07. November 2010, 22:22 Uhr

»Eine Vereinsgeschichte, auf die alle stolz sind«

Lich (dv). Mit einem Festakt im Dormitorium beging der Freundeskreis Kloster Arnsburg sein 50-jähriges Bestehen. »Viele haben in dieser Zeit daran mitgewirkt, eine Vereinsgeschichte zu schreiben, auf die wir alle stolz sind«, begann Landrat a. D. Ernst Klingelhöfer, seit 1989 Vorsitzender des Freundeskreises, seine Begrüßungsrede.
07. November 2010, 22:22 Uhr
Zahlreiche Gäste feierten das Jubiläum des Freundeskreises. (Foto: dv)

Lich (dv). Mit einem Festakt im Dormitorium beging der Freundeskreis Kloster Arnsburg sein 50-jähriges Bestehen. »Viele haben in dieser Zeit daran mitgewirkt, eine Vereinsgeschichte zu schreiben, auf die wir alle stolz sind«, begann Landrat a. D. Ernst Klingelhöfer, seit 1989 Vorsitzender des Freundeskreises, seine Begrüßungsrede. Zu danken sei das den Vereinsgründern, die 1960 den Mut und die Entschlossenheit aufgebracht hätten, den im Verfall begriffenen Teil des mittelalterlichen Klosters wieder aufzubauen und zu erhalten. Die Werke des Malers und Mitgründers Walter Kröll sollten an die Verdienste dieser Mitglieder in einer Gemäldeausstellung erinnern.

Klingelhöfer begrüßte die Gastredner und zahlreichen Ehrengäste, an der Spitze Schirmherr Professor Dr. Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Eine ausführliche Darstellung der Klostergeschichte und des Vereins ist in der Festschrift nachzulesen. Die musikalische Umrahmung kam vom Quintett »Cantabile« von Dekan i. R. Christian Scholz.

Man sei nur Pächter, erinnerte Klingelhöfer, und auf einen kooperativen Eigentümer angewiesen. Das sei der Fall mit dem Haus Solms-Laubach, das von Gräfin Madeleine vertreten wurde, die im alten Gartenhaus des ehemaligen Abts wohnt und dem Kloster besonders verbunden ist. In ihrer Jugend von Berleburg nach Schweden verschlagen, hörte sie in Upsalla über dort lagernde Bücher aus der Bibliothek von Kloster Arnsburg. Durch ihre spätere Einheirat in das Haus Solms-Laubach kam sie erstmalig nach Arnsburg und erinnert sich, wie heruntergekommen es damals war. Sie hat die Entwicklung verfolgt und dankte allen Spendern und Helfern, die Arnsburg zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Staatsminister a. D. Karl Starzacher gratulierte für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der mit der Einrichtung des Kriegsopferfriedhofes im Kreuzgang 1960 sozusagen die Restaurierung eingeleitet hatte. Bereits 1957 hatten die ersten Überlegungen, die teils ungepflegten Kriegsgräber in den Gemeinden des Landkreises zusammenzuführen, nach Kloster Arnsburg geführt. Der damalige Bürgermeister der kleinen Gemeinde, Forstmann Karl Lang, unterstützte das Vorhaben, dass 1960 realisiert wurde. Anfangs habe es Irritationen, ja Diskrepanzen über das Thema »Täter-Opfer« gegeben, weil Soldaten, Widerstandskämpfer und KZ-Häftlinge in 447 Gräbern beieinander liegen. Dies sei bereinigt und heute selbstverständlich.

Für Dekanin Barbara Alt ist Arnsburg zu einem geistlichen und geistigen Mittelpunkt geworden. Mit einem Konzept der zuständigen Pfarrerin Doris Volk-Brauer sei der kirchliche Gedanke lebendig geworden. Hochzeiten, Taufen, Konzerte und Vespern in der Paradieskapelle belebten das Kloster. Bei friedenspädagogischen Führungen empfänden die Jugendlichen die Mahnung der Opfer auf der Gräberstätte besonders intensiv.

Professor Gottfried Kiesow ging sehr ausführlich auf die geschichtliche Bedeutung des Klosters in seinem Umfeld ein. Es entstand in der Blütezeit der Zisterzienser, die zuvor Kloster Eberbach im Rheingau gegründet hatten. Dieses und weitere weisen eine einheitliche Anordnung der Gebäude auf und sind in einem frühgotischen Baustil entstanden. Sehr detailliert sprach er über Eigenheiten der Bausubstanz, auch im Vergleich zu anderen Kirchen in der Region. Zu Arnsburg meinte er, das Gräberfeld durch den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge mit den vereinten Opfern sei eine große Leistung gewesen. Es habe den Anstoß zur Gründung des Freundeskreises gegeben. Dabei hätten sich anfangs zwei Seelen gegenübergestanden, der Romantiker, der die Ruinen in der Landschaft liebt, und der Konservator, der Altes erhalten möchte. Dafür habe der Freundeskreis enormes geleistet, darüber hinaus sei ein kulturelles Zentrum entstanden.

Landrätin Anita Schneider beglückwünschte den Freundeskreis zum Jubiläum. Was er in dieser Zeit geleistet habe, könne man an den Bildern von 1969 und heute ablesen. Darüber hinaus werde als kulturelles Zentrum ein hoher gesellschaftlicher Beitrag geleistet. Das Problem der hohen Treppe zum Dormitorium sei bekannt, leider der Kreis nicht flüssig. Aber ein ungenannter Sponsor habe mit einer Spende von 20 Prozent der geschätzten Bausumme die Basis für einen Aufzug geschaffen, was mit großem Beifall quittiert wurde.

Dem Anlass angemessen beschloss die »Feuerwerksmusik« die Feierstunde.



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