19. November 2008, 16:20 Uhr

Profis mit Herz und Humor

Lich (vh). Sie spielten zu Jahresbeginn am 17. Januar in der Princes Road Synagogue bei den Holocaust Memorial Events in Liverpool und nun anlässlich der Reihe »9. November 1938 in Lich« im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge. Yaakov Shapiro (Bariton) und Valerij Aivazjan (Piano) sind eine der ersten Adressen für jiddische Lieder und Anekdoten. Sie haben Herz und Humor und sind beide sind für sich betrachtet absolute Profis: Shapiro als Entertainer und Aivazjan, der virtuose Tastenkünstler.
19. November 2008, 16:20 Uhr
Yaakov Shapiro (Bariton) und Valerij Aivazjan (Piano) sind eine der ersten Adressen für jiddische Lieder und Anekdoten. Am Dienstag waren sie im Licher Kulturzentrum Bezalel-Synagoge zu Gast. (Foto: vh)

Lich (vh). Sie spielten zu Jahresbeginn am 17. Januar in der Princes Road Synagogue bei den Holocaust Memorial Events in Liverpool und nun anlässlich der Reihe »9. November 1938 in Lich« im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge. Yaakov Shapiro (Bariton) und Valerij Aivazjan (Piano) sind eine der ersten Adressen für jiddische Lieder und Anekdoten. Sie haben Herz und Humor und sind beide sind für sich betrachtet absolute Profis: Shapiro als Entertainer und Aivazjan, der virtuose Tastenkünstler.

Während des »Dritten Reiches« gab es auf polnischem Gebiet drei große Ghettos: Lodz, Warschau und Krakau. Shapiro überlebte als Kind die Menschenvernichtung in Lodz, fand nach Palästina und in Haifa seine neue Heimat. Hier erhielt er eine Ausbildung in Gesang, Schauspiel und Regie. Der Sänger erhielt bisher zwei goldenen Schallplatten, der Schauspieler stand schon an der Seite von Bud Spencer. Aivazjan ist ehemaliger Solist bei den Moskauer Philharmonikern und Preiseträger bei internationalen Wettbewerben (Chopin-Preis in Polen).

Shapiro wollte eigentlich nie mehr nach Deutschland, doch dann kamen deutsche Jugendliche nach Israel und arbeiteten unentgeltlich in den Kibbuzim... Die Tatsache, dass es in Mittelhessen einen öffentlichen Ort gibt, um hier die alte jiddische Tradition auf der Bühne fortzuführen, ließ dem Künstler im Programmverlauf unter dem Titel »Kumt - Lacht - Singt« (jiddische Lieder und Geschichten) das Herz übergehen.

Kurz bevor das Programmheft zur diesjährigen »9 November«-Veranstaltungsreihe fertig war und zum Drucken ging, kam noch eine Empfehlung von Dr. Eli Morad, Gemeindevorstand der jüdischen Gemeinde Gießen, für das Duo Shapiro und Aivazjan.

Peter Damm vom Veranstaltungsteam berichtete vom Telefonkontakt mit Shapiro in Israel. »Sein Charme und Witz haben mich überzeugt«. Schnell wurde die Finanzierung für ein Honorar gesichert. Neben der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung beteiligte sich die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen/ Wetzlar, deren Geschäftsführer Dieter Steil ebenso wie Dr. Morad im Publikum saß.

Vormittags hatte sich Shapiro als Zeitzeuge an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule zur Verfügung gestellt. Einige Schüler waren zum Konzert erschienen. Aivazjan spielte eingangs die Intonierung des Kol Nidrej, das jüdische Bußgebets zu Jom Kippur. Shapiro nahm die Zuhörer von der ersten Sekunde an gefangen, plauderte jovial und wohltuend unsentimental, zelebrierte Chansonartiges oder Folkloristisches, damit das musikalische Andenken der jiddischen Tradition erhalten und fortgeführt werde.

Nebenbei schlüpfte er in die Rolle des Milchmann Tevje aus dem Musical »Fiddler on the roof« (Anatevka) und sang »Wenn ich einmal reich wär'«. Aivazjan begleitete den Liedgesang stilsicher und steuerte etliche Soli bei. Bewundernswert seine Anschlagskultur, Spieltechnik und Phrasierungskunst. Alleine Aivazjan hätte man endlos zuzuhören vermocht.

*

Die Veranstaltungsreihe zum 9. November 1938 wird am heutigen Donnerstag mit einer Lesung im Kulturzentrum »Bezalel-Synagoge« fortgesetzt. Übersetzerin Miriam Magall stellt auf Einladung des Verlags »Edition AV« den Roman »Die Blutbraut« der israelischen Schriftstellerin Rachel Kochawi vor. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt ist frei.

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