13. Oktober 2014, 17:08 Uhr

Dokumentation »Beethoven in Stalingrad« im »Traumstern«

Lich – Einen durchaus sehenswerten Film präsentierten Produzent Christian Heinecke (Foto) und Dr. Hans-Martin Jung von der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW am Sonntag im gut besuchten Kino »Traumstern«. Die Dokumentation »Beethoven in Stalingrad« – Regie führten Claudia und Günter Wallbrecht – zeigt das Osnabrücker Symphonieorchester auf einer Konzertreise nach Wolgograd.
13. Oktober 2014, 17:08 Uhr
Christian Heinecke. (Foto: Sascha Jouini)

Neben eigenen Konzerten haben die Niedersachsen einen gemeinsamen Auftritt mit dem dortigen Orchester. Auf dem Programm: Beethovens 9. Symphonie und eine moderne Auftragskomposition.

Kein Interesse beim NDR

Heinecke, selbst Violinist im Orchester, gab den Anstoß zu der einwöchigen Reise und organisierte sie. Er knüpfte Kontakt zu dem russischen Dirigenten Edward Serov, der gastfreundlich reagierte; als schwierig erwiesen sich indes bürokratische Hürden, unter anderem beim Besorgen der Visa für die Einreise.

Die Konzertreise fand Ende Januar 2013 statt, während der Gedenkfeiern zum 70. Jahrestages des russischen Sieges von Stalingrad. Wie Heinecke gegenüber dem Licher Publikum betonte, habe er eine vorwärtsgewandte Richtung der Vergangenheitsbewältigung einschlagen wollen. Der NDR, erst an einer Beteiligung interessiert, sei ausgestiegen, eine Stiftung zur gefährdeten Finanzierung der Dokumentation letztlich eingesprungen. Zu stark versuche die Berichterstattung in den hiesigen Medien meist das Klischee russischer Gedenkzeremonien zwischen »Putin, Parade und Panzer« zu bedienen, kritisierte Heinecke.

Demgegenüber wählte er mit seinem Orchester einen eigenen Weg der Versöhnung. Bei den Proben lernen die Niedersachsen die Wolgograder näher kennen, Freundschaften bahnen sich an. Der Film vermittelt durch Interviews eine differenzierte, kaum idealisierende Vorstellung davon, was sich in den Köpfen der Musiker abspielt. So zeichnet die Gäste zum einen Aufgeschlossenheit und Neugier gegenüber der fremden Kultur aus, zum anderen wirkt manches suspekt auf sie.

Neben den Proben bleibt wenig Zeit für den Besuch eines Panoramamuseums zur Schlacht von Stalingrad – Wolgograd wird noch heute für wenige Tage im Jahr so genannt – oder einer deutsch-russischen Kriegsgräberstätte. Bei letzterer sind in Steinwürfel die Namen über hunderttausend gefallener Soldaten eingraviert. Die riesigen Dimensionen flößen hier Angst ein, geben dem Zuschauer ein Gespür vom Ausmaß des Kriegsgrauens.

Geld für eine neue russische Tournee fehle bislang, dafür kämen die Wolgograder im März 2015 zum wiederholten Male nach Osnabrück, so werde der Austausch gepflegt, merkte Heinecke an. Wenn schon nicht durchs Fernsehen, ist der einstündigen Dokumentation per Kino und die im Handel erhältliche DVD jene überregionale Resonanz zu wünschen, die sie verdient. Sascha Jouini

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