Lich

In Arnsburg den kulturellen Wurzeln Afrikas auf der Spur

Lich (mlu). Mit einem Afrika-Abend wurde die Mehrzweckhalle der Evangelischen Stiftung Arnsburg neu eröffnet. Ein Jahr hatte die Sanierung gedauert. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Präsentation von Projekten, die die Kinder- und Jugendhilfseinrichtung mit dem Bildungsförderungsverein Masifunde auf den Weg gebracht hat.
30. Oktober 2011, 21:13 Uhr
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Afrikanischer Abend: Trommeldarbietung von Amadabo Diallo.

Höhepunkt: die deutsche Premiere von »Togetherness – Viele Sprachen, eine Stimme«, ein Film, den Licher Jugendliche während eines zweiwöchigen Aufenthaltes in Südafrika produziert hatten.

Nebst Geräteanbau, Wärmedämmung, Toiletten und Kletterwand gibt es in der neuen Halle nun auch Beamer und Leinwand. »Hier sollen nicht nur Sport-, sondern auch Kulturveranstaltungen stattfinden, wir haben viel vor mit dieser Halle«, sagte Dr. Christiane Solms als Vorsitzende des Stiftungsrates, ehe sie Einrichtungsleiter Reiner Philipp den Schlüssel übergab.

Die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Arnsburg und Masifunde besteht seit zwei Jahren, wie Philipp erklärte. Vor vier Jahren habe man sich gefragt, was man tun könne, um den Kindern und Jugendlichen der Einrichtung Möglichkeiten des interkulturellen Austauschs zu bieten, »über den eigenen Tellerrand hinweg zu schauen.«

So entstand ehedem ein Wissens- und Kompetenzzentrum. Auf der Suche nach Partnern sei man dann auf Masifunde gestoßen, eine Entwicklungshilfeorganisation, für die in Deutschland 60 Ehrenamtliche tätig sind, darunter auch Jonas Kaletsch, der im Rahmen eines dualen Studiums auch in der Stiftung Arnsburg arbeitet und die Licher Jugendlichen bei ihrem Filmprojekt in Port Elizabeth im Sommer betreute.

Mit zwei Kamera-, zwei Reporter- und einem Fotografenteam (deutsch-afrikanisch besetzt) begaben sich die Jugendlichen auf die Suche nach den kulturellen Wurzeln Afrikas, sammelten Impressionen und interviewten unter anderem den Anthropologen Dr. Theodore Stephen, den Ranger Alan Fogarty und Professor Nokwatha Hulushe, ein Mitglied des African-National-Congress. Themen wie die Kolonialisierung und deren Bedeutung für das heutige Selbstverständnis Südafrikas, die Erfahrung einer Kindheit im Walmer Township (Port Elizabeth) und HIV kamen in diesen Gesprächen zur Sprache. Zusätzlich begleitet wurde das Projektteam von Alexander Mühlberger und Christina Zimmer vom Wissens- und Kompetenzzentrum der Stiftung Arnsburg. Nach der gelungenen Uraufführung in Afrika feierte der 15-minütige Streifen an diesem Abend seine deutsche Premiere. Weitere Resultate des Jugendaustauschs, an dem auch »daheimgebliebene« Kinder und Jugendliche mitwirkten, waren die Fotoausstellung »Connecting Continents«, die vergleichend deutsche und afrikanische Lebenswelten dokumentiert und in einem Kalender zusammengefasst wurde sowie ein internationales Kochbuch, das ab Dezember über die Stiftung Arnsburg erhältlich sein wird. Der Erlös aus der Versteigerung von Werken junger Künstler aus dem Walmer Township in Port Elizabeth, die ebenfalls im Verlauf des Abends stattfand, soll dem Aufbau eines Bildungszentrums im Walmer Township zugutekommen.

Kulinarische Kostproben aus Südafrika und Trommeldarbietung von Amadabo Diallo sorgten an diesem sehr informativen Abend für das sinnliche Vergnügen in der neuen Mehrzweckhalle. (Foto: mlu)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/lich/Lich-In-Arnsburg-den-kulturellen-Wurzeln-Afrikas-auf-der-Spur;art98,63984

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