05. Oktober 2014, 21:18 Uhr

Lesung und Konzert in Lich: Bach bei Buxtehude

Lich – In der Marienstiftskirche wurde eine halbszenische Lesung maus Hans Francks Novelle »Die Pilgerfahrt nach Lübeck« geboten. Ein Blickfang waren die prachtvollen historischen Gewänder der Musiker. Pfarrerin Barbara Lang versetzte bei ihrer Lesung die Besucher ins frühe 18. Jahrhundert zurück.
05. Oktober 2014, 21:18 Uhr
Uwe Krause (Cembalo), Christof Becker (Violine) und Lydia Blum (Cello) widmen sich Buxtehudes Triosonate a-Moll. (Foto: jou)

Der 20-jährige Arnstädter Organist Johann Sebastian Bach macht sich auf den beschwerlichen Weg nach Lübeck, um dort bei seinem Vorbild Dietrich Buxtehude die Fertigkeiten zu vervollkommnen. Bei dessen vorwiegend andächtig-ruhigem Präludium a-Moll, gespielt von Uwe Krause, konnte man sich ausmalen, wie fasziniert der junge Bach dem Orgelspiel Buxtehudes gelauscht haben mag.

Um die begehrte Organistenstelle an der Lübecker Marienkirche zu ergattern, müsste Bach Anna Margreta, die älteste Tochter des Meisters heiraten. Allerdings ist er von ihr anfangs wenig angetan.

Pachelbel-Toccata

Raffiniert wirkte die Fuge über Bachs Initialen, bei der Kantor Christof Becker den Spannungsreichtum und die klangmächtigen Steigerungen an der großen Orgel ausschöpfte, die Komposition quasi als künstlerische Visitenkarte präsentierte. Zuvor hatte Becker an der Truhenorgel bei einer Toccata von Johann Pachelbel festlichen Glanz in den Saal gezaubert.

Besonders animierend mutete Benedetto Marcellos Sonate e-Moll an. Cellistin Lydia Blum fing hier gemeinsam mit Krause am Cembalo mit feinem Rhythmusgefühl die Tanzcharaktere ein; erfrischend gerade die schwungvollen Passagen. Das klanglich warme, an die menschliche Gesangsstimme erinnernde Barockcello wurde reizvoll untermalt durch das silbrig schillernde Tasteninstrument.

Von erhabenem Ausdruck war Buxtehudes wieder von Krause vorgetragene triste Orgelpassacaglia d-Moll mit der lichten Aufhellung zum Schluss. Große Wirkkraft kennzeichnete auch Bachs berühmte Toccata d-Moll. Becker achtete hier auf bewusste Phrasierung und lebendige Tempogestaltung.

Dazwischen vergegenwärtigte die Lesung plastisch, wie der junge und der alte Musiker voneinander lernen – derart intensiv, dass sich der Aufenthalt mehrmals verlängert.

Am meisten ergriff der schwermütige erste Teil aus Buxtehudes Triosonate a-Moll, zu dem der folgende vitale Teil kontrastierte; auch im weiteren Verlauf ergaben sich sensibel zur Geltung gebrachte Stimmungswechsel. Spezielle Magie verströmten die chromatischen Linien.

Beim Kopfsatz aus Bachs Violinsonate G-Dur bestach Becker durch Vielseitigkeit, spielte auf dem Streichinstrument mit ausbalancierter Tongebung und spannte weite musikalische Bögen; der natürlichen Artikulation, im Ganzen stilsicheren Interpretation war fundiertes Studium der barocken Aufführungspraxis anzumerken. Einen gelungenen Abschluss lieferte der Kantor an der Orgel mit Bachs Choralbearbeitung »Allein Gott in der Höh sei Ehr«. Für die ansprechende Verbindung von Text und Musik spendeten die sichtlich beeindruckten Hörer herzlichen Applaus. Sascha Jouini

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