07. September 2008, 19:34 Uhr

Hunderte Gäste feierten das »Traumstern«-Kino

Lich (emd). »Danke, Edgar und Hans, für 25 Jahre Kino Traumstern!« Das Echo der weit über 250 Besucher am Samstag im mehr als vollbesetzten »Traumstern«-Saal und vieler anderer vor dem Haus war überwältigend.
07. September 2008, 19:34 Uhr
Bei der großen Feier am Samstag im Licher Kino »Traumstern« fielen die beiden »Macher« kaum auf, kümmerten sich mit anderen fleißigen Mitstreitern darum, dass alles glattgeht: Wie immer hielten sich Hans Gsänger (links) und Edgar Langer bescheiden zurück – bis sie ganz am Ende dann doch noch auf die Bühne gerufen wurden, um ganz persönlich gefeiert und beschenkt zu werden. (Fotos: emd/3, no)

Lich (emd). »Danke, Edgar und Hans, für 25 Jahre Kino Traumstern!« Das Echo der weit über 250 Besucher am Samstag im mehr als vollbesetzten »Traumstern«-Saal und vieler anderer vor dem Haus war überwältigend. In einem über fünfstündigen Programm feierten, lobten und ehrten lokale und regionale Künstler, die Mitarbeiter und Filmverleiher die herausragende Arbeit der Lichtspielhaus-Verantwortlichen Edgar Langer und Hans Gsänger. In die Gratulation eingebunden war Christoph Wüstenhagen.

Auch der letzte Platz war schon vor Programmbeginn besetzt. »Wenn's an der Seite zu eng wird, könnt ihr auch nach vorn kommen!« Mehrere Kinder folgten der Aufforderung der Moderatorinnen Svantje Wascher und Sonja Hoffmann.

Jeder tat gut daran zu sitzen, denn der Abend wurde lang: Mit etwa einer halben Stunde Pause - in der ein Feuerwerk Myriaden von Traumsterne an den nächtlichen Himmel über Lich zauberte - legten Freunde und Kunstschaffende unterschiedlicher Genres ein immenses Ehrenprogramm für die Kino-Betreiber auf die Bühnenbretter oder projizierten ihre Glückwünsche auf die Leinwand.

So hatten sich eigens für den Abend der Gießener Pianist Helmut Fischer mit dem spielfreudigen Robert-Laupert-Trio und Sängerin Nora Pleil zu »exklusivem«, stimmigem Bar-Jazz und Swing zusammengefunden.

Die Zusammenarbeit mit dem Kino sei aufgrund der immer größeren Anzahl an Live-Veranstaltungen in Lich unerlässlich geworden, erklärte Peter Damm, Mitbegründer der Kulturinitiative »künstLich« und langjähriger Freund des Hauses. Solo-Künstler und Gruppen aus Lich, Gießen und der ganzen Gegend spielten an dem Abend denn auch eine große Rolle.

Manche waren vor 25 Jahren schon dabei, wie etwa das Gießener Akrobatik-Theater. Schon vor dem Auftritt herrschte Spannung, als dicke Matten verteilt und ein Ventilator aufgestellt wurden: »Jo mei, des is schön heroben!« Des »Burli« besteigt zuerst die »Geilbäuerin« und dann den Watzmann und stürzt - zur Strafe - mit wehenden Haaren in den Abgrund. Das Publikum bedachte das alpine Spektakel mit tosendem Beifall und Gejohle.

Nicht minder gefielen die in perfekten Kostümen und greller Schminke auf die Bühne gezauberten Szenen aus der legendären Drei-Groschen-Oper von Lichs jüngster Theatergruppe, dem »§Theater Traumstern«. Die Darsteller waren für diesen Abend aus ihren inzwischen weiter verstreuten Heimatorten extra angereist, um für Edgar und Hans zu spielen.

Zwischen schreiend komischen Beiträgen wie einem türkische Lied des von Damm dirigierten A-Cappella-Chores »Takt« aus Gießen, das die Ensemble-Männer mit Inbrunst und orientalischen Tremoli zum Besten gaben, oder den schrullig und liebevoll für das »Traumstern« inszenierten Szenen und Liedern des Männergesangvereins »Schall und Rauch«, ließ Lisa Parise ihre romantische Stimme erklingen.

Mit viel Anmut und noch mehr Erotik präsentierte das Tango-Tanztheater »Blaue Laterne« Klassisches und Improvisiertes. Mit starkem Organ, Humor und theatralischen Gesten entführte Stimmjongleurin Silvia Sauer mit ihrem Alpenkrimi »Traudi« das grölende Publikum in die schwarze Welt nächtens mordender Monster. Über die Leinwand flimmerte der Kurzfilm »Wo der Pfeffer wächst« von Schülern der Martin-Buber-Schule in Gießen.

Höhepunkt der Feier war - echte Überraschung für Edgar und Hans - ein »heimlich« gedrehter Film über das »Traumstern« und dessen Mitarbeiter mit Lobworten für das »Kino mit den meisten Auszeichnungen bundesweit«, Ansprachen, Kommentaren und Glückwünschen der Personen vor allem aus Politik und Filmverleih, die nicht persönlich kommen konnten. Sichtlich gerührt dankte Edgar Langer für »die Schweinerei, dass ein Film ohne Absprache mit den Betreibern gezeigt worden ist«.

Bevor die Party gegen 1 Uhr »erst richtig los« ging, feierte das Publikum mit anhaltendem Beifall Edgar Langer und Hans Gsänger, die in gewohnter Bescheidenheit die von Herzen kommenden roten Rosen der gesamten Mitarbeiterschar des Kinos sowie der »Traumstern-Kneipe »Statt Gießen« / Restaurant »Savanne« entgegen nahmen.

Fehlte das »Traumstern«�

�fehlte noch mehr:

 

Fehlte ein steter Ruf,

fehlte ein kurzer Film,

fehlte ein lichtes Bunt,

fehlte schwarz-weißes Flirren.

Fehlte der Duft der großem, weiten Welt

mitten im - oh, wie stur - Herzen der Natur.

 

Fehlte dies mitreißend Fremde,

fehlte das Anderssein,

fehlte das Kollektiv,

fehlte dieses Ich bin Ich,

fehjlte dies: Ihr könnt mich mal.

Könnste vieles glatt vergessen - mitten in Hessen.

 

Fehlte diese Bühne,

fehlten Klänge und Gesänge,

fehlte dieser Eigensinn,

fehlte manch greller Schopf,

fehlte manch heller Kopf.

Fehlte ein gut gedeckter, großer, runder Tisch mitten im oft eckig-kargen Lich.

 

Wer hätte das schon gern:

Fehlte das Traumstern!

 

»Männer's G'sangsverein Schall und Rauch« am Samstag beim 25-Jährigen des Kinos



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