Lich

Güttler und Ensemble verliebt ins Detail

Lich - Initiator und Schirmherr Rüdiger Veit, der SPD-Bundestagsabgeordnete im Gießener Land, zeigte sich zuversichtlich, dass das spannende, abwechslungsreiche Programm für das schlechte Wetter entschädigen werde
31. Mai 2010, 17:10 Uhr
Das Blechbläser-Ensemble mit Prof. Ludwig Güttler (Mitte) beim Schlussapplaus.	(Foto: jou)
Das Blechbläser-Ensemble mit Prof. Ludwig Güttler (Mitte) beim Schlussapplaus. (Foto: jou)

Lich - Initiator und Schirmherr Rüdiger Veit, der SPD-Bundestagsabgeordnete im Gießener Land, zeigte sich zuversichtlich, dass das spannende, abwechslungsreiche Programm für das schlechte Wetter entschädigen werde: Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Freundeskreises Kloster Arnsburg bot der sächsische Weltklassetrompeter Prof. Ludwig Güttler mit seinem Blechbläser-Ensemble - wie kurz berichtet - vor rund 500 Hörern ein anspruchsvolles Benefizkonzert; der Erlös kommt der Erhaltung der denkmalgeschützten Klosteranlage zugute.

Wie schon im Vorjahr musste die Veranstaltung witterungsbedingt von der Kirchenruine ins Dormitorium verlegt werden. Dadurch ergab sich ein ganz anderer Eindruck als im Freien. Die direktere Akustik des schmalen, schlauchförmigen Saals ließ die Interpretationen oft etwas anstrengend laut erscheinen. Gleichwohl vermochte das Ensemble unter Güttlers Leitung dynamisch und klangfarblich nuanciert zu spielen. Die ambitionierte Musizierweise war von den ersten Takten an zu spüren: Mit brillanter Intonation, knackigen Akzenten und wohldosierter klanglicher Schärfe brachte das elfköpfige Ensemble Henry Purcells Komposition »Trumpet Tune and Air« zu Gehör; sehr ansprechend die Detailverliebtheit.

Recht flüssig artikulierten die Musiker in Costanzo Antegnatis Canzon IX »La battera«; hier bestach die virtuose Leichtigkeit. Bei der Sonate C-Dur für zwei konzertierende Trompeten, Waldhorn, Posaune und weitere Blechbläser von Tomaso Albinoni wirkte die Tongebung warm und fein ausgewogen. Der schwermütige dritte Satz verführte in der gefühlvollen Interpretation dazu, die Gedanken schweifen zu lassen. Rhythmisch akkurat gelang das technisch knifflige Allegro-Finale.

Nach einer gewissen akustischen Eingewöhnung erschloss sich die Komplexität der Interpretationen immer mehr, wenn auch der Lautstärke-Grundpegel ziemlich hoch blieb. Die langsamen Sätze kamen am besten zur Geltung. So ließ dank der kantablen, sensiblen Gestaltung die »Aria« aus Johann Sebastian Bachs doppelchöriger, von Güttler bearbeiteter Motette »Singet dem Herrn« aufhorchen. Das anschließende Allegro geriet sehr vital, das Fugen-Finale kam straff im Rhythmus, mit minimalen Temposchwankungen daher und strahlte sachliche Strenge aus.

Durch das in der Saalmitte platzierte Fernquartett ergaben sich in Bachs Sarabande mit Variation BWV 990 faszinierende räumliche Wirkungen, die die Ausdruckstiefe der Musik steigerten. Die Nah-/Ferneffekte waren im Echo nach BWV 821 für drei Bläsergruppen ins Extreme getrieben. Einen wohltuenden Kontrast zu den Barockwerken bildeten drei romantische Stücke von Anton Bruckner, deren harmonische Farbigkeit das Ensemble schattierungsreich zu Tage förderte; das »Ecce sacerdos« markierte einen kraftvollen Höhepunkt.

Angesichts der phänomenalen Spielfreude und des optimistischen Ausdrucks erwiesen sich zwei Kompositionen von Samuel Scheidt als passender Schluss. Begeistertem Applaus folgten zwei Zugaben. Sascha Jouini

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