03. Januar 2011, 17:16 Uhr

Dolpo Tulku war zu Gast im Licher Kino "Traumstern"

Lich (mlu). In einer Neujahrsmatinee zeigte das Kino »Traumstern« am Sonntag den Dokumentarfilm »Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya«. Regisseur Martin Hoffmann hatte den als Hirtenjunge im Dolpo geborenen Sherap Sangpo auf seiner Heimreise in die entlegene Gebirgsregion begleitet, wo er nach 16-jähriger Lehrzeit in einem südindischen Kloster die Nachfolge des ehemaligen Tulku (Titel des geistlichen Oberhauptes) antritt, als dessen Reinkarnation er als Kind erkannt worden war.
03. Januar 2011, 17:16 Uhr
Während einer Deutschlandturnee zu Gast im Licher Kino »Traumstern«: Sherap Sangpo, der junge Dolpo Tulku. (Foto: ml)

Lich (mlu). In einer Neujahrsmatinee zeigte das Kino »Traumstern« am Sonntag den Dokumentarfilm »Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya«. Regisseur Martin Hoffmann hatte den als Hirtenjunge im Dolpo geborenen Sherap Sangpo auf seiner Heimreise in die entlegene Gebirgsregion begleitet, wo er nach 16-jähriger Lehrzeit in einem südindischen Kloster die Nachfolge des ehemaligen Tulku (Titel des geistlichen Oberhauptes) antritt, als dessen Reinkarnation er als Kind erkannt worden war. Das anschließende Filmgespräch mit dem »Dolpo Tulku«, der sich auf Deutschlandtour befindet, dauerte fast ebenso lang wie der der Filmvortrag.

Dolpo ist eine Gebirgsregion im Nordwesten Nepals an der tibetischen Grenze, in der der tibetische Buddhismus noch weitestgehend unbeeinflusst vom Wissen und der Lebensweise der modernen Zivilisation praktiziert wird. Kommentarlos zeigt der Film die Begegnungen des Tulku und seinem Gefolge in den kleinen Bergdörfern, die einfache Lebensweise, zeremonielle Vorbereitungen, Segnungen und durchweg sagenhafte Landschaftsaufnahmen. Die Kehrseite des traditionellen Lebens dort ist die extreme Armut. Es gibt keine Straße, keine technischen Hilfsmittel bei der beschwerlichen Landarbeit, keine Bildungsstätten, keine medizinische Grundversorgung - die Überlebenschance bei einer Geburt liegt bei 50 Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung bei 50 Jahren.

Der Tulku ist ein Mann des Klosters, ein spiritueller Führer, doch seine Hauptaufgabe erblickt der erst 29-Jährige in der Entwicklungshilfe für seine Heimat, in der Vermittlung zwischen tradiertem Kulturgut und modernen Errungenschaften, die er durchaus zu schätzen weiß.

Sein Pragmatismus spiegelt sich in Szenen, in denen er mit Limonade segnet oder einer Gruppe von Kindern die drei wichtigsten Werte aufzählt: Eltern, Lehrer, Sponsoren. Seit seinem Amtsantritt knüpft er internationale Beziehungen, es gibt eine Stiftung, die verschiedene Sozial- und Bildungsprojekte auf den Weg gebracht hat. Der Film, seine Vorträge in Kirchen, Schulen und Universitäten und die verschiedenen Yoga-Seminare, die er bis Februar in Deutschland erteilt, sind Teil seiner Entwicklungsarbeit.

Wer sich über Vogeldreck ärgert, (...) sollte froh sein, dass Kühe nicht fliegen können

Die spannende Biografie des Dolpo Tulku rief vielfältige Publikumsfragen auf den Plan. Ob er nicht um die Verfremdung oder gar Zerstörung seiner Kultur fürchte? Wie er die politische Lage in Nepal beurteile? Vor allem aber interessierte seine Person: wie man sich als Achtjähriger zum Mönchstum entscheiden könne und wie man sich als Reinkarnation so fühle, ob er sich an sein früheres Leben erinnern könne und wie er mit der Angst vor der großen Erwartung begegnet, die man in ihn setzt?

Schließlich versäumte es der Tulku nicht, den zahlreichen Zuhörern durch seine Übersetzerin Daniela Hartmann eine Lebensweisheit mit auf den Weg zu geben: Wenn du dich darüber ärgerst, dass dir ein Vogel auf den Kopf gekackt hat, dann sei lieber froh, dass Kühe nicht fliegen können.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Dokumentarfilme
  • Kino Traumstern
  • Lebensweisen
  • Martin Hoffmann
  • Palingenese
  • Regisseure
  • Rückreise
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.