26. Mai 2009, 15:20 Uhr

Erzieherinnen dürfen auf bessere Arbeitsbedingungen hoffen

Lich (us). Die Erzieherinnen in den Licher Kindertagesstätten dürfen auf bessere Arbeitsbedingungen hoffen: Die Stadt will zum 1. September jede Kindergartengruppe mit zwei Fachkräften besetzen. Bislang galt ein Schlüssel von 1,5. Der Sozialausschuss hat die Aufstockung am Montag einstimmig befürwortet.
26. Mai 2009, 15:20 Uhr

Lich (us). Die Erzieherinnen in den Licher Kindertagesstätten dürfen auf bessere Arbeitsbedingungen hoffen: Die Stadt will zum 1. September jede Kindergartengruppe mit zwei Fachkräften besetzen. Bislang galt ein Schlüssel von 1,5. Der Sozialausschuss hat die Aufstockung am Montag einstimmig befürwortet. Die erforderlichen Mittel - gut 57 000 Euro - sollen im Zuge des Nachtragshaushalts zur Verfügung gestellt werden. Um den besseren Betreuungsschlüssel realisieren zu können, müsssen mehrere neue Stellen mit zusammen 157 Wochenstunden geschaffen werden.

Zum 1. September 2009 tritt hessenweit die neue »Verordnung zur Neuregelung der Mindesvoraussetzungen in Tageseinrichtungen« in Kraft. Das Land schreibt darin einen Betreuungsschlüssel von 1,75 Fachkräften pro Gruppe vor. In Lich liege man mit den vorgesehenen zwei Kräften »etwas über dem Schluck«, erklärte Bürgermeister Bernd Klein. Allerdings seien in dem dann verfügbaren Stundenkontingent die Zeiten für Vertretungen, Dienstbesprechungen sowie Vor- und Nachbereitung pauschal enthalten. Solche Tätigkeiten seien für die Verbesserung der frühkindlichen Bildung und gerade auch für die Umsetzung des in Lich entwickelten »Bambini«-Programms für Vorschüler unabdingbar. In der Vergangenheit seien sie in den Arbeitszeit-Berechnungen jedoch nicht berücksichtigt worden. »Wir geben im Rahmen der Konjunkturprogramm Milliarden für die Bildung aus«, sagte der Bürgermeister. Aber man brauche nicht nur Gebäude, sondern auch Menschen, die Bildung vermitteln.

Dass es immer schwerer werden könnte, die zu finden, musste Klein auf Nachfrage von Ulla Limberger (Bündnis ‘90/Die Grünen) einräumen. Der Markt für Erzieherinnen sei »so gut wie leer«, und es bestehe die Gefahr, dass nicht alle Stellen zum Beginn des neuen Kindergartenjahres besetzt werden könnten. Die Verwaltung unternehme jedoch jede Anstrengung, geeignete Mitarbeiter zu finden. Gleich mehrere Stellen wurden öffentlich ausgeschrieben, zudem nutze man auch informelle Kanäle. Man müsse allerdings damit rechnen, dass sich der Fachkräfte-Mangel auch auf die Gehaltsverhandlungen auswirke. Aktuell werden Erzieherinnen in Lich nach 6 TVöD bezahlt. Zudem seien im Wettbewerb um gute Mitarbeiter auch die Rahmenbedingungen - Stichwort unbefristete Verträge - entscheidend.

Franz-Gerd Richarz (FDP) erkundigte sich, ob denn bei der vom Land verordneten Erhöhung des Betreuungsschlüssel das Konnexitätsprinzip (»wer bestellt, bezahlt«) nicht greife. Der Bürgermeister bestätigte, dass die Neuregelung tatsächlich mehr Geld kosten werde. Beim Land Hessen werde noch erörtert, wie und in welcher Form man sich daran beteiligen wolle. »Ich hoffe, es läuft nicht über den Finanzausgleich, wo uns das Geld dann an anderer Stelle wieder weggenommen wird.« Eine neuerliche Erhöhung der Kindergartengebühren sei in Lich aktuell kein Thema, versicherte Klein. »Das wäre den Eltern gegenüber nicht redlich.« Schließlich stehe nach dem Sommer erst noch die zweite Stufe der letzten Erhöhung an.

In einer Presseerklärung hat sich die Licher CDU für die Erhöhung der Fachkraftstunden ausgesprochen. Die bessere Betreuung entlaste Erzieherinnen und Erzieher und ermögliche eine solide frühkindliche Bildung, äußert Sozialausschussmitglied Josefine Lischka. Um Fehlentwicklungen in kognitivem und motorischem Bereich bei Kindern zu verhindern sei eine ausgeprägte Betreuung unabdingbar. Die Qualität der Licher Bildungseinrichtungen würde hierdurch gestärkt, ergänzt Fraktionsvorsitzender Elmar Sandhofen, der darauf hinweist, dass die neue Regelung auch für die Einrichtungen der freien Träger gelten.

Die CDU weist darauf hin, dass die Grundlagen der Entwicklung im Bereich Bildung in den ersten Lebensjahren gelegt werden. Bei der Spanne von Kindergarten und Grundschule handele es sich um sensible Zeiten, die maßgeblich durch eine vorbildliche Betreuung beeinflusst werden könnten. Dies zu unterstützen, sehe die CDU als wichtige Aufgabe an.

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