushilfen, steht vor einem Scherbenhaufen: »Die Auftragsbücher sind voll bis zum Anschlag. Dieses Jahr geht da nichts mehr. Eine Katastrophe.«

Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens in der Straße »Am Wall« nahe des Rewe-Marktes sind Geschäfts- und Werbedrucksachen. Glück im Unglück: Auf dem Grundstück befindet sich eine Spielhalle. Deren Kunden bemerkten gegen Mitternacht das Feuer, alarmierten die Rettungskräfte, wie SBI Marco Römer sagte. Nur sieben Minuten später waren bereits die ersten Kräfte mit Einsatzleitwagen, Tanklöschfahrzeug und Drehleiter vor Ort.

Ein lauter Knall, verursacht von einer berstenden Schaufensterscheibe im vorderen Gebäudeteil (ehemals Möbelhaus Kambeitz), und dunkler Qualm hatte weitere Passanten auf den Brand aufmerksam gemacht. Und vor allem die Besitzer einer Wohnung im Obergeschoss des Druckereigebäudes: Noch vor Eintreffen der Rettungskräfte hatten diese ins Freie flüchten können. Niemand wurde verletzt.

Nach bisherigen Erkenntnissen, so die Polizei, nahm der Brand seinen Ausgang im Bereich der Druckmaschinen und dort gelagerter Papierstapel. Bis dato gehen die Ermittler auch davon aus, dass die Feuerwehren aus Lich-Kernstadt, Eberstadt, Birklar, Ober-Bessingen und Bettenhausen einen Gebäudeschaden verhindern konnten. Wie wiederum der Licher Stadtbrandinspektor relativierte, bleibe doch abzuwarten, ob der Beton die extreme Hitze überstanden hat. Angrenzendes »Casino«, Büroräume und Wohnungen aber konnten in jedem Fall vor den Flammen gerettet werden.

Nicht weniger als 63 »Floriansjünger« bekämpften das Feuer. Zunächst bis 4 Uhr, gegen 8 Uhr konnte dann auch die letzte Brandwache abgezogen werden. Die erhebliche Zahl der Kräfte wird vor allem mit der starken Verrauchung der Halle erklärt, was den Einsatz von allein 33 Atemschutzgeräteträgern erforderte. Laut Römer bestand eine enorme Hitze und mithin die Gefahr eines »Flashover«, die aber dank der frühzeitigen und konzentrierten Brandbekämpfung gebannt werden konnte. Ist das Gebäude nach dem erstem Anschein gerettet worden, sind die Zerstörungen des Inventars umso schlimmer. Ein Opfer der Flammen wurde so das Herzstück des Betriebs, eine Druckmaschine, deren Neuwert Ralph Sommerlad mit 650 000 Euro bezifferte. Für den Unternehmer ist der Brand eine »Katastrophe«, zumal gerade jetzt die Bücher randvoll mit Aufträgen seien. Sommerlad rechnet nicht damit, dass die Produktion in diesem Jahr wieder aufgenommen werden kann. Er sucht nun Betriebe, die - im Interesse seiner Kunden - kurzfristig die Aufträge abarbeiten. Neben Werbe- und Geschäftsdrucksachen hat der Licher Betrieb auch einen Mailing-Auftrag für die »José-Carreras-Leukämie-Stiftung« übernommen. Der Auftrag umfasst 350 000 Briefe, allein den Wert des Portos beziffert Sommerlad mit rund 80 000 Euro, den Gesamtwert mit rund 120 000 Euro. Was das Feuer von den Briefen übrig ließ, das konnte Sommerlad noch nicht sagen.

Beamte der Kripo Gießen waren gestern vor Ort. Nach der ersten Untersuchung gehe man, so die Polizei am späten Nachmittag, von Brandstiftung aus, die Ermittlungen dauern an.

 

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