06. April 2010, 00:34 Uhr

Lich: An historischen Aufführungen orientiert

Lich (vh). Es müssen nicht immer die großen Passionswerke sein, und es benötigt auch kein nach Hunderten zählendes Publikum, damit ein Festkonzert gediegen wird und gelingt.
06. April 2010, 00:34 Uhr
In der Marienstiftskirche zu Lich: »Fontanella Consort« und Gesangssolist (von links) Andreas Küppers, Christof Becker, Tenor Andreas Wagner, Simon Ullmann und Shogo Fugii. (Foto: vh)

Lich (vh). Es müssen nicht immer die großen Passionswerke sein, und es benötigt auch kein nach Hunderten zählendes Publikum, damit ein Festkonzert gediegen wird und gelingt. Im Rahmen einer musikalischen Reihe zur Passion (Karfreitag) und zu den Osterfeiertagen in der evangelischen Marienstiftskirche in Lich fanden sich am Abend des Ostersonntags etwa 40 Zuhörerinnen und Zuhörer ein. Vom »Fontanella Consort« unter der Leitung von Kantor Christof Becker und von Tenor Andreas Wagner wurde Barockmusik ganz vorzüglich dargeboten.

In variabler Zusammensetzung boten die Instrumentalisten festliche Kostbarkeiten der Barockmeister aus der ersten und der zweiten Reihe. Der lyrische Tenor Andreas Wagner deklamierte ausdrucksstark und stimmsicher. Er ist ansonsten bei den großen Aufführungen in der Marienstiftskirche kein Unbekannter - man denke nur an die »Elias«-Darbietung im November vergangenen Jahres und am das Weihnachtsoratorium im Dezember 2008. Wagner studierte Kirchenmusik und Gesang. Er ist seit 1997 festes Mitglied des Staatstheaters Darmstadt und arbeitete bzw. arbeitet beispielsweise mit Dirigenten wie Peter Schreier und Enoch zu Guttenberg, dem Vater des amtierenden Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, zusammen.

Wagners doppelte Ausbildung sorgt offensichtlich für das entsprechend sensible Ausgestalten seiner Rolle im Ensemble. Das »Fontanella Consort« widmet sich der Werke des 17. und 18. Jahrhunderts und orientiert sich an der historischen Aufführungspraxis.

Christof Becker spielt Barockgeige und Barockbratsche, Shogo Fugii Barockoboe, Simon Ullmann Cello und Andreas Küppers Cembalo und Orgel-Positiv.

Als Höhepunkt des abendlichen Konzertes darf die Osterkantate »Jauchzt, ihr Christen, seid vergnügt« von Georg Philipp Telemann, einem der populären Barockkomponisten, bezeichnet werden, das gleichzeitig von der Spieldauer her längste Stück. Da bot sich für Wagner die gute Gelegenheit, bei den Koloraturen solistisch deutlich im »Halleluja«-Teil und bei der tausendfachen »Freude« zum Schluss hervorzustechen, zumal »dieser Telemann« eigentlich der Sopranstimme bedarf. Cello und Positiv wirken als Continuo, stellenweise Zwiesprache halten Tenor und Barockgeige. Insgesamt war es ein dem Titel gemäß fröhlich-heiterer Werkduktus, der auch den Kantor mit vehementer Spielfreude, aber sensiblem Strich in die Pflicht nahm.

Akustisch hervortreten durfte Shogo Fugii mit der Barockoboe bei Telemanns Triosonate für Oboe, Viola und Continuo in c-Moll. Die alte Variante klingt gegenüber der heutigen Konzertoboe leiser und weicher und bedarf also einer forcierten Anblastechnik. Cellist Ullmann verließ die Begleitfunktion, als er voll sanglicher Harmonie und begleitet vom Cembalo mit der Sonata terza C-Dur von Giovanni Benedetto Platti, ein wenig bekannter Barockmeister, an der Reihe war. Das kleine Publikum spendete allen Beteiligten großen Applaus.

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